Beiträge von Erbauer

    Ich tue mich schon seit längerer super schwer damit.

    Ich fürchte, das gilt auch für mich. Die ganz kurze Einordnung siehe ganz unten.

    Ich bin in einer Familie voller glühender Saakaschwilianhänger aufgewachsen. Ich war 2, als er an die Macht gekommen ist und als ich alt genug war, um mich selbständig mit dieser Person zu beschäftigen, war er abgewählt und ich lebte in Deutschland, wo ich bald kaum mehr auf Georgisch las. Meine Perspektive auf Saakaschwili baut also auf einer Mischung von emotionsgeladenen georgischen Diskussionen und deutschen Quellen auf und ich kann das Leben in seiner Regierungszeit kaum mit dem Leben davor oder danach vergleichen.


    Dabei ist das wohl ausschlaggebend, um die Unterstützung für Saakaschwili zu verstehen, die auch nach einem Jahrzehnt seit seiner Präsidentschaft besteht. Sein international anerkannter Erfolg liegt in der Bekämpfung von Korruption und Kriminalität und dem Wirtschaftswachstum. Das wissen seine Unterstützer, die die 90-ger in Georgien miterlebt haben, zu schätzen. Die Horrorgeschichten über Bestechungsgelder bei jedem Behördengang, ständige Stromausfälle, Überfälle und Einbrüche sind für mich und meine Altersgenossen eben nur Geschichten. Diese merkliche Verbesserung der Lebensqualität ist ein wichtiger Grund für sein Erfolg und etwas, wofür ich persönlich dankbar bin.


    Die Beliebtheit von Saakaschwili hat aber auch einen anderen Grund: Er hat es geschafft sich authentisch als Feind Russlands zu inszenieren. Mit seinem entschieden pro-westlichen Kurs hat er für Aufbruchstimmung gesorgt. Als Georgien zweitgrößter Truppensteller der NATO-Mission in Afghanistan war, Bush auf Georgiens Beitritt in die NATO drängte, das Land im Korruptionsindex einen Sprint hinlegte und in der EU die schnelle Entwicklung Georgiens gelobt wurde, wirkte es so, als gäbe es eine Chance auf Sicherheit vor Russland. Das hat sicher dazu beigetragen, dass die absolute Mehrheit der Bevölkerung den Beitritt in die NATO und EU befürwortet, obwohl schon seit 2013 eine russlandfreundliche Partei regiert. Die Tatsache, dass Saakaschwili in der Post-Maidan-Ukraine die Korruptionsbekämpfung fortgeführt hat und die Eier hatte, selbst Poroschenko der Korruption zu bezichtigen, hat seine politische Karriere wie einen persönlichen Feldzug gegen russische Interessen in der Postsowjetunion wirken lassen. Seit er trotz Haftbefehl nach Georgien zurückgekehrt ist und im Gefängnis einer russlandfreundlichen Regierung dahinsiecht, ist er für seine Anhänger schlussendlich ein Märtyrer geworden. Ich kann nicht beurteilen, wie viel er aus politischem Kalkül oder wegen einem kleinen Dachschaden macht, aber seine Laufbahn ist beeindruckend.


    Und die Fehltritte in seiner Laufbahn sind für mich völlig verworren. Was stimmt von den schweren Anschuldigungen, wegen denen er in Haft sitzt? Die Haft ist sicherlich politische Rache und soll Putin schmeicheln, aber das heißt nicht, dass er die Verbrechen (Missbrauch von Staatsgeldern, angeordnetes verprügeln eines Abgeordneten) nicht begangen hat. Fakt ist, dass er mit Polizeigewalt gegen friedliche Demonstranten vorgegangen ist und ihm auch im Westen autoritäre Züge vorgeworfen werden. Es gibt einen Skandal bezüglich eines oppositionellen Senders, die er stürmen lassen hat, bei dem ich nicht durchblicke. Egal welche Kontroverse, in Georgien bekomme ich sympathiebasierte Antworten auf meine Fragen und die westlichen Quellen berichten oft nur oberflächlich. Interessant finde ich, dass mein Vater, ein Fanboy der ersten Stunde, kürzlich nichtmal versuchte, autoritäres Verhalten von Saakaschwili abzustreiten und es stattdessen als notwendiges Mittel für die Etablierung eines funktionierenden demokratischen Staates rechtfertigte.


