Bundestagswahl 2021 - ehemals 2017

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      Maegwin wrote:

      In der Berliner Runde hat er das Ergebnis so interpretiert. Wahlergebnis sei Mandat für bürgerlich dominierte Koalition. Streit mit Laschet Schnee von gestern. Und das CSU Ergebnis bei den Kommunalwahlen in Bayern war top.Fands aber geil. Dieses Verhalten wirs von einem konservativen Politiker erwartet, während Laschet sich nebenan um Kopf und Kragen geredet hat, Scholz als Sprechautomat agiert und Baerbock vor allem der eigenen Bubble weiter gefallen will.


      Mjaaa.
      Ich wüsste nach dem momentan Stand nicht, weshalb sich die Grünen eher Jamaika als Ampel antun wollen würden.


      Wie gesagt, zwischen SPD und Grünen gibt es sehr viele indifferente Wähler, die ohne Scholz leichte Beute für die Grünen wären, glaube ich. Andererseits gilt das natürlich u. U. auch andersherum, wenn die Grünen Jamaika beitreten. Hängt wohl vom Zeithorizont ab und davon, wie man die SPD ohne Scholz einschätzt. Inhaltlich ist das ein Nullsummenspiel, weil andersherum die FDP ja auch nichts von Ampel hätte.

      Cethleann wrote:

      Da es kaum die AFD war, die von Laschet als Kanzlerkandidat profitiert hat, behaupte ich mal jetzt etwas schadenfroh, dass der CDU-Vorstand die richtige Entscheidung getroffen hat.


      Schon krass, dass einfach jede Entscheidung des CDU-Vorstands und Wahlkampfteams falsch war. Angefangen beim Kandidaten Laschet über die Personalie Maaßen, der den AfD-Kandidaten in seinem Kreis sogar gestärkt hat, bis zum "Wirtschaftsfachmann" Merz (bei Wirtschaftskompetenz hat die Union auch ordentlich federn gelassen). Vom imaginierten Lagerwahlkampf, der maximal Stimmen von der Linken zu RG getrieben hat und Stolz auf den Dialog mit Querdenkern, von denen einer nun gemordet hat, gar nicht zu reden.

      Rory2016 wrote:

      naja, das "rotrotgrün" wurd ja glaub ich nur von der Union und ihr nahen Stimmen als ernsthafte Möglichkeit gesehen.

      Ich habe heute morgen noch Werbung auf Youtube Wahlwerbung bekommen, in der der lasche Armin vor RRG gewarnt hat. Wie sehr dieser Wahlkampf aus Unionssicht in die Hose gegangen ist, zeigt sich auch daran, dass gefühlt nur noch davor gewarnt wurde, man würde eine andere Koalition bekommen, wenn man nicht die Union wählt :whistling:
      Bei uns im Norden werden die Gesetze der Gastfreundschaft noch immer in Ehren gehalten. ~ Roose Bolton

      Maegwin wrote:



      ACHJA.

      @Ser Pounce

      SER POUNCE, DU SCHULDEST MIR EIN BIER!

      Bundestagswahl 2021 - ehemals 2017


      Joaaa. So ganz stimme ich da immer noch nicht zu. 2017 stand schließlich auch noch der Olaf Scholz mit Titten zur Wahl - und damit fiel ja das einzige Argument, das heute die Wähler der Mitte zur SPD getrieben hat weg.

      Ich muss aber zugeben dass ich es damals nie für möglich gehalten hätte, 2021 einen Kanzler Scholz zu bekommen. Kriegst 'ne Halbe wenn ich nächstes Jahröfter in der Landeshauptstadt bin.
      We all must choose. Man or woman, young or old, lord or peasant, our choices are the same. We choose light or we choose darkness.
      Zugegebenermaßen ist Scholz noch nicht 300% Kanzler. :/
      Dabei verstreue ich seit Stunden raubkapitalistisch gezwirbelte Plastik-Q-Tipps im Garten um das Karma wieder auszugleichen, das kann doch alles nicht umsonst gewesen sein.

