Kino

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      The Eternals
      Trotz des (zumindest auf dem Papier) wirklich bombastischen Casts, ist das für mich einer der schwächsten Marvel-Filme die ich bisher sah. Das Problem ist, dass die Regisseurin offenbar damit gehadert hat, ob sie eine Charakterstudie oder einen Action-Film drehen soll. Viele Einstellungen suggerieren Charakterstudie, dafür sind aber dann die Figuren viel zu oberflächlich gezeichnet. Hingegen ist für einen Action-Film viel zu wenig Dampf im Kessel, der Bösewicht zu schwach und die Motivation der Figuren einfach nur meh... Bin im Kino tatsächlich irgendwo in der Mitte weggedöst um dann beim obligatorischen CGI-Finale wieder aufzuwachen.
      ich bin der singende, tanzende Abschaum der welt.

      el_drogo wrote:


      Zu deiner Frage- aber auf jeden Fall(!!).
      Trotzdem kann ich mich dunkel daran erinnern, dass du mit Blade Runner 2049 nicht viel anfangen konntest... von daher bin ich jetzt wieder verunsichert, da sich dieser Film atmosphärisch, in Sachen Erzähltempo und musikalisch (extrem dröhnender Score) durchaus mit diesem vergleichen lässt, visuell ist Blade Runner allerdings deutlich bunter, von daher würde ich ihn von seinen Werken eher mit The Arrival vergleichen.
      Abseits davon- die von dir beschriebenen Umstände transportiert der Film bestenfalls mit Vorbehalten (und viel Fantasie) auf diese Weise. Gerade Lady Jessica wird meinem Empfinden nach als genauso bedeutend (und dazu noch deutlich vielschichtiger) dargestellt als Leto Atreides & Paul selbst. Sie ist aus meiner Sicht die Figur mit am meissten Identifikationspotential und meine emotionale Bindung war zu ihr am grössten.


      Du hast mit dem Vergleich mit Blade Runner absichtlich oder unabsichtlich ins Schwarze getroffen. Den fand ich zwar optisch und musikalisch anbetungswürdig, aber auf derart plumpe Weise misogyn, das ich damals das Kino verlassen habe. Es gibt genug kluge Artikel zum Thema, also möchte ich es nicht unbedingt auch nochmal ganz breittreten.
      In Kürze: Maegwins Rule besagt, dass der Regie-Mann entweder eine halbe Stunde auf blanke Titten draufhalten darf oder die Trägerin ermorden. Wenn er beides tut, ist nicht die beschriebene Welt kaka, sondern der Regie-Mann weil er die Objektifizierung und Entsorgung der Frau als Plot-Device 1:1 zu seinem Bösewicht nachvollzieht. Das kann durch eine kritische Rahmung durchbrochen werden, passiert aber vorliegend schlicht nicht. Stattdessen hat er im Interview kackdumme D&D-Ausreden geliefert. Ich habe dem Film folglich trotz echter Verliebtheit in Setting und Atmo nichts Gutes gewünscht und es bekommen.

      Der Dune-Plot ist nach heutigen ethischen Standarts aus meiner Sicht unerträglich und unerträglich dumm.

      Sex-Hexen, die männlichen Samen sammeln, um Schabernack damit zu treiben, entsprechen für mich einer Halluzination nach 20 Tagen Fastenkonvent im Priesterseminar anno 1300.
      Nachdem unsere westliche Welt emanzipatorisch sehr weit fortgeschritten ist, möchte ich mich bei einer absichtlichen Überspitzung am Beispiel Rassismus bedienen, weil ich denke, dass unsere Spinnensensoren da (zu Recht!) empfindlicher sind.
      Wenn Jessica eine Schwarze wäre, die die bloße Geliebte eines weißen Farmers bleibt, damit er sich Heiraten mit weißen Farmerfrauen in der Umgebung aus strategischen Gründen schön freihalten kann.. Und wenn diese Jessica ihr schwarzes Kind per Magic in ein weißes verwandeln würde, damit ihr Lover einen weißen Erben hat - und um einer schwarzen Magierlobby eins auszuwischen, käme niemand, nicht einmal der allerletzte Trottel darauf sie als besonders emanzpiert oder identifikationswürdig zu beschreiben. Besonders fragwürdig wäre es, wenn die Geschichte aus der Feder eines Weißen stammt, der ihr Verhalten idealisiert.