    Der größte Fleck auf Saakaschwilis Weste ist aber der Augustkrieg 2008. Laut dem EU-Bericht startete der Krieg mit einer georgischen Offensive in Südossetien. Für anderweitige Darstellungen der georgischen Seite gibt es keine Beweise. Das Vorspiel zu der Offensive ist ein Dschungel aus widersprüchlichen Berichten. Man kann noch so überzeugt sein, dass Russland auch ohne einen Präventivschlag Georgiens einmarschiert wäre, aber beweisen kann man das nicht. Auch die Ukraine, die in einer ähnlichen Situation trotz der Anbahnung einer russischen Invasion bis zu letzter Sekunde die Füße still gehalten hat, hilft da nicht weiter. Georgien steht als Mitverantwortlicher da und es besteht die Chance, dass der Krieg hätte verhindert werden können, wenn Saakaschwili sich nicht provozieren lassen hätte.


    Welche Rolle eventuelle Äußerungen der Amerikaner, wie die von Oberyn erwähnte, bei seiner Entscheidung gespielt haben, bleibt unklar. Ich weiß nicht, ob er ernsthaft auf einen Kriegseintritt der NATO gehofft hat, aber er muss doch mehr westliche Unterstützung erhofft haben, um eine Offensive anzuordnen.

    Den Augustkrieg und Saakaschwili zu verstehen, ist sowieso eine Lebensaufgabe und ich freue mich über jede Quelle und neue Perspektive.


    Ganz kurze Einordnung: Ich denke, Micheil Saakaschwili ist ein fähiger Politiker, der für eine schnelle und positive Entwicklung Georgiens gesorgt und die weichen für die Integration des Landes in den Westen gelegt hat. Ich bin gewillt zu glauben, dass ihm der Kampf gegen den russischen Imperialismus wirklich am Herzen liegt. Er hat aber viele Kontroversen um Machtmissbrauch mit sich zu tragen, die ich leider nicht durchblicke. Außerdem denke ich, dass er mit dem Präventivschlag im Augustkrieg 2008 den letzten Rest Hoffnung auf einen friedlichen Ausgang der Situation über Bord geworfen hat.

    Du lässt das irgendwie negativ klingen und ich denke nicht, dass es negativ ist.

    Ich denke, wenn einem ein Stück Musik aus irgendwelchen Gründen genehm ist, dann benimmt man sich am besten wie ein Erwachsener vor der Prinzenrolle, Herr und Meister der eigenen Entscheidungen und frisst die verdammte Schoki aus der Mitte.

    Vor fast 3 Monaten gedacht, dass ich "später" antworte und dann komplett verpeilt. Peinlich. Tut mir Leid.

    Tatsächlich war das überhaupt nicht negativ gemeint. Wenn mir ein Keks schmeckt, dann futtere ich den auch, egal wie dämlich das Rezept sein mag. Zurzeit läuft bei mir auch ein Refrain mit Beilage in Dauerschleife.


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    Hah, der Trick ist: Sobald man etwas Gutes erschnuffelt hat, muss man den Musik-Dealer so lange schütteln und seine Katze bedrohen, bis er weint und rausrückt, wo er das Richtige Zeug TM versteckt hat.

    Es ist echt gutes Zeug. Kannte die Version gar nicht.

    Diese bestimmten westlichen Staaten waren die drei verbleibenden Siegermächte.

    Klar, ich hatte bei "offiziell" nur gedacht, dass der Ablauf der Okkupation an sich vielleicht erleichtert, das Verbrechen der Sowjetunion völkerrechtlich auf den Punkt zu bringen, aber die Grausamkeiten scheinen ja erst nach dem eigentlichen Besetzungsvorgang angefangen zu haben.


    Bitte nicht falsch verstehen, ich halte die vielen Annexionen aus den 20ern für ethisch genauso verwerflich und entsprechende Befreiungsversuche der betroffenen Ländern für vollkommen verständlich.

    Davon bin ich ausgegangen. Umso interessanter fand ich, wo du die Besonderheit beim Baltikum gesehen hast. Danke für den Link.