      Ich erkläre die SSW (wtf) übrigens bereits jetzt zum Sieger der Herzen.
      I have been despised by better men than you.
      Grosse Überraschungen blieben ja erwartungsgemäss aus.
      Für mich persönlich noch am ehesten bemerkenswert ist die Tatsache, dass so viele U30 Wähler FDP und Grün gewählt haben, was ja nicht wirklich zusammenpasst.
      Dass die linken so abschmieren hätte ich auch nicht wirklich gedacht, da scheint die Antillinks-Propaganda der CDU/CSU in den vergangenen Wochen ja doch noch einiges bewirkt zu haben.
      Scheint dann wohl wirklich auf die Ampel hinaus zu laufen, auch wenn es im Moment fast nicht vorstellbar scheint, dass FDP und Grüne eine gemeinsame Basis finden. Laschets und Söders Hoffnung auf Jamaika fand ich im ersten Moment ziemlich putzig, aber man kann ja nie wissen was die sich in den kommenden Monaten alles zusammenkaspern werden. Man wird sehen, es bleibt spannend.
      ich bin der singende, tanzende Abschaum der welt.
      Dass die linken so abschmieren hätte ich auch nicht wirklich gedacht, da scheint die Antillinks-Propaganda der CDU/CSU in den vergangenen Wochen ja doch noch einiges bewirkt zu haben.

      Das brauchst du der Union nicht auf die Fahne zu schreiben. Die Linke hatte ein paar gute Jahre als Protestpartei mit guter Basis im Osten, aber den Rang hat ihr eine andere Partei mittlerweile abgelaufen. Dazu hat die SPD es geschafft wieder etwas zu erstarken, nachdem viele sie schon abgeschrieben haben und die Grünen haben ihr bestes Ergebnis im Bund eingefahren, was wegen der Niederlage um das Kanzleramt etwas untergegangen ist. In Statistiken zur Wählerwanderung im Vergleich zu 2017 sollen über eine Million Wähler von der Linkspartei zu SPD und Grünen gewechselt sein. Quelle: mdr.de/nachrichten/deutschland…waehlerwanderung-100.html
      Bei uns im Norden werden die Gesetze der Gastfreundschaft noch immer in Ehren gehalten. ~ Roose Bolton
      Da hast du sicher recht, aber ich hatte nicht mit einer so deutlichen Schlappe gerechnet, da ja viele Youtuber mit Reichweite vom Gefühl her alle eher Richtung Grün/links gepusht haben. Grün blieb ja auch deutlich unter meinen (persönlichen) Erwartungen (ich hatte fest mit etwas zw. 16 und 17% gerechnet).
      Aber das zeigt dann auch wieder nur, dass die Youtube-Generation zumindest im Moment noch keine wirkliche Rolle für die Wahlen spielt.

      Edit: muss meine Aussage tlw. revidieren- ich sehe nämlich gerade, dass für den Erfolg der SPD tatsächlich die Wählergruppe von 18 - 29 das Zünglein an der Waage war.
      ich bin der singende, tanzende Abschaum der welt.

      Post was edited 1 time, last by “el_drogo” ().

      Also nach den letzten Umfragen war damit schon zu rechnen, da lag die Linke nur noch bei 6%. Das ist aber in meinen Augen auch nicht das Verdienst der Union, sondern eher weil viele Linkswähler diesmal für SPD oder Grüne gestimmt haben, bin da selbst so einer.
      Und wie auch Brigthroar richtig gesagt hat, die Linke hält nach knapp 15 Jahren auch nicht mehr als gute Protestpartei her.

