Beiträge von Lord Varys

    Na ja, der Text ist da halt anderer Ansicht. Demzufolge vermuten die Bolton-Getreuen zwar, dass Arya nicht Arya ist, aber ohne Beweis/glaubwürdigen Zeugen sagt man nichts. Keiner der Kerle in Winterfell hat Arya gekannt, und ganz bestimmt kennen die auch ihre Augenfarbe nicht. Die kennt bloß Theon, und auch nur er hält das für ein Problem. Jetzt, wo er wieder er selbst ist, dürften seine Worte allerdings ein anderes Gewicht haben als als Ramsays Schoßhund.


    Und wo wir dabei sind. Warum schreibt nicht Roose einfach seinen Namen anstelle des Namens unter den Brief, wenn's den seiner war? Der Effekt wäre der gleiche gewesen... Jon tut nicht, was er tut, weil da Ramsay Bolton steht. Er tut es wegen dem, was in dem Brief steht...

    Weil das Ding von Ramsay und nicht von Roose Bolton unterschrieben ist?!


    Und weiter wird ein riesiges Brimborium um die falsche Arya gemacht. Lady Dustin und Roose machen überdeutlich klar, dass der Norden den Boltons nicht folgen wird, sollten sie einen Beweis dafür kriegen, dass Arya nicht Arya ist. Und sie wären auch darüber angepisst, wenn Arya schlecht behandelt würde. Würde Theon also Stannis Erklärung unterstützen, würden nicht nur die Manderlys sondern möglicherweise alle Lords in Winterfell die Boltons verraten...


    Winterfell anzugreifen macht nur dann Sinn, wenn man danach jemanden dort als Herrscher installieren kann. Ohne Arya Stark geht das nicht. Und mit dem Wissen, dass Bran und Rickon noch leben, werden die Mädchen ohnehin irrelevant.

    Stannis kann von dem Banker, Theon und Jeyne folgendes erfahren:


    - dass 'Arya' nicht Arya ist (damit entfällt der Anlass, Winterfell anzugreifen)
    - dass Arnolf Karstark ein dreckiger Verräter ist (damit ist er tot)
    - dass Bran und Rickon noch leben (von Theon)


    Das allein sollte die bisherige Planung durchaus ändern. Vor allem da mit der Enthüllung über 'Arya' Roose und Ramsay alleine im Regen stehen werden. Stannis braucht das nur laut proklamieren zu lassen. Danach wären Ramsay, Roose, ein paar Freys und Lady Dustin allein.


    Mit Asha und Theon könnte sich Stannis allerdings die Eiseninseln krallen, und das könnte auf lange Sicht erfolgversprechender sein, als sinnlos im Schnee Winterfell anzugreifen. Auch und gerade wenn da niemand relevantes mehr drin. Dass Roose seinen Sohnemann im Stich gelassen hat, kann meines Erachtens daran erkennen, dass Ramsay und nicht er den Brief schreibt...


    Dazu kommt dann noch der angekündigte Manderly-Verrat. Und das war nicht nur leeres Geschwätz. Manderly hat den Boltons und Freys ja die drei vermissten Freys als Braten vorgesetzt auf der Hochzeit vorgesetzt (sonst hätte er wohl kaum das Lied vom Rattenkoch während dem Futtern verlangt). Der Kerl ist auf, äh, sympathische Weise verrückt...

    Die Cliffhanger mag ich hier sehr viel lieber als in AFfC. Daenerys Meereen-Geschichte ist für sie abgeschlossen. Da fängt jetzt was neues an. Jon ist tot. Cersei hat sich verändert, auch hier sehe Potential für Entwicklung. Jaime wird entweder aufgehängt oder darf was ganz anderes machen. Keine Ahnung wie er sich da rausreden sollte.
    Aryas Ausbildung ist sehr schön zu lesen.


    Tyrion hat hingegen zu viele Kapitel. Da hat der Großteil nicht interessiert. Allerdings kann man schon absehen, worauf die Meereen-Handlung rausläuft. Victarion und Tyrion werden Selmy den Arsch retten. Und Tyrion zähmt mit seinem Drachenblut und dem Horn, das ein, äh, Idiot wird blasen müssen, die Drachen, nachdem das mit Victarions Blut nicht klappen wird.


    Bran und Davos haben viel zu wenig Kapitel, das ist wahr. Das ist eigentlich schon fast Betrug.


    Rickon ist definitiv auf Skagos. Sonst würde Manderly keinen Schmuggler zu Schiff brauchen, um ihn einzusammeln.


    Was mich wirklich anpisst, ist der Rosafarbene Brief und das Ende von Stannis' Handlungsbogen. Das ist ein Schlag ins Gesicht.

    Er ist es. Er wird auch so beschrieben, inklusive Muttermal. Das ist jetzt nur noch ein Fleck auf seinem verholzten Hals, sieht aber immer noch so aus wie früher. Deswegen wollte ich auch, dass die Leute die Dunk & Egg Geschichten vorher lesen. Da taucht er nämlich auf. Ohne sie zu kennen, gibt's aber weder bei 'Brynden' noch bei der Beschreibung des Baummannes einen Aha-Effekt. Da steht man als Nur-Leser der normalen Reihe verdammt im Regen.


    Und deswegen sollte man auch von den Anhängen wegbleiben, weil da steht, dass die verdammte Krähe 'Brynden' heißt, was ein sehr fieser und offensichtlicher Spoiler ist.

    Na ja, laut eigener Aussage liest Martin selbst keine ASoIaF-Foren. Man mag ihn zu dem Thema schon mal angesprochen haben, ja, aber das gilt auch für tausend andere Dinge, auf die sich keine (möglicherweise falschen) Anspielungen im Text finden. Cersei und Jaime sehen meines Erachtens zu sehr wie Lannisters aus, um mit den Targaryen verwandt zu sein. Und Tyrion ist ja auch der Lannister, dem sowohl Dany als auch Selmy demnächst bewusst begegnen dürften. Selmy könnte durchaus darüber Bescheid wissen (oder zumindest vermuten), dass/ob Tyrion Danys Halbbruder ist. Und sollte das der Fall sein, würde das im nächsten Band wohl aufgelöst werden. Auch und gerade weil dieser Umstand sowohl drachentechnisch als auch familientechnisch weiterhelfen könnte. Letztlich könnte das auch Tyrion den Weg zum Eisernen Thron öffnen, da er möglicherweise legitimiert würde, und damit ein Erbe von Aegon und/oder Dany werden könnte.
    Und diese verstrahlten Drachenträume waren ja auch immer schon ein Indiz. Vielleicht sogar dass Varys Tyrion zu Daenerys geschickt hat. Wenn er wusste, dass er Aerys' Sohn war, macht es Sinn, dass er ihn für Aegons und Danys Sache gewinnen wollen würde...


    Wären Cersei und Jaime Targaryen-Bastarde fände das zumindest ich nicht 'mal lustig.


    Der junge Aerys scheint zwar schon auf Joanna gestanden zu haben, aber er war ja auch mit Tywin befreundet. Von daher halte ich es für eher unwahrscheinlich, dass er gleich zugeschlagen hätte. Obwohl ich es für möglich halte, dass zwischen Aerys und Joanna vor der Heirat etwas gelaufen sein könnte - wahrscheinlich kein Sex, sonst hätte Aerys sich wohl nicht nach der 'Ersten Nacht' gesehnt, aber Knutschereien wären durchaus denkbar, denke ich. Auch und gerade weil Joanna ja Hofdame von Prinzessin Rhaella war, und als solche wohl auch mit dem jungen Aerys alles andere als unvertraut gewesen sein dürfte.


    Von daher halte ich es nicht für unwahrscheinlich, dass Aerys sich erst in späteren Jahren, als das Verhältnis zu Tywin schlechter wurde, dazu hinreißen ließ, seinen Gelüsten zu folgen. Und man sollte Joanna dabei durchaus auch mit berücksichtigen. Tywin der Sohn des Lords von Casterly Rock, aber Aerys war ein Targaryenprinz, später der Kronprinz und am Ende der König. Tywin war bloß die Hand. Wir wissen, dass Tywin Joanna abgöttisch geliebt haben soll, aber ob diese Liebe auf Gegenseitigkeit beruhte, wissen wir so noch nicht. Und gerade der ältere Tywin dürfte eher ein unangenehmer bis abweisend-kalter Ehemann gewesen sein. Da könnte man ihr eine Affäre nicht einmal vorwerfen.

    In der Geschichte geht es um die gegenwärtige (schwangere) Lady von Winterfell, deren Lord Beron Stark nach der Rückkehr aus dem Krieg mit dem Eisenmännern Dagon Greyjoys an einer aller Wahrscheinlichkeit tödlichen Verletzung langsam dahinsiecht. Als Mutter des nächsten Lords wäre damit sie wohl formal die Frau, die die Hosen in Winterfell anhat.


    Aber es soll da noch vier oder fünf weitere 'Wölfinnen' geben - allesamt Witwen (oder möglicherweise auch Schwestern) verstorbener Lords von Winterfell, die in der Hinsicht andere Positionen vertreten. Dunk & Egg werden sich dann in diesem Schlangennest irgendwie behaupten müssen. Und ich wäre natürlich nicht im geringsten überrascht, wenn besagte Lady aus Dunks Perspektive ein heißer Feger wäre ;-).


    Die Geschichte selbst heißt im übrigen doch nicht 'Dangerous Women', vielmehr die Anthologie, in der sie veröffentlicht wird. Aber das hat GRRM selbst schon in seinem Blog gesagt.

    Ich sage nein. Zum einen wäre das der dämlichst beschriebene Tod in der ganzen Serie. Niemand hat sich für Balon interessiert - Stannis war ein Hauptcharakter der Serie seit ACoK, er kann nicht einfach in einem Brief von Ramsay für tot erklärt werden.
    Nachdem das aber kein Argument ist, würde ich sagen, dass


    1. Stannis nach der Ankunft des Bankers sowie Theons und Jeynes gar keinen Grund mehr hatte, Winterfell in einem selbstmörderischen Angriff anzugreifen. Man wollte ja vor allem Arya Stark retten. Die war damit aber gerettet bzw. bestätigterweise nicht Arya Stark.


    2. Stannis nach der Ankunft des Bankers und Theons über Arnolf Karstarks Verrat Bescheid wusste. Der konnte ihm damit wohl nicht mehr in den Rücken fallen, sondern ist seinerseits mehr oder weniger postwendend ins Feuer gewandert. Was eine möglicherweise doch stattfindende Schlacht wahrscheinlich zu Stannis' Gunsten gewendet hätte - auch und gerade da Lord Manderly höchst überzeugend angekündigt hat, Roose und Ramsay seinerseits zu verraten.


    3. Stannis durch die lautstarke Enthüllung der Identität von 'Arya Stark' (bekräftigt durch Theon persönlich) vor den Burgmauern Ramsay und Roose - von Lady Dustin abgesehen - sämtliche Unterstützung seiner anderen Verbündeten aus dem Norden hätte entziehen können. Immerhin erzählt Lady Dustin selbst, dass 'Arya' im höchsten Maße entscheidend ist, um die Nordmannen an das Haus Bolton zu binden. Sollten sie Zweifel an ihrer Identität bekommen, würde sich das höchst vernichtend auf die Sache des Hauses Bolton auswirken.


    4. Es im höchsten Maße verdächtig ist, dass Ramsay in seinem Brief nur die Leute haben will, von denen jeder Idiot weiß, wo sie sich aufhalten (Mel, Selyse, Shireen) bzw. die sich vorher in Winterfell befunden haben (Theon, Jeyne), er jedoch Asha und den Banker mit keinem Wort erwähnt. Falls er Stannis oder auch nur einen seiner Männer lebend gefangen hätte (vor allem diesen Abschaum, der immer mit Asha 'rummachen bzw. sie verbrennen wollte), müsste er doch von ihr auch Kenntnis haben - und natürlich würde er auch sie mit all den anderen auch haben wollen!


    Ich für meinen Teil vermute viel eher, dass Roose und ein Gutteil seiner Truppen - vielleicht sogar alle - Winterfell verlassen haben, und Ramsay im Regen bzw. Schnee stehen gelassen haben, wie seinerzeit Asha Theon im Regen stehen gelassen hat. Stannis, Asha, Theon und Asha haben sich zusammen mit den Truppen wohl vielmehr woanders hin aufgemacht. Wahrscheinlich nach Torrhen's Square, dem letzten Stützpunkt der Eisenmänner im Norden, wo man möglicherweise andere Schritte plant. Mit Asha und Theon, dem rechtmäßigen Lord der Eiseninseln, könnte Stannis die Inseln für sich gewinnen, und das hätte in der gegenwärtigen Situation viel mehr Sinn, als ein Angriff auf Winterfell. Vor allem weil sich das Bolton-Projekt 'Wir beherrschen den Norden' ohnehin fast von selbst erledigen dürfte.

    Nachdem Selmy mit der Geschichte über Aerys' 'wahre Liebe' daherkommt, ist das damit wohl faktisch bestätigt... Oder welchen anderen Zweck könnte diese Enthüllung gehabt haben? Von Rhaellas Ritterliebhaber hören wir gar nichts, bei Aerys' wird die Geschichte ziemlich ausgebreitet. Und Tyrion hat weißblondes Haar, und verschiedenfarbige Augen wie ein anderer Targaryen-Bastard, Shiera Seastar.


    Dazu könnte es mehr als nur wahrscheinlich sein, dass nach Danys Abgang Tyrions Blut der Schlüssel zur Funktion von Victarions Drachenhorn sein könnte. Immerhin heißt es, 'you have to claim the horn with blood'. Ich wäre mehr als nur überrascht, wenn das mit Wald-und-Wiesen-Blut gehen würde. Die Valyrer haben ihren Inzest bestimmt nicht nur aus einer Laune heraus praktiziert und Quentyn dürfte mit seiner Theorie nicht gänzlich falsch gelegen haben, dass man Drachenblut Einfluss auf Drachen ausüben kann. Das hat schon der Braune Ben Plumm in ASoS angedeutet. Man erinnere sich - Danys Viecher mochten ihn, und er stammt mit ziemlicher Sicherheit von Elaena Targaryen ab.

    Ich sage ja. Varys hatte keinen Grund den sterbenden Kevan zu belügen. Wo er schon gestanden hat, dass er es ihn schmerzt, ihm umbringen zu müssen. Dazu kommt, dass Varys Gendry auch gerettet - man erwartet geradezu, dass er das bei Aegon auch getan hat. Dazu kommt auch noch, dass ausgerechnet Varys und Illyrio nicht so dämlich wären, einen falschen Aegon VI. zum wahren und gerechten König Westeros und zum Garant immerwährenden Friedens aufzubauen. Eben weil das leicht nach hinten losgehen könnte.
    Dazu kommt auch, dass Connington überaus überzeugt von Aegon zu sein scheint. Und nachdem dieser ihn als seinen Vater ansieht (von Rhaegar spricht er als seinem 'true father') ist es unwahrscheinlich, dass er nicht den Großteil seines Lebens mit Connington verbracht hat.


    Auch Aegon als 'mummer's dragon'/Mimendrache muss nicht länger als 'falscher Drache' verstanden werden. Aegon ist offensichtlich Varys' Drache - der Drache des mummer/Mimen. Natürlich ist er mit ziemlicher Sicherheit nicht Azor Ahai, aber deswegen kann er trotzdem Rhaegars Sohn und der rechtmäßige König von Westeros sein. Die Anderen wird aber wohl auch er, genauso wenig wie Stannis, besiegen.


    Argumente dagegen wären möglicherweise der Umstand, dass


    - Dany und nicht Aegon die Dracheneier gekriegt hat (wenn Aegon kein Targaryen wäre, könnte er auch nicht Azor Ahai sein); allerdings ist auch leicht möglich, dass Varys/Illyrio wussten/dachten, dass Dany oder ihr Sohn Azor Ahai wäre/sein würde - so würde das wieder Sinn machen.


    - Illyrio von seiner Geliebten und zweiten Frau Serra erzählt - einer Hure aus Lys mit silbergoldenen Haaren; sie könnte 'Aegons' Mutter sein - allerdings müsste Illyrio dann zufälligerweise einen Sohn im Alter des echten Aegon haben, der als prototypischer Targaryen durchgeht, und bereit sein, ihn wegen Varys' Großem Plan aufzugehen - das ist mehr zu viel Zufall und viel zu viel selbstloses Engagement für 'das Reich'.

    Lass doch jetzt den Spoilerkram weg. Wer hier postet/liest, hat das Ding gelesen zu haben.


    Zum Thema:


    Es ist eine nicht unpopuläre Theorie, dass Mel eine Wiedererweckte sein könnte. Immerhin konnte Berics Blut auch Feuer entfachen. Meines Erachtens wird die Theorie durch ADwD eher entkräftet. Mel erinnert sich sehr lebhaft an die Sklavenauktion, bei der sie an den Roten Tempel verkauft wurde, und es scheint mir auch angedeutet zu werden, dass sie nicht mit Feuer ins Leben zurückgeküßt wurde, sondern vielmehr bei lebendem Leib Feuer trinken musste. Seither ist sie dann wohl mehr als menschlich. Trinken scheint sie im übrigen noch ganz gerne. Bloß essen muss sie nicht mehr und mag es wohl auch nicht mehr.
    Weiter schläft Mel zwar wenig, aber sie muss es trotz allem immer noch. Und es kostet sie Kraft, die Nächte durchzumachen. Beric hingegen konnte gar nicht mehr schlafen.


    Beric hatte recht umfangreiche erinnerungstechnische Probleme, die bei ihm möglicherweise nur auf die Anzahl der Wiedererweckungen zurückgeführt werden kann, allerdings auch mit der Dauer des zweiten Lebens zu tun haben könnten. Es heißt, das Feuer verzehrt. Und im Falle der Wiedererweckten ist damit offensichtlich deren Seele/Wesen/Persönlichkeit gemeint.


    Oh, und ja: Stannis und Mel schlafen bzw. haben regelmäßig miteinander geschlafen ;-).

    Martin schreibt dreckig-realistischen Mittelalterkram. Tolkien hat eine Mythologie entworfen. Das hat ungefähr so viel zu tun wie Äpfel und Birnen. Nur weil GRRM möglicherweise auch nicht mit seinem Hauptwerk fertig wird, haben sie noch nichts gemein. Es gibt zwar auch Gut und Böse bei GRRM (Dany, Jon, Sansa, Ned, Cat und Bran sind ohne Zweifel gut; Gregor, Joffrey, Cersei, Tywin, Petyr und Jaime sind böse), aber bei weitem nicht so schön, wie das bei Tolkien der Fall ist.


    Thematisch beschreibt Tolkiens Mythologie (der Silmarillion samt dem Hobbit und dem LotR als Epilog) die Entzauberung der Welt, den Übergang von einem mytholgisch-magischen Zeitalter in ein profanes Zeitalter, das von Menschen und Technik geprägt ist. Bei GRRM ist das Gegenteil der Fall. Der Zauber und die Mythen brechen erneut in die Welt ein.
    Nachdem die Serie noch nicht zu Ende ist, ist aber auch klar, dass der Magiegehalt von ADoS noch nicht beurteilt werden kann. Wenn es so weitergeht wie bisher, werden wir in ADoS wahrscheinlich mit sehr viel Zauber zu tun haben. Damit wird die Reihe dann wohl weit phantastischer als AGoT angedeutet hat. Wodurch sie sehr viel typischere Fantasy-Literatur sein könnte, als sie in AGoT erschien. Die Anderen scheinen sich hinsichtlich ihrer Funktion bisher nicht von den üblichen bösen nichtmenschlichen Feinden der Menschheit in diversen Fantasy-Romanen (u.a. auch von JRRTs Orks) zu unterscheiden. Damit ist wahrscheinlich das übliche Muster des durchschnittlichen Fantasy-Roman unterschwellig sehr wohl Teil der Reihe. Gerade das, was die Leute, die Fantasy eigentlich nicht mögen.


    Herrn Kleinfingers und Frau Rothweyn-Tyrells macchiavellistische Verschwörungen sind nämlich nur ein Nebenkriegsschauplatz.


    Der Entwurf der quasi-mittelalterlichen Feudalgesellschaft ist meines Erachtens höchstens sehr subtil anti-feudalistisch. Ich habe ASoIaF mal ironisch als GRRM anti-feudalistisches Manifest zusammengefasst. Es ist anti-feudalistisch weil es realistische Schilderungen enthält, die den modernen Leser, der mehr oder weniger gut funktionierende repräsentative Demokratien kennt, anekeln müssen. Das ist aber nicht wirklich das Ziel des Autors.
    Ich z.B. war beim Lesen von AFfC so sehr in der Geschichte drin, dass ich Randyll Tarlys 'Eine anständige Vergewaltigung würde Euch gut tun'-Ausspruch gegenüber Brienne als nicht wirklich problematisch empfand. Und das hat mich dann doch irrtiert.
    Der Feudalismus selbst als System wird innerhalb der Serie nicht problematisiert. Es wird höchstens klargestellt, dass ein Reich mit einem König besser ist, als sieben oder mehr, da es eher Frieden bedeutet als ein zersplittertes Reich. Offensichtliche Probleme der Monarchie werden von den Charakteren nicht wirklich wahrgenommen.


    Von daher merke ich eigentlich an keiner Stelle eine im Werk stattfindende Auseinandersetzung mit aktuellen politischen Fragestellungen und Konzeptionen. Der Gesellschaftsentwurf ist nichts weniger als ekelhaft, überholt, ungerecht und grausam. Das wird dargestellt, aber das ist nicht wirklich eine große literarische Leistung. Nur Idioten würden ein feudalistisch-monarchistisches System für die beste Idee der Woche halten, genauso wie nur kleine Kinder gezeigt bekommen müssen, dass Monarchien strukturell per se ungerechter sind als Demokratien.

    Wenn du deutsch lesen willst, würde ich wahlweise empfehlen, die neu erscheinenden deutschen Bände gemütlich zu lesen. Die ersten drei gibt's bereits, Band 4 müsste irgendwann im Herbst erscheinen und dann geht's zweimonatlich weiter. Hin und her zu wechseln könnte eher irritieren, denke ich, aber du könntest parallel lesen und nach Unterschieden zwischen den Ausgaben schauen. Da gibt's schon einige ;-).

    Band 9 mit dem hier unaussprechlichen Titel wird nicht vor Juni nächsten Jahres erscheinen (Band 8 soll im April neu aufgelegt werden). Aufgeteilt wird das Buch auf meinen Vorschlag hin beim Kapitelwechsel auf den Seiten 499/500 der Bantam-Ausgabe. Wenn die Sache gut läuft, sollte Band 10 dann zwei Monate später erscheinen.


    Wer das Buch also auf Deutsch lesen möchte/muss, hat noch eine schöne Wartezeit vor sich. Dieses Jahr wird das definitiv nichts. Herr Helweg hat bislang auch nur die erste Hälfte des Textes zum Übersetzen bekommen.

    Na ja, wie ich ja schon an anderer Stelle gesagt habe, sehen wir die mehr oder weniger unveränderten Ersten Menschen in Aspekten jenseits der Mauer. Die Andalen kamen niemals dahin und da wurde es auch nie warm, weshalb die Leute sich da eben nicht weiterentwickelt haben. Weder technologisch noch gesellschaftlich. Ähnlich rückständig dürfte/könnte man noch auf Skagos sein, und es scheint auch keine großen Unterschiede zwischem dem Durchschnittswildling und den Stämmen aus den Mondbergen zu geben.


    Und selbst wenn die Andalen jetzt in Platte gekommen sein sollten - was ich nicht glaube - dann kamen sie trotzdem noch nicht als Könige, Lords und Feudalherren. Das waren Wandervögel, die erst erobern mussten, bevor sie ein Gesellschaftssystem etablieren konnten. Und nachdem wir wissen, dass es keine 25.000 überdimensionierten Burgruinen in den Hügeln von Andalos gibt, macht es auch wenig Sinn, anzunehmen, dass die Andalen in Essos schon super-duper Baumeister waren. Weiter hätten sie als etablierte Feudalherren auch wenig bis gar keinen Anlass gehabt, ihre Heimat zu verlassen und ihr Glück in einem neuen Heidenkontinent zu suchen.


    Weiter sollten wir eisenzeittechnisch die Eisenmänner nicht außen vor lassen. Die heißen nämlich wegen dem Eisen auf ihren Eiseninseln so. Das heißt, dass es sehr gut möglich ist, dass die schon so hießen, bevor die Andalen bei ihnen ankamen, und auch, dass sie schon Eisenwaffen entwickelt hatten, bevor ihnen die Andalen ihre gezeigt hatten...