    Obwohl Sowjetunion im Russischen noch mehr als im Deutschen einen freiwilliges Völkerbündnis impliziert, ist zumindest hinsichtlich des Baltikums und Teilen Moldaus (historisch noch sehr viel mehr Staaten) inzwischen offiziell von einer völkerrechtswidrigen Annexion auszugehen.

    Ich weiß denkbar wenig über die baltische Geschichte und verstehe nicht ganz, worauf du mit dem Baltikum und „Teilen Moldaus“ hinauswillst, bzw. worin ihre Besonderheit im Vergleich zu den anderen Nationalstaaten liegt, die sich nach der Oktoberrevolution gebildet haben und dann von der SU gewaltsam annektiert wurden. Woher kommt da das „offiziell“? Meinst du damit die Anerkennung der baltischen Perspektive durch bestimmte westliche Staaten?

    Was hast du der armen Dozentin angetan, dass sie so verzweifelt versucht, Rache zu nehmen?


    Diese Methode klingt, als wäre es für Mittelstufenschüler entwickelt worden, um sie an Präsentationen heranzuführen und dabei der Klasse die 20-minütigen Schlaflieder zu ersparen. Ich habe keine Ahnung vom Studium, aber kannst du der Dozentin die Dummheit der Idee freundlich begründen und auf Einsicht hoffen?


    Falls das nicht geht oder du es schon erfolglos versucht hast, bleibt dir wahrscheinlich nur, sich anzupassen. Inhaltlichen Anspruch und gewohnte Strukturierungsstrategien müsstest du dann ändern, damit sie zur Pecha Kucha (Wtf?) passen und das Ganze als Herausforderung ansehen, bevor dich der Frust zu lange von der Arbeit abhält. Die Dozentin wird ja wohl nicht mit der Erwartung da ran gehen, dass du in dieser Situation das gleiche erreichst wie mit einem klassischeren Vortrag mit mehr Zeit.


    Außer du hast ihr wirklich etwas Unaussprechliches angetan.

    Ich habe mit Corpse Bride zum ersten Mal ein Stop-Motion-Film von Tim Burton gesehen (außer man zählt Nightmare Before Christmas mit) und fand's toll.

    Der Film sieht sehr schön aus, hat sehr spaßige Musical-Einlagen und ich hatte immer wieder das Gefühl, ein Märchen zu sehen. Letzteres finde ich für ein Film sehr beachtlich, wo durch die Visualisierung konkrete und genaue Darstellungen unausweichlich werden, was ja untypisch für die vage und abstrakte Erzählweise von Märchen ist.


    Richtig begeistert hat mich dann Paddington. Diese Geschichte über einen peruanischen Bären, der aus seiner Heimat fliehen muss und in London nach einem neuen Zuhause sucht, ist nicht nur sehr unterhaltsam. Sie nimmt seine Thematik - die Trennung von der Heimat und den Versuch, sich in ein neues Zuhause einzuleben - ernst und verliert sie im Verlauf der Handlung nicht aus den Augen. Wobei es einen Bösewicht gibt, der nicht wirklich mit diesen persönlichen Herausforderungen verwoben ist und auf den ich gerne verzichtet hätte. Genau wie auf viele kindlichen Gags. Beides dürfte aber für Kinder, an die sich der Film in erster Linie richtet, besser funktionieren. So oder so eines der Filme, die mich dieses Jahr wirklich berührt haben.


    Als letztes habe ich seit der Kindheit zum ersten Mal wieder Sam Raimis Spider-Man Trilogie geschaut.

    Der erste Teil ist solide, aber mich hat weder die Handlung mitgenommen, noch war die Action mit den veralteten Effekten besonders unterhaltsam. Die Charaktere hatten schon was, aber die haben sich erst im zweiten Teil richtig entfaltet, wo die Effekte auch deutlich besser aussahen und die Handlung spannender wurde. Im dritten Teil fand ich die Ausgangslage sogar ziemlich interessant, aber 3 verschiedene Bösewichte mit ihren eigenen Handlungssträngen, die ewig nicht zusammenkommen, war dann doch zu viel, genauso wie die Tanzszene.