      Ich bin jetzt wirklich gespannt, ob das wirklich mit der Ampel klappt, hängt alles von Lindner ab. Es ist übrigens sogar schon in Kommentaren von einem Kompromiss ala Jamaika mit Lindner als Kanzler die Rede, aber das kann ich mir nicht vorstellen, dass sich da Union und besonders die Grünen überreden lassen würden.

      el_drogo wrote:

      Da hast du sicher recht, aber ich hatte nicht mit einer so deutlichen Schlappe gerechnet, da ja viele Youtuber mit Reichweite vom Gefühl her alle eher Richtung Grün/links gepusht haben. Grün blieb ja auch deutlich unter meinen (persönlichen) Erwartungen (ich hatte fest mit etwas zw. 16 und 17% gerechnet).


      Fand beides auch die größten Auffälligkeiten am Endergebnis. Keine riesigen Überraschungen, aber immerhin. Bei beidem dürfte aber eine große Rolle gespielt haben, dass linke Wähler Scholz im Kampf gegen Laschet nichts wegnehmen wollten. Die Linke hat ja auch immer besonders von GroKos profitiert, da bei einer SPD ohne Kanzleramtschancen dieser Entscheidungsgrund wegfällt.

      Bei den Grünen ist die Differenz zwischen gefühlter, medialer Wirklichkeit und Wahlergebnis schon krass.

      Maegwin wrote:

      Übersehe oder missverstehe ich was?

      Ist glaube ich einfach ein sehr provozierender Vorschlag, den ich mal sacken lassen muss. Gibt ja so Gedanken, die man über längere Zeit hegen muss, bis man zu einem Ergebnis kommt, der Samen ist aber auf jeden Fall gepflanzt. Spontan denke ich, dass ich die Möglichkeit präferieren würde, wenn die Parteien ihre Koalitionswünsche selber ranken könnten. Also die SPD sagt meinetwegen 1. RG 2. Ampel 3. GroKo, die Union sagt 1.Schwarz-Gelb 2. Jamaika 3. GroKo, und das erste machbare Ergebnis mit den höchsten Stimmanteilen gewinnt. Oder so. Gibt da wahrscheinlich ein Dutzend Fallstricke in den verschiedenen Szenarien.

      Maegwin wrote:

      Ich hoffe der sichtbar gefaltete Zettel war die letzte Laschet-Peinlichkeit, die ich ertragen musste.

      Einerseits hoffe ich, dass die CDU ihn endlich vom Hof jagt (schlechtestes Parteiergebnis aller Zeiten, wesentlich schlechtere Umfragewerte als Kanzlerkandidat, nicht einmal in der Lage, einen Stimmzettel korrekt zu falten, und trotz allem Ansprüche anmelden, fast so peinlich wie Schröder 2005), andererseits befürchte ich ein wenig die Implosion der CDU, die im Falle der Opposition durch einen Richtungsstreit ausgelöst werden könnte. Vor allem die östlichen Landesverbände sind ja dafür anfällig, Richtung AfD zu schielen. Das mag vielleicht weniger für die erste Riege wie Haseloff oder Kretschmer gelten, aber die zweite Riege und die Basis scheinen mir da weniger konsequent. Allein aus taktischen Gründen kann die Bundes-CDU aber nicht zulassen, dass diese Landesverbände zu weit nach rechts rücken, weil die Wahlen eben immer noch weitgehend im Westen entschieden werden, wo es nicht so viel Verständnis für die Höckes dieses Landes gibt. Auch als sozialliberaler Wähler hätte ich gerne eine stabile konservative Partei, die sich nicht selber zerlegt.

      Maegwin wrote:

      Ich erkläre die SSW (wtf) übrigens bereits jetzt zum Sieger der Herzen.

      <3

      el_drogo wrote:

      Für mich persönlich noch am ehesten bemerkenswert ist die Tatsache, dass so viele U30 Wähler FDP und Grün gewählt haben, was ja nicht wirklich zusammenpasst.