      Ich sehe in Jessica für mich kein Identifikationspotential und halte sie innerhalb ihrer eigenen Welt für dämlich. Wissenschaftlichen Schätzungen nach fehlen momentan auf Grund geschlechtsabhängigen Fetozids so um die 140 Millionen Frauen. Ausgerechnet diesen Mädchen-zu-männlichem-Helden-Plot aufzugießen halte ich entsprechend für überflüssig, falsch und zynisch.

      Ich glaube es deutet sich schon an, dass ich den Film nicht geguckt habe. :)
      Entsprechend hat deine Rezi wohl irgendwie das Gegenteil davon bewirkt, was sie ursprünglich sollte, aber ich bin für den gedanklichen Anstoß wirklich dankbar.

      Dafür aber The Last Duel gesehen mit dem ich (für mich) vollkommen unerwartet das emanzipatorische Gegenprogramm bekam. 8|
      Und der mir (trotz der Frisur) sehr gut gefallen hat.
      I have been despised by better men than you.

      Maegwin wrote:

      Sex-Hexen, die männlichen Samen sammeln, um Schabernack damit zu treiben, entsprechen für mich einer Halluzination nach 20 Tagen Fastenkonvent im Priesterseminar anno 1300.
      Nachdem unsere westliche Welt emanzipatorisch sehr weit fortgeschritten ist, möchte ich mich bei einer absichtlichen Überspitzung am Beispiel Rassismus bedienen, weil ich denke, dass unsere Spinnensensoren da (zu Recht!) empfindlicher sind.
      Wenn Jessica eine Schwarze wäre, die die bloße Geliebte eines weißen Farmers bleibt, damit er sich Heiraten mit weißen Farmerfrauen in der Umgebung aus strategischen Gründen schön freihalten kann.. Und wenn diese Jessica ihr schwarzes Kind per Magic in ein weißes verwandeln würde, damit ihr Lover einen weißen Erben hat - und um einer schwarzen Magierlobby eins auszuwischen, käme niemand, nicht einmal der allerletzte Trottel darauf sie als besonders emanzpiert oder identifikationswürdig zu beschreiben. Besonders fragwürdig wäre es, wenn die Geschichte aus der Feder eines Weißen stammt, der ihr Verhalten idealisiert.

      Ich sehe in Jessica für mich kein Identifikationspotential und halte sie innerhalb ihrer eigenen Welt für dämlich. Wissenschaftlichen Schätzungen nach fehlen momentan auf Grund geschlechtsabhängigen Fetozids so um die 140 Millionen Frauen. Ausgerechnet diesen Mädchen-zu-männlichem-Helden-Plot aufzugießen halte ich entsprechend für überflüssig, falsch und zynisch.

      Dem kann man freilich nicht wirklich was entgegenhalten. Wenn die Geschichte gegen Maegwins Rules verstösst, dann ist das nun mal so und keiner wird dich dazu zwingen können etwas zu konsumieren, bei dem bereits die Zutaten Brechreiz auslösen. Letztendlich ist es ja nicht so als würde man eine lebensverändernde Erfahrung verpassen, wenn man den Film nicht gesehen hat. ;) Drogos ethische Standards sind halt nicht ganz so stringent, weshalb er sich von hübschen Verpackungen ganz mühelos über fragwürdige Inhalte hinweg blenden lässt, wie z.B. auch beim strukturellen Rassismus im Herrn der Ringe.
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      ​wie z.B. auch beim strukturellen Rassismus im Herrn der Ringe.