    Das klingt alles eher kritisch, aber ich mochte die Reihe als Ganzes für die Dinge, die man in Superheldenfilmen und insbesondere in der MCU heutzutage selten sieht. Die Handschrift des Regisseurs zum Beispiel. Da nahezu jeder MCU-Film mit der gleichen Belichtung und Farbkorrektur daherkommt, Kampfchoreographien sich ähneln und der Humor weitestgehend gleichgeschaltet ist, fühlt sich Raimis Trilogie mit den kleinen Horror-Einlagen und den fancy Szenenübergängen erfrischend an.

    Das Highlight der Raimi-Trilogie ist aber die Bevölkerung von New-York. Ständig interagieren irgendwelche Leute mit Spidey, auf eine witzige, emotionale oder auch extrem kitschige Art und Weise. Egal was in der Handlung gerade passiert, muss sich Peter Parker damit rumschlagen, wie Spider-Man von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird oder kleine Konflikte mit Chefs und Vermietern austragen. Weder für ihn noch für die Zuschauer gibt es eine Gelegenheit zu vergessen, für wen er eigentlich diese ganze Show abzieht. Das hat was herzliches und ist ein weiteres Alleinstellungsmerkmal der ansonsten eher mittelmäßigen Trilogie.

    Die Filme haben auf jeden Fall dafür gesorgt, dass ich mir mein erstes Spider-Man-Comic geholt habe.

    Rohe Power, Intensitätsaufbau, irgendein kleiner Twist, ich brauche irgendetwas das mich bei der Stange hält.

    Schließe ich mich an, nur dass ich deutlich weniger streng bei der Beurteilung zu sein scheine, sodass ich mit der Mehrheit von Intros, die ich so mitbekomme, noch was anfangen kann. Dein beschriebener Punkt wird da wohl seine Rolle spielen: Ich beschäftige mich natürlich nicht so lange mit Rock und Metal wie du und dürfte insgesamt weniger Musik gehört haben.

    Ein Stück wird um einen einzigartigen Refrain als Herzstück herum entwickelt, aber monumental lieblos verpackt.

    Vielleicht bin ich zu sehr in das protzige "Metal ist doch anders als die sonstige Pop-Musik" eingelullt, aber tatsächlich habe ich nicht den Eindruck, dass diese Krankheit grundsätzlicher Teil der härteren Musik ist. Zumindest stechen Metal-Bands für mich hervor, wenn sie ihre Lieder doch nach deiner Formel schreiben, wie z.B. Sabaton.

    Ohne Tiktok hätte ich das folkige Gandagana (Gott ist das hübsch) vermutlich nicht kennengelernt.

    Ich habe mal nachgeschaut, was Gandagana und Tiktok miteinander zu tun haben und bin unsicher, ob mir Trap Remixes von georgischer Volksmusik dringend gefehlt haben, aber any publicity is good publicity.

    Darf ich fragen, woher deine Abneigung gegenüber Intros kommt? Sowas kenne ich sonst nur von Fans von Rap oder grob gesagt modernem Pop, die den Gesang als Kern der Musik betrachten und alles andere, also auch Intros, als Beiwerk. Bei dir ist das ja offensichtlich nicht der Fall, wenn dir In-A-Gadda-Da-Vida gefällt.

    Metallica hat vor einer Stunde aus dem Nichts ein neues Lied veröffentlicht.

    Klingt wie Kill 'em All ohne die unterirdische Production. Der erste Single für Hardwired war aber auch der kurze, thrashige Opener, ohne dass das ganze Album sich so angehört hat, also mal gucken. Ich freue mich sowieso über alles Neue von denen, ohne Großartiges zu erwarten.


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    Ich sagte in 3 Sätzen!

    Die Unterstellung habe ich tatsächlich in einem Satz zusammengefasst, aber da ich bemerkt habe, dass mein erster Beitrag zu dem Thema nicht viel mehr beinhaltete als "Höhö, du liegst falsch", wollte ich dann doch erklären, was überhaupt mein Problem ist.

    Auch wenn ich dein 13 Jähriges Ich zu seinem ausserordentlichen Reflexionstalent beglückwünsche

    Ich geb's weiter, wenn ich ihn sehe. Dein 13-Jähriges Pendant soll sich von mir gedruckt fühlen. Klingt belastend, was du da erzählst <3

    Es geht mir dabei nicht nur um Schutz, sondern darum der unbewussten Stereotypisierung weiblicher Figuren in Filmen und Serien vorzubeugen und langfristig ein ausgeglicheneres Bild in der Medienlandschaft zu schaffen.

    Was notwendig ist, aber sobald mit dieser Motivation moralische Modernisierung von älteren Werken in Adaptionen vorgenommen wird, nicht mehr. Da vertraue ich eben dem "außerordentlichem Reflexionstalent" des Menschen und beim Mangel dessen aufgrund des Alters dem Verantwortungsbewusstsein von Eltern, wenn es darum geht, was ihre Kinder konsumieren.

    Wenn 2 Frauen in einer HdR-Verfilmung miteinander reden, obwohl sie es im Original nicht getan haben, ist es an sich eine harmlose Änderung. Ist sie aber allein aus der Motivation geschehen, das Original zu "modernisieren", ist es für mich persönlich bereits besorgniserregend, da sie zeigt, dass die Macher für diese Herangehensweise offen sind. Zieht man wiederum diese Herangehensweise konsequent durch, adaptiert man gegebenenfalls an der Essenz des Originals vorbei. Das nur, weil man das von dem eigenen abweichende Weltbild eines anderen nicht ertragen kann bzw. das eigene Publikum für zu dumm hält, um eventuell fragwürdige Teile dieses Weltbilds eigenständig zu erkennen. Sowas finde ich schade und deshalb habe ich deine Randnotiz kommentiert.

    Also nichts Neues in einem Thread, in dem schon viel über Wokeness diskutiert wurde. Irgendwie habe ich es so schei...originell formuliert, dass niemand die tiefe Bedeutung meiner Aussage erkennen konnte.

    Aber das "empty" lässt sich für mich nicht wegdiskutieren.

    Daran werde auch ich nichts ändern können, allein schon weil ich mich an kaum was aus dem Silmarilion erinnere. Ich weiß, dass ich es beim lesen überhaupt nicht empty fand, aber begründen kann ich das nicht.

    Einer der Ausschnitte, über die ich einen etwas besseren Überblick habe, ist die Geschichte der Kinder Hurins. Die ist, wie Grunkins schon sagte, etwas grauer und entwickelt sich auch schneller als ein Baum. Daran habe ich bei meiner Umsetzungsträumerei neben HdR und Hobbit gedacht.

    Da übrigens die kühne Behauptung aufgestellt wurde, dass GoT ja auch trotz inhaltlicher Fehler schön anzusehen gewesen sei, habe ich kurz das Internet angeworfen.

    Es gibt einen einzigen Grund, warum ich nie mehr als eine volle Folge GoT geguckt habe. Die Serie ist abgrundtief hässlich. Um von den zahlreichen Ausschnitten zu urteilen, die ich gesehen habe, hat sich daran auch nichts geändert, als die Budget-Probleme längst Geschichte waren.

    Wenn man eine Fantasy-Buchreihe in ein visuelles Medium umsetzt, sollte man vielleicht nicht irgendwann in der Preproduction vergessen, dass gute Fantasy fremde, aber glaubwürdige Welten im Angebot hat und sie dementsprechend aussehen muss. Das Color Grading Preset "The_Middle_Ages_where_the_sun_never_shone" gepaart mit Prop-und Kostüm-Überbleibsel aus schlechten Historiendramen saust nicht nur an den Beschreibungen in der Vorlage vorbei. Es ist nur fremd, wenn man noch nie im Leben ein "historisches" Hollywoodstreifen geguckt hat und nur glaubwürdig, wenn man sein Geschichtswissen ausschließlich aus derartigen Streifen nimmt. Da sich das gegenseitig ausschließt, frage ich mich ehrlich, woher der Lob für den Look von GoT kommt.

    Aber vielleicht hatte Tolkiens Leben ansonsten auch einfach nicht viel Spannenderes zu bieten.

    Meines Wissens war es nach den Eskapaden des Krieges und dem Kampf um die Liebe ein ziemlich ruhiges Professorenleben.

    Wo hast du den Biopic geguckt? Ich hab mich nach den Trailern damals gefragt, warum keine Sau über diesen Film gesprochen hat und ihn bald selber vergessen. Was du erzählst, klingt ja auch nicht so toll.

    Ist wirklich nicht bös gemeint, aber dein Beitrag verwirrt mich irgendwie

    Morgoth verblasst angesichts deiner Bosheit!

    (gerade bei deinem Ork-Kommentar weiss ich nicht, ob das jetzt alles nur als ergänzender persönlicher Eindruck gemeint ist, oder ob du dir noch irgendeine Antwort von mir auf irgendwas erwartest).

    Ersteres.

    Könntest du mir bitte in 2-3 Sätzen nochmal zusammenfassen was genau du mir unterstellst, damit ich darauf eingehen kann?

    Du befürwortest es, bei der Adaption eines Werkes die Werte des Originals an die moderne/deine persönliche moralischen Vorstellungen anzupassen und begründest das mit dem Schutz von Kindern und Jugendlichen vor einem rückschrittlichen Weltbild.

    Das war meine Unterstellung. Angesichts dessen ich 2 Dinge eingeworfen habe:

    1. Es gibt Vorstellungen bei Tolkien, die ich mit 13 für deutlich besorgniserregender hielt, als die Tatsache, dass Galadriel und Eowyn nie miteinander gequatscht haben und frage mich ob es nach deiner Logik nicht konsequent wäre, diese auch noch zu entfernen.

    2. Jugendliche um die 13 sind nicht grundsätzlich unfähig, das in einem Kunstwerk dargebotene Weltbild kritisch zu reflektieren. Was die Notwendigkeit ihres Schutzes mit sterilisierten Buchverfilmungen relativiert.

    Was hat die Unterrepärsentation von weiblichen Identifikationsfiguren in der Film- und Fernsehwelt mit der Darstellung der Numenorer und monarchischen Strukturen zu tun?

    Mir fällt jetzt spontan nichts ein. Ich hatte deine Aussage zu Frauendialogen in Herr der Ringe und RoP nur auf Tolkiens Welt bezogen und dementsprechend geantwortet.

    Bei meiner Anmerkung hierzu ging es eher um unterbewusste Wahrnehmung

    Natürlich geht es nicht darum, dass Leser von Tolkien die Vorstellung entwickeln, Frauen würden grundsätzlich nicht miteinander reden oder eine Revolution starten, um die Hohenzollern wieder an die Macht zu bringen. Tolkiens Werke sind ja auch keine heilige Schriften mit Zig Geboten. Die Werte, über die wir reden, interpretieren wir in eine Geschichte, die in erster Linie nichts anderes sein soll als eine Geschichte. Da wir aber gar nicht anders können, als gewisse Werte in dieser Geschichte zu sehen, ist es völlig berechtigt, diese aufzudröseln und den Teil, den man als rückschrittlich, sexistisch oder sonstwie doof findet, nicht zu ignorieren. Vielleicht bin ich naiv, aber unter "nicht ignorieren" meine ich nichts anderes als dass man sich von einem Kunstwerk nicht berieseln und unterbewusst manipulieren lässt, sondern darüber reflektiert, was einem da aufgetischt wird, diese Fähigkeit Kindern und Jugendlichen näher bringt und wenn man es einem 13-Jährigen nicht zutraut mit Herr der Ringe angemessen umzugehen, die Lektüre einfach aufschiebt. Da sehe ich die Verantwortung bei Erziehungsberechtigten und nicht bei Künstlern.

    Letztendlich halte ich es einfach für begrüssenswert, wenn Filme und Serien der heutigen Zeit zumindest den Bechdel-Test bestehen um den eher männlich geprägten Plots des Mainstreams entgegen zu wirken

    Herr der Ringe besteht den Bechdel-Test nicht und trotzdem zeichnet es ein respektvolleres Bild von Frauen als vieles, was heutzutage aus Hollywood kommt.

    Aber die Erbsenzählerei mal Beiseite. Natürlich ist es begrüßenswert, wenn weibliche Charaktere nicht zu Plot-Devices degradiert werden. Ich hänge mich nur an deiner Randnotiz auf, wegen der Denkweise, die ich darin zu sehen glaube (Siehe Unterstellung).

    Ich hatte HdR mit etwas 10 Jahren gelesen und halte ihn moralisch bis heute für etwa so reformierungsbedürftig wie die Schlümpfe und Gargamel.

    Das liegt einfach an der verhältnismäßig zeitlosen, sagenhaften Darstellung

    Das kann ich samt Altersangabe so unterschreiben. Auch wenn ich die Schlümpfe nur zum Essen kenne.

    Die Punkte zum Monarchismus etc. sind mir zwar mit etwa 13 auf den Sack gegangen, aber damals hatte ich mir auch nicht allzu viele Gedanken zur besagten sagenhaften Darstellung gemacht.


    Nachdem ich Tolkien nun eher verteidigt habe, müsste ich allerdings auch ein kritisches Wort loswerden. Man wird eine Pappkuh schlecht melken können. Dynamisch, plastisch und realitätsnah ist ja gut und schön, aber wenn von 5000 Charakteren gefühlt 4 grau sind und die Elben durchschnittlich vier Jahrhunderte lang einen Baum anstarren bevor sie blinzeln oder die Sitzhaltung ändern, dann wird aus dem Grundkonzept nicht The Wire entstehen.

    Deshalb fände ich es wundervoll, wenn man Tolkien als das adaptieren würde, was es ist. Kein Versuch, es in moderne Erzählstrukturen mit facettenreichen Charakteren zu stopfen, sondern die Sagen von großen (und kleinen) Helden über den ständigen Kampf gegen das Böse als epische Filme und Serien umsetzen. Das Facettenreichtum ist bei Tolkien nicht abwesend - sie zeigt sich nur nicht in Charakterstudien wie im Lied. Wir diskutieren hier über rückständiges bei Tolkien, dabei gibt es genug in seiner Welt, was heute vielleicht noch wertvoller ist als zu seiner Zeit, wenn man es den wirken lassen würde, statt daran herumzudoktorn.

    Ganz so klar ist der Fall bei GRRM nicht

    Nicht mal ansatzweise, wie du es selber nach diesem Satz erklärst. Dein gesamter Vorwurf baut darauf auf, dass du persönlich noch eine zusätzliche Gegenleistung für dein Geld erwartest, wo keine vereinbart wurde.

    Was Martin so geäußert und versprochen hat, weiß ich nicht, vielleicht verarscht er Fans am laufendem Band, ich beschäftige mich mit dieser Person kaum. Aber eine angefangene Reihe nicht beenden zu wollen, auch wenn Kunden bereits erschienene Bände gekauft haben, ist für sich allein genommen kein Betrug und hat nichts mit dem Verhalten gemeinsam, Geld für das Versprechen einer bestimmten Gegenleistung zu kassieren und diese niemals zu erbringen.

    das mag zwar buchadäquat sein, aber es entspricht nicht dem Weltbild, das ich meinen 13-jährigen Kindern einprägen möchte.

    Wenn du es einer Umsetzung als negativ auslegst, dass sie die Vorlage nicht deinem persönlichen Wertekanon anpasst, dann müsstest du doch auch einiges an RoP auszusetzen haben. Oder wird in der Serie die Überlegenheit der Numenorer über andere menschliche Völker kritisch hinterfragt? Wird die Monarchie nicht objektiv legitimiert durch angeborene Weisheit und Edelmut, längere Lebenszeit, Heilende Hände und magische Insignien? Ich weiß nicht, schaue die Serie nicht. Das waren aber so die Dinge, die mich mit etwa 13 angefangen haben zu stören. Man munkelt, auch 13-jährige wären stückweit dazu in der Lage, Fiktion reflektiert aufzunehmen.


    Achso, und zu deinem Funfact: Sowohl bei PJ als auch im Buch gibt es sehr wichtige und tiefgründige Gespräche zwischen Frauen.

    Film:

    Buch:

    "Nun, wer hätte das geglaubt?", sagte Loreth zu einer Frau, die neben ihr stand. "Das Kraut ist besser, als ich dachte. Es erinnert mich an die Rosen von Imloth Melui, als ich ein Mädchen war, und kein König könnte etwas besseres verlangen."

    Fünftes Buch, Achtes Kapitel: Die Häuser der