      Weiß ich nicht, ob das tatsächlich so wenig zusammenpasst. Letzten Endes sind es beides Parteien, die von jungen Menschen als progressiv verstanden werden und Zukunftsthemen auf ihrer Agenda haben (Digitalisierung und Klimaschutz), zumal die FDP sicher auch mit ihrer Kritik an Corona-Maßnahmen punkten konnte. Wenn du als 20jähriger noch nie einen Club von innen gesehen und das Gefühl hast, dir würden die Jahre gestohlen werden, ist die FDP als "Vorkämpferin für Freiheitsrechte" natürlich attraktiv. Die ideologischen Unterschiede zwischen den beiden Parteien dürften glaube ich in jüngeren Jahren noch nicht so arg die Rolle spielen. Wer kümmert sich denn als Erstwähler beispielsweise ernsthaft um das Thema Steuern, zumal es bei beiden Parteien ein großes bürgerliches Klientel gibt, das in dem Alter entweder noch zur Schule geht oder studiert.

      el_drogo wrote:

      Dass die linken so abschmieren hätte ich auch nicht wirklich gedacht, da scheint die Antillinks-Propaganda der CDU/CSU in den vergangenen Wochen ja doch noch einiges bewirkt zu haben.

      Schmarrn. ;) Habe dir doch neulich ein bisschen zu erklären versucht, was das Problem der Linken ist. Es dürfte kaum jemand nicht links wählen, weil Union und FDP eine Kampagne fahren. Dass dieses Jahr nicht einmal die 5%-Hürde genommen wurde, dürfte an der Polarisierung zwischen Union und SPD gelegen haben, ansonsten wäre sicherlich ein Punkt oder so mehr drin gewesen. Dennoch hat die Linke seit geraumer Zeit ein gewaltiges Problem. Die Partei ist (als PDS) vor allem entstanden als Auffangbecken für die Wähler des Ostens, denen das alles ein bisschen zu schnell ging mit der Wende und die sich dort verstanden fühlten. Im Westen entstand die WASG aus SPDlern, die keine Lust auf Schröders (A)Sozialgesetzgebung hatten (bekanntester Politiker dürfte Lafontaine gewesen sein) und zum Teil äußerst linksdogamatisch bis sozialistisch unterwegs waren. Diese beiden Parteien gingen dann 2007 zusammen zur Linke, aber diese Spaltung zwischen Ost und West blieb relativ deutlich, wie man allein an Wahlergebnissen sehen konnte. Im Osten Volkspartei, im Westen oftmals nicht einmal in den Landesparlamenten vertreten. Jetzt gibt es seit einigen Jahren eine neue Partei im Osten, die die Stimmung viel besser auffängt und der Linken den Rang mal mehr, mal weniger deutlich abgelaufen hat. Im Westen tun sich dagegen viele schwer mit sozialistischen Ideen und dieser Russlandfreundlichkeit. Da stellt sich irgendwann die Frage, an wen sich die Partei eigentlich wenden will. Im Osten sterben die DDR-Nostalgiker aus, diejenigen, die zur Wende jung waren, wählen verstärkt AfD, die jetzt Jungen sind relativ ungebunden (aber auch sehr AfD-affin). Im Westen kann man mit dem Loblied auf die Internationale sowieso nicht so arg viel reißen, und Leute in prekären Lebensverhältnissen sind (sofern sie überhaupt wählen gehen) vielleicht auch nicht immer so verständnisvoll, dass Solidarität nicht an der Staatsgrenze endet. Am Ende läuft es darauf hinaus, dass es einen Richtungsstreit zwischen Fundis (Lafontaine, Wagenknecht, etc) und "Realos" (Gysi, Ramelow, etc) gibt und man daher weder die Sozialisten noch die Sozialliberalen wirklich anspricht, zumal die Realos vor allem außenpolitisch selber am Rande der Unzurechnungsfähigkeit agieren.

      Mit dem Gesamtergebnis der Wahl bin ich gar nicht einmal so unzufrieden. AfD verliert weiter, FDP gewinnt nur leicht, Laschet wird abgestraft, SPD konsolidiert sich, Grüne gewinnen stark, Linke ist ganz knapp drin. Da kann ich mich an schlimmere Ausgänge erinnern.
      "You're going to fight that?"
      "I'm going to kill that."

      Grunkins wrote:

      Bei den Grünen ist die Differenz zwischen gefühlter, medialer Wirklichkeit und Wahlergebnis schon krass.
      jein, gerade medial ist deren Spitzenkandidatin aus meiner Sicht doch deutlich schlechter weggekommen, auch wenn ihre "Skandale" eigentlich nicht stärker als die der anderen beiden ins Gewicht hätten fallen müssen bzw. Sie sich sogar offener (oftmals auch faktengetreuer) mit ihren Vorstellungen positioniert hat. Am Ende könnten natürlich auch nochmal einige Stimmen an die SPD gegangen sein, als es klar wurde das Laschet in den Umfragen doch wieder aufgeholt hat.

      Ser Oberyn Martell wrote:

      Wenn du als 20jähriger noch nie einen Club von innen gesehen
      tja, soll Leute in ihren 30ern geben die das nie gekannt oder vermisst haben.

      Ser Oberyn Martell wrote:

      Weiß ich nicht, ob das tatsächlich so wenig zusammenpasst. Letzten Endes sind es beides Parteien, die von jungen Menschen als progressiv verstanden werden und Zukunftsthemen auf ihrer Agenda haben (Digitalisierung und Klimaschutz), zumal die FDP sicher auch mit ihrer Kritik an Corona-Maßnahmen punkten konnte. Wenn du als 20jähriger noch nie einen Club von innen gesehen und das Gefühl hast, dir würden die Jahre gestohlen werden, ist die FDP als "Vorkämpferin für Freiheitsrechte" natürlich attraktiv.

      Naja aber doch gerade beim Klimaschutz sind die Parteien Lichtjahre voneiander entfernt. Der Klimaschutz der FDP beschränkt sich im Grunde darauf die Industrie und den Markt die Sache selbst regeln zu lassen und auf die deutsche Ingenieurskunst zu hoffen. Vermutlich hat nur noch die AfD noch weniger für (staatliche) Klimaschutzmassnahmen übrig als die FDP.
      Bei deinem Corona-Argument gehe ich auch nicht wirklich ganz mit, wo sich doch immer wieder gezeigt hat, dass gerade die jüngeren Generationen am meissten Verständnis und Toleranz für die Sache aufbringen konnten.

      Zu der Sache mit den Linken:
      Ich würde dir da sicher in keinem Punkt widersprechen, dennoch empfand ich die Pleite gefühlt als auffällig hoch, und der CDU/CSU - Wahlkampf bestand ja quasi ausschliesslich aus links-Bashing, von daher gehe ich nach wie vor davon aus, dass das schon auch eine Rolle gespielt haben könnte.
      ich bin der singende, tanzende Abschaum der welt.

      Rory2016 wrote:

      jein, gerade medial ist deren Spitzenkandidatin aus meiner Sicht doch deutlich schlechter weggekommen, auch wenn ihre "Skandale" eigentlich nicht stärker als die der anderen beiden ins Gewicht hätten fallen müssen bzw. Sie sich sogar offener (oftmals auch faktengetreuer) mit ihren Vorstellungen positioniert hat.


      Da bin ich anderer Meinung, aber mir geht es nicht nur um den Wahlkampf sondern um das vermeintlich produzierte Stimmungsbild der letzten zwei Jahre. Gefühlter Erstwähler-Anteil der Grünen bei 80%, als würde die junge (meine) Generation nur aus FFF-Leuten bestehen, überall fundamentale Wandelstimmung, Klimaschutz als unangefochtenes politisches Thema Nr. 1, breiter Wille, den Lebenswandel grundsätzlich in Frage zu stellen...

      Zugegeben, mag auch mit der Art der konsumierten Medien zu tun haben, lineares Fernsehen und regionale/lokale Tageszeitungen, die für die meisten Deutschen immer noch die Hauptinformationsquelle sein dürften, spielen in meinem Medienkonsumverhalten kaum eine Rolle.

      el_drogo wrote:

      Naja aber doch gerade beim Klimaschutz sind die Parteien Lichtjahre voneiander entfernt. Der Klimaschutz der FDP beschränkt sich im Grunde darauf die Industrie und den Markt die Sache selbst regeln zu lassen und auf die deutsche Ingenieurskunst zu hoffen. Vermutlich hat nur noch die AfD noch weniger für (staatliche) Klimaschutzmassnahmen übrig als die FDP.


      Na ja - wenn die FDP ihr Programm so umsetzen würde, wäre es ein sehr striktes, effizientes Klimaschutzprogramm. In meinen Augen hat sie genug Hints gegeben, dass es dazu nicht kommen wird, aber nicht sicher, wie das wahr genommen wird.

      Aber abgesehen davon ist es doch nur plausibel, dass die beiden stärksten Parteien auch unterschiedliche Schwerpunkte / Inhalte haben oder gehst du von einheitlichen Präferenzen in einer ganzen Generation aus?

      Die beiden Pole - liberal im Sinne von das eigene Leben gestalten wollen wie man will und grün im Sinne von die Welt verbessern zu wollen (Klimaschutz, Flüchtlinge, Frauen- und Queerrechte) - finde ich sehr einleuchtend für das Wahlverhalten meiner Generation. Nicht zuletzt dürften aber auch ästhetische Kriterien eine Rolle spielen. Mit Laschet oder Scholz will keiner ein Bier trinken gehen.

      Interessanterweise matchen die Ergebnisse der 18-29 Jährigen meine Einschätzung des Wahlverhaltens meines Freundes- und Bekanntenkreises nahezu perfekt (außer das ich 0% AfD drin haben dürfte). Hätte ich nicht unbedingt gedacht, da inzwischen, nachdem auch die Leute, die eine klassische Ausbildung begonnen haben, sich weiter orientiert haben, der Studenten- und Akademikeranteil bei ca. 95% liegt.

      el_drogo wrote:

      Naja aber doch gerade beim Klimaschutz sind die Parteien Lichtjahre voneiander entfernt.
      Hmm, zum einen sind die Erstwähler natürlich keine homogene Masse, die alle den Klimaschutz an erster Stelle stehen haben, zum anderen denke ich nicht, dass sie ihre Wahlentscheidung im Durchschnitt so wesentlich logischer treffen als andere Altersklassen. Die FDP spricht junge Menschen schon vom Auftreten her an, und wenn man dann ein 19jähriger Abiturient ist, der miterlebt hat, dass die digitale Aufstellung in der Schule katastrophal war, der irgendwas von Faxgeräten in Gesundheitsämtern hört oder der in einem Kaff wohnt, wo es nur auf dem Kirchturm Netz gibt, dann kann dieses Digitalisierungsprofil der FDP durchaus ansprechend sein. Und die FDP stellt sich ja nicht hin und äußert sich grundsätzlich klimawandelskeptisch, die betont halt immer nur den anderen Weg, den sie gehen möchte, nämlich ohne Verbote und wirtschaftsfreundlich. Wenn das gut verpackt ist (Lindner scheint ja auf einige nicht uncharismatisch zu wirken) und man das Thema womöglich sowieso nicht ganz oben hat, spricht an der Stelle halt nicht so viel gegen die FDP. Diejenigen, die das dann tatsächlich auf Herz und Nieren prüfen und für die die Thematik relevanter ist, landen dann womöglich eher bei den Grünen.

      el_drogo wrote:

      Bei deinem Corona-Argument gehe ich auch nicht wirklich ganz mit, wo sich doch immer wieder gezeigt hat, dass gerade die jüngeren Generationen am meissten Verständnis und Toleranz für die Sache aufbringen konnten.

      Ich muss gestehen, ich habe keine repräsentativen Zahlen vor Augen, ich habe nur familiär und beruflich mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu tun, und das Verständnis ist in meiner Wahrnehmung doch eher gesunken. Habe dort und auch an Wahlständen einige junge Menschen erlebt, für die die Positionierung einer Partei zu Corona-Maßnahmen wahlentscheidend war (und zwar in dem Sinne, dass sie Konzepte für Lockerungen forderten). Das muss keinesfalls die Mehrheit sein, aber diese Menschen gibt es. Und an der Stelle kann ich mir gut vorstellen, dass es für manche eine Rolle spielte. Da muss ich allerdings in der Tat noch mal schauen, inwiefern sich das statistisch unterfüttern lässt.

      el_drogo wrote:

      dennoch empfand ich die Pleite gefühlt als auffällig hoch, und der CDU/CSU - Wahlkampf bestand ja quasi ausschliesslich aus links-Bashing, von daher gehe ich nach wie vor davon aus, dass das schon auch eine Rolle gespielt haben könnte.

      Ich kann es mir tatsächlich kaum vorstellen, zumal das ja bei anderen Wahlen nicht anders war. Wenn ich mit dem Gedanken spiele, die Linke zu wählen, bin ich entweder politisch so gefestigt oder so Anti-Establishment, dass ich mir das nicht vom rechten politischen Spektrum ausreden lasse. Und auch wenn es ein paar Hundert oder ein paar Tausend gab, die sich haben beeinflussen lassen, würde das immer noch nicht den Absturz erklären. Das sind andere Probleme, wie auch Dietmar Bartsch gestern zugab.
      "You're going to fight that?"
      "I'm going to kill that."

      Ser Oberyn Martell wrote:

      Das sind andere Probleme, wie auch Dietmar Bartsch gestern zugab.


      Jau. Denke:
      1. Irgendwann wird es auch dem protestierendsten Protestwähler zu doof, seine Stimme zu verschenken. Lustig war, dass Wagenknecht am Wahlabend nochmal klargestellt hat, dass die richtige Position haben wichtiger ist, als irgendeine Position jemals durchzusetzen.
      2. Faktor Zeit - Man darf nicht vergessen, dass die Linke ihre Stärke ungefähr zu Hälfte der WASG verdankt und irgendwann verfliegt dann auch die Zugkraft von "Anti-Agenda" und "Hartz IV"
      3. Faktor Zeit II - Im Osten stirbt die PDS-Generation langsam aus.
      4. Inhalte - Nicht mal die FDP kann man heute noch ernsthaft als neoliberal bezeichnen. Der dritte Weg der Sozen ist längst dreimal überholt. Die Linke kämpft gegen ein Phantom.
      5. Personal - wer kennt denn schon Wissler oder Hennig-Wellsow? Lafontaine ist inzwischen ein verschwurbelter Pensionär, Gysi hat sich von der Spitze zurückgezogen und hat, auch wenn man es ihm nicht ansieht, die 70 längst hinter sich gelassen, Wagenknecht wurde an den Rand gedrängt und glaube, sie war immer zu intellektuell orientiert um das gewünschte Klientel anzusprechen. Und ihr Kurs, von der AfD Stimmen zurückgewinnen zu wollen, macht sie auch nicht attraktiver für das RRG geneigte Potential. Kipping kannte man immerhin und bei Lötzsch und Ernst hat sich die Mitte wenigstens noch gegruselt. Bartsch ist der letzte einer breiten Öffentlichkeit bekannte würde ich sagen und gefühlt auch schon ewig da.

      el_drogo wrote:

      der CDU/CSU - Wahlkampf bestand ja quasi ausschliesslich aus links-Bashing, von daher gehe ich nach wie vor davon aus, dass das schon auch eine Rolle gespielt haben könnte.


      Dieses links-Bashing zielte aber primär auf die SPD, der immer unterstellt wurde, ein Bündnis mit den Linken anzustreben. Ich vermute auch, dass der Grund für die Schwäche der Linken eher in ihrer schlechten Wahlkampagne liegt.

      Ser Oberyn Martell wrote:

      Die FDP spricht junge Menschen schon vom Auftreten her an, und wenn man dann ein 19jähriger Abiturient ist, der miterlebt hat, dass die digitale Aufstellung in der Schule katastrophal war, der irgendwas von Faxgeräten in Gesundheitsämtern hört oder der in einem Kaff wohnt, wo es nur auf dem Kirchturm Netz gibt, dann kann dieses Digitalisierungsprofil der FDP durchaus ansprechend sein.


      Ich gebe gerne zu, dass die FDP in diesen Wahlkampf eine geschickte Kampagne hatte, aber ist denn diese Partei im Bereich Digitalisierung bereits durch kompetente politische Initiativen aufgefallen? Ich vermute, Digitalisierung bedeutet für die FDP Privatisierung von öffentlichen Eigentum und Abbau von Arbeitsplätzen, die dann als zukunftsweisende Rationalisierungsmaßnahmen verkauft werden. Viele Erst- und Jungwähler werden die Regierungsarbeit der FDP noch nicht kennen. Dieser Hype um eine Partei, die das Lebensgefühl junger Menschen anspricht, sich für Digitalisierung, eine liberale Drogenpolitik und Bürgerrechte einsetzt, erinnert mich ein wenig an die Piratenpartei. Die haben insbesondere in Berlin der Linken eine zeitlang arg zugesetzt, sind dann rasch wieder in Versenkung verschwunden. Da gerade junge Wähler häufig Wechselwähler sind, denke ich, dass die Linke, wenn sie sich wieder etwas geschickter anstellt, da durchaus Stimmen gewinnen kann.

      Grunkins wrote:

      Nicht mal die FDP kann man heute noch ernsthaft als neoliberal bezeichnen


      Ernsthaft? Klar, die neoliberale Hegemonie zeigt seit der Finanzkrise von 2007 erste Brüche, die sich mit der Covid Pandemie noch einmal vertieft haben. Das Weltwirtschaftsforum hat im letzen Jahr das Ende des Shareholder-Kapitalismus verkündet und ein stärker gemeinwohlorientiertes Wirtschaften angemahnt, freilich ohne dabei die Grundlagen des Kapitalismus in Frage zu stellen. Diese Entwicklungen sollen sich ausgerechnet in der FDP widerspiegeln?

      Nachtrag: Ein Twitter Thread zur Beliebtheit der FDP bei jungen Menschen
      twitter.com/tincon/status/1442453203115597825
      “I: You’re a communist then. S: Let’s say I’m old enough not to be dazzled by Ayn Rand.”

      Kameron Hurley, The Light Brigade

      Post was edited 1 time, last by “a.rogue.prince” ().

      Koalition? 11
      1.  
        Ampel (9) 82%
      2.  
        Jamaika (2) 18%
      3.  
        GroKo (0) 0%
      4.  
        Bahamas (0) 0%
      So, das Ergebnis hier wird für die Parteien verbindlich sein. Wenn sie was anderes machen, dürft ihr euch bei denen beschweren.

      Wollte auch ne Antwort wie "Minderheitsregierung SSW" schreiben, aber das würde mir das Ergebnis doch zu sehr verfälschen.

      Ser Oberyn Martell wrote:

      Joa, mein Opa war meines Wissens auch nie in einem Club. Was fangen wir jetzt damit an?
      weiß nicht, war vielleicht auch nur die eigene subjektive Erfahrung und die Verwunderung das dieses Rausch/legale Drogen immer so hochgehalten wird, ohne das man quasi schon seine Jugend verpasst oder nix erlebt hätte .

      Grunkins wrote:

      Zugegeben, mag auch mit der Art der konsumierten Medien zu tun haben, lineares Fernsehen und regionale/lokale Tageszeitungen, die für die meisten Deutschen immer noch die Hauptinformationsquelle sein dürften, spielen in meinem Medienkonsumverhalten kaum eine Rolle.
      den Eindruck hatte ich weder im Real Life noch in den Medien, dass es eine so überwältigende Mehrheit der Generation wäre die sich engagiert - waren ja nicht durchgehend ne halbe Millionen oder gar mehre auf der Straße .