      Damit habe ich mich mal for fun beschäftigt (bin weder arg pro noch contra HdR) aber abgesehen von den Zwergen sehe ich da tatsächlich keinen strukturellen Rassismus. Und auch die fallen teilweise unter "benevolent racism".
      Bahn frei also für HdR. Wenn du ganz sicher gehen willst, müsstest du dir bei den Zwergen halt die Augen zuhalten oder so. :)
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      James Bond - No time to die
      Hmm, schwierig. Auf der einen Seite bin ich geneigt den Film wirklich zu mögen, da er einige Wagnisse eingeht die im Prinzip nicht mit dem Bond-Franchise vereinbar sind, und ich es immer gut finde, wenn mit Konventionen gebrochen wird. Allerdings muss ich es dem Film auch schwer ankreiden, dass man es geschafft hat, nach zwei guten ersten Dritteln dann im dritten Akt so fulminant abzustinken, dass Quantum of Solace fast noch meisterhaft dagegen wirkt. Da verfiel ich teilweise richtig in apathisches Starren, wie dumm manche Aktionen sind.
      Sehr schade, ein bisschen mehr skripttechnische Raffinesse und es hätte ein richtig, richtig guter Abschluss für die Craig-Reihe werden können.
      Insgesamt war die Craig-Ära eine echte Achterbahnfahrt. Nach dem Casino Royale - Höhenflug gabe es direkt mit Quantum of Solace ein böses Erwachen, wonach dann mit Skyfall der Höhepunkt der Reihe folgte um dann im Anschluss mit Spectre wieder ganz tief ab zu saufen. No time to die würde ich persönlich direkt in der Mitte auf Platz 3 verorten. Der Publikumspreis geht dabei ganz klar an Ana de Armas, die mit Ihrem leider zu kurzen Auftritt alle Sympathien an sich reisst und auch mit an der tollsten Action-Szene des Films beteiligt ist. Lashana Lynch blieb leider hinter meinen Erwartungen zurück, was allerdings weniger ihrem Schauspiel als den Drehbuchautoren geschuldet ist, die anscheinend nicht wussten was sie wirklich mit der neuen 007-Figur anfangen wollen. Alle anderen Nebenfiguren erfüllen ihren dramaturgischen Zweck, Craig selbst scheint an diesem Bond wieder etwas mehr Spass gehabt zu haben und versucht die Ambivalenz der Figur wieder ähnlich wie in Skyfall aufs Zelluloid zu bringen. Trotzdem wirkt das ganze letzthin auch wieder skrpittechnisch unausgegoren, was hauptsächlich an den platten und rührseeligen Dialogen auffällt. Ironischerweise ist das wohl einer der längsten Bond-Filme überhaupt und trotzdem wirkt das Ende gehetzt und schlampig dahin gerotzt als wollte man das Ganze jetzt einfach zu einem schnellen Abschluss bringen. Der Titel der Nerdkultur-Kritik trifft es auf den Punkt: Keine Zeit für ein Gutes Ende.
      ich bin der singende, tanzende Abschaum der welt.

      el_drogo wrote:

      James Bond - No time to die
      Hmm, schwierig. [...]


      Ich teile dein Empfinden größtenteils, ich habe mir den neuen Bond auch im Kino angesehen und war allgemein als Film einigermaßen angetan wobei er für mich nur noch wenig mit einem Bond zu tun hatte. Das will ich No time to die aber ähnlich wie du nur ungern ankreiden, da ich den Versuch nach rund 20 ähnlichen um nicht zu sagen gleichen Filmen etwas neues zu wagen, durchaus auch honorieren will.

      Allerdings kann ich mich an die anderen Craig-Filme kaum erinnern, Spectre hab ich nicht gesehen und bei den ersten beiden erinnere ich nur negative Gefühle aber kaum Plot oder spezielle Szenen. Dementsprechend kann ich den neuesten auch nicht in die Craig-Ära einordnen.

      Ansonsten - bei Ana de Armas und Lashana Lynch bin ich komplett bei dir, erstere hat man sofort nach der Szene bis zum Ende vermisst, sie hätte auch etwas mehr bondartige Leichtigkeit in den doch sehr, sehr schweren Film reingebracht, hätte man ihre Rolle ausgeweitet. Warum die Rolle von Lashana Lynch teils so gehyped wurde verstehe ich nicht - die Idee mit der neuen 007 fand ich gut, dass man die Nummer einer Frau gibt, kann und soll man machen, schauspielern kann sie zweifellos, aber außer das sie sehr präzise schießen kann weiß ich nichts über die Figur. Ich fand auch die ersten anderthalb bis zwei drittel klar besser, die Startsequenz in Italien war wunderbar. Die hatte für mich alles: Gute Action, typische Bond-Einstellungen und die Schwere und Ambivalenz, die man neu in das Franchise einbringen wollte. Der Teil in der Karibik hat mir auch gut gefallen - der Teil in Skandinavien und das Ende auf der Insel war mir dann definitiv zu "schwer".
      The Last Duel habe ich übrigens auch noch vor 3 Wochen oder so nachgeholt.
      Ridley Scotts Enttäuschung bzgl. der Einnahmen ist zwar verständlich, dennoch ist der Misserfolg recht nachvollziehbar, da schon der Trailer einfach etwas ganz anderes verspricht als einem letzhin präsentiert wird- eine aus unterschiedlichen Perspektiven erzählte mittelalterliche Vergewaltigung hat natürlich nicht das gleich grosse Zielpublikum wie episches Schlachtengetöse.
      Das alles ändert aber nichts daran, dass das ein sehr guter und wichtiger Film ist, der zwar etwas altbacken inszeniert ist und man Ben Affleck mit blond gebleichten Haaren ertragen muss, dennoch war ich persönlich über die ganze Zeit gefesselt und fand ihn sehr spannend (obwohl ich sonst gar kein grosser Fan des Rashomon-Stils bin). Alle Akteure sind auf den Punkt getroffen und machen ihre Sache sehr glaubhaft.
      Nebenbei bemerkt:
      Show Spoiler
      es war wirklich eine unfassbare Genugtuung, dass a) Le Gris von de Carrouges im Duell besiegt wurde und b) de Carrouges offenbar wenig später in der Schlacht fiel und Marguerite dann ein ruhiges und zufriedenes Leben in Wohlstand ohne männliche Beteiligung führen konnte. Ich hoffe einfach blauäugigerweise mal, dass der Film in dieser Hinsicht nicht gelogen hat.
      ich bin der singende, tanzende Abschaum der welt.
      Die Trailer Begründung kann ich nicht recht nachvollziehen. Ich finde er zeigt recht deutlich um was es in dem Film gehen wird und das es letztendlich in einem Duell enden wird.
      Man muss schon extrem gepolte Scheuklappen tragen wenn man aus dem Trailer auf ein Schlachtenepos schließt ;)
      Deinem Fazit schließe ich mich ansonsten an (ich mag aber auch Rashomon).

      Bzgl. Deines Spoilers.
      Ging mir genau so.
      "Tigris doofitis ordinaris"
      "Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten."
      "Der Strike ist dem Räumfehler sein Tod..."

      Dreenan Kel Zalan wrote:

      Die Trailer Begründung kann ich nicht recht nachvollziehen.
      Stimmt. Ich hätte statt Trailer eher Teaser bzw. Vorschauen im TV schreiben sollen, den Trailer habe ich tatsächlich gar nicht gesehen, da ich mir vollständige Trailer generell nur selten anschaue. Auf jeden Fall hat mir das, was ich im Vorfeld zum Film mitbekam ein anderes Bild bzw. Gefühl vermittelt.
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      Da hier in den letzten Wochen so gut wie kein Traffic war, fehlte mir irgendwie die Motivation etwas zu neu gesichteten Filmen / Serien zu schreiben.
      Aber da ich erst am WE nochmal mit einem Kumpel heiss über den zuletzt im Kino konsumierten Film diskutiert habe, möchte ich noch ein paar Zeilen dazu nachholen, da es doch ein recht eindrückliches Kinoerlebenis war.
      Es geht um den Horror-Film The Sadness, das Filmdebüt des kanadischen Regiesseurs Rob Jabbaz, der das Drehbuch schrieb und auch Regie führte. Der Film wurde offenbar 2021 mitten in der Corona-Pandemie gedreht, als der Regiesseur aufgrund von Reisebeschränkungen in Taiwan festsass und Gerüchten zufolge ein ortsansässiger Geldgeber mit der Idee zu diesem Film zu ihm kam.
      Wir stiessen im Grunde eher zufällig darauf, da der eigentliche Film den wir uns an besagtem WE anschauen wollten im präferierten Kino nicht gezeigt wurde. Trotz der reisserischen Verlautbahrung "Der brutalste Zombie-Film aller Zeiten" auf dem Filmplakat, war der Film in Österreich schon ab 16 freigegeben.
      Tja was soll ich sagen, obwohl wir zunächst noch darüber gewitzelt haben, waren wir uns hinterher alle einig, dass dieser Film das Prädikat durchaus verdient hat (auch wenn wir natürlich nicht jeden jemals erschienenen Zombiefilm gesehen haben).
      Direkt hinter uns sass ein junges Pärchen, das die Volljährigkeit mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit noch nicht erreicht hatte. Als wir beim Abspann aus dem Saal gingen, sah ich wie ihr Freund sie an der Hand hielt und tröstend auf sie einredete, sie war so kreidebleich und sichtlich angeschlagen, dass ich mir nicht sicher war, ob sie sich jeden Moment auf den Kinosessel übergibt.
      Naja jedenfalls- obwohl ich im Nachgang mitbekommen habe, dass viele Kritiker voll des Lobes für den Film waren, würde ich selbst The Sadness zwar nicht wirklich als guten Film bezeichnen, aber ich denke es ist ein Horrorfilm, der mit simplen Mitteln kompromisslos und direkt zu halten versucht, was er verspricht.
      Schwächen würde ich ihm vor allem bei der sehr dünnen Handlung und der schwachen Charakterisierung & Darstellung der Figuren (in Folge des sehr schmalen Budgets wirkt es fast so, als hätte man nur Statisten engagiert) attestieren. Aber vielleicht hilft ja gerade die Tatsache, dass man keine richtige emotionale Bindung zu den Figuren aufbaut dabei, dass man das Spektakel überhaupt bis zum Ende durchhält.
      Nichtsdestotrotz werfe ich ihm das auch nur bedingt vor, da der Focus ja ganz klar wo anders liegt. Der Film ist voller Wut und voller Hass und knüppelt damit in aller Härte auf dich ein. Was den Zuschauer hier erwartet ist schlicht eine einzige Odysee der Gewalt, die tlw. durchaus sehr explizit ist, dann aber auch hier und da wieder mal dankenswerterweise wegschwenkt und der Rest dem Kopf-Kino überlassen wird (was es dann meisstens aber nicht weniger furchtbar macht).
      Und was ihn dann in dieser Hinsicht wiederum doch ein wenig besonders macht ist, dass die Zombies nicht nach altbekannten Mustern funktionieren. Das Virus verwandelt die Menschen nicht in seelenlose Gestalten, die einfach alles zerfleischen und fressen wollen was ihnen in die Quere kommt, sondern die Infektion hat zur Folge, dass sich die Menschen in absolut gewissenlose, sadistische, gewalttätige Wesen verwandeln, die keinerlei Reue oder gar Mitgefühl mehr in sich tragen und einfach dem blanken Wahnsinn verfallen.
      Somit ist die pirmäre Motivation der Zombies nicht die instinktive Nahrungssuche, es geht viel mehr darum die Opfer zu quälen, zu vergewaltigen, ihnen Körperteile abzutrennen und sich an ihrem Leid zu ergötzen. Dabei wird dann auch nicht zwingend zwischen normalen Menschen und Zombies unterschieden, die Zombies feiern auch Orgien unter sich oder bringen sich gegenseitig um. So werden alle Graussamkeiten und (tlw. auch extrem sexualisierte) Gewalttaten im Film stets bei vollem Bewusstsein begangen und mit wütenden, derben Sprüchen kommentiert (weshalb der Zombie-Begriff an sich bei diesem Film auch sicherlich streitbar ist).
      Hierbei kristallisiert sich dann sogar sowas wie eine Hauptbösewicht unter den "Zombies" heraus, der es von Anfang an (schon als er noch Mensch war) auf unsere Protagonistin abgesehen hat und sie von einem Massaker zum nächsten verfolgt.
      Der Film gönnt dem Zuschauer für meinen Geschmack etwas zu wenige Verschnaufpausen und hat eine durchgehend trostolose und extrem angespannte Atmospähre. Mit kaum 90 Minuten Laufzeit ist er dann aber glücklicherweise doch kurz genug, dass man die Zeit im Kinosessel gerade noch so durchhalten kann. Mich hätte es aber auch nicht gewundert, wenn Menschen den Saal verlassen hätten, ich glaube es waren allerdings nur ca. 15 Leute im Kino oder so und die wussten wahrscheinlich was sie bekommen.
      Es gibt wirklich einige Momente, die an der absoluten Grenze zur Erträglichkeit sind, wo sich der Magen zusammen zieht und du einfach nicht mehr anders kannst als den Blick mal kurz zur Seite zu wenden (ging meinen Freunden genau so wie mir). Ich habe auch erst hinterher erfahren, dass der Film in Deutschland zwei mal durch die FSK gerasselt sein soll und schliesslich doch (berechtigterweise) eine FSK 18 bekam, umso verwunderlicher die Freigabe ab 16 in Österreich. Aber dort gibt es das Siegel "keine Jugendfreigabe" wohl nur für Pornos oder was weiss ich, ich habs nicht ganz verstanden. Wenn ich daran denke, dass meine Patentochter dieses Jahr 16 wird... Diesen Film würde ich ihr jedenfalls bestimmt nicht vorsetzen.
      Trotzdem denke ich, dass das Werk bei einer Zweitsichtung seinen Schrecken verliert, das ist aber wohl bei den meissten Horrorfilmen so.
      Für Horrorfans, die sich an hoch explosiver, phsyischer und psychischer Brutalität sowie tonnenweise Kunstblut & Innereien nicht stören, gibt es meine uneingeschränkte Empfehlung. Alle anderen sollten einen grossen Bogen um den Film machen.

      Der nächste Kinofilm wird übrigens The Batman sein, wird sich aber wohl nicht vor nächster Woche ausgehen, das heisst ich muss mich wieder fast 2 Wochen lang gegen von allen Seiten einprasselnde Spoiler erwehren. :(
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      Ich wollte eigentlich was ausführlicheres zu The Batman schreiben, aber irgendwie fehlt mir die Motivation. Er bekommt allerdings meine vollste Empfehlung. Guckt euch den Film an, wenn ihr vom Marvel-Einerlei gelangweilt seid. Er hat auch nichts mit dem DC Justice League - Universe zu tun, sondern schlägt eher in die Kerbe vom Independet-Joker. Er ist einfach ganz anders und ruhig und düster und frisch und voller Subtext und Symbolik. Wahrlich meisterhaft inszeniert und der Score ist absolut atemberaubend. Ein ganz wunderbarer Film
      ich bin der singende, tanzende Abschaum der welt.
      Okay. Also - es ist für mich handwerklich der beste Batman-Film den ich je gesehen habe. Allein die Ausleuchtung - fantastisch.
      Inhaltlich hätte ich so bis zur Hälfte geschworen, dass es der beste Batman-Film ist, den ich je gesehen habe. Dann wurde es mir zu viel von allem gleichzeitig. Ein bisschen als würde man Schnitzel auf Pizza auf Pommes stapeln. Ich habe mir vom Internet erklären lassen, dass der Regi "Kapitel einer Visual Novel" schaffen wollte, von der jedes Kapitel einen eigenen Höhepunkt hat. Mein inneres Gefühl was eher das eines Slapstick-Bösewichts, der immer und immer und immer wieder aufsteht und ich wollte am Ende wirklich nur noch nach Hause.

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      ​Ich hätte es deutlich besser gefunden, wenn nicht Batmans Eltern, sondern er selbst durch seine Konzentration auf sein Nachtleben statt des Fonds irgendwas Schlimmes getan hat, das die Aufmerksamkeit des Riddler nach sieht zieht. Dann hätte man seine Elterngeschichte vielleicht nicht ganz so auswalzen müssen (ich kann und will die echt nicht mehr sehen, der Film schafft es auch nicht, ihr etwas neues abzugewinnen) und der Riddler wäre länger glaubwürdig geblieben, statt ähnlich steil zu gehen wie Daenerys. Klar, mit der crazy card geht alles, aber die Kurve wäre auch deutlich glaubwürdiger und damit spannender zu zeichnen gewesen.
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      Hm. Das mit dem immer wieder aufstehenden Bösewicht kann ich nicht erkennen.
      Und lustigerweise war für mich auch gerade der Umstand sehr erfrischend, dass der Film eben nicht zum einhundertdrölfzigsten mal durch Rückblenden den Mord der Eltern zeigt und/oder das damit verbundene Trauma von Bruce irgendwie aufarbeitet. Es gab ja praktisch nur die "Enthüllung" durch Riddler/Falcone, dass seine Eltern eine nicht ganz so perfekte Fassade haben wie angenommen, was zumindest für mich aus den filmischen Batman-Umsetzungen bisher neu war. Das wars aber auch schon.
      Wo ich dem Film allerdings auch dramaturgische Schwächen attestieren würde ist, dass es keinen echten Höhepunkt gibt und das "Finale" in dieser Hinsicht nicht wirklich Spannung erzeugt- das war für mich allerdings deshalb verschmerzbar, weil die Atmosphäre durchgängig so dicht war, dass die Story tlw. fast zur Nebensache wurde (einer der Hauptakteure war hier für mich die Stadt Gotham selbst).
      Ausserdem gibt es am Ende eine sehr feine Szene, in der Batman die Menschen mit einer Leuchtfackel durch das Dunkel führt, was für mich seine Metamorphose von Vergeltung zu Hoffnung symbolisiert.
      Bei "Crazy Riddler" gebe ich dir auch tlw. recht- das Aufeinandertreffen fand ich nur mässig gelungen und seine überzogene Empörung darüber, dass Batman jetzt doch nicht auf seiner Seite war, fast schon gekünstelt. Trotzdem fand ich das Katz- und Maus Spiel bis dahin sehr gut. Die Rätsel die der Joker vorbereitet, löst Batman ja nicht etwa so schnell, weil er super intelligent oder Sherlock himself ist, sondern weil er den Riddler versteht, weil sie in gewisser Weise eben doch nur zwei Seiten einer Medaille repräsentieren.
      Trotzdem kann ich dem Film sogar den verhältnismässig schwachen Bösewicht verzeihen, da der Focus hier ganz eindeutig auf Batman gerichtet ist. Man springt direkt rein. Batman ist da, Batman bedeutet Angst, Dunkelheit, Vergeltung. Das Voice Over war richtig klasse, erinnerte mich direkt an Rorschach in Watchmen. Hier gibt es ganz wenig Bruce Wayne und dafür ganz viel Batman. Wir kriegen (nicht zuletzt durch die grossartige audio-/ visuelle Umsetzung) Einblick in seine Seele, aber ohne überbordendes Bruce Wayne - Familiendramagedöns.
      ich bin der singende, tanzende Abschaum der welt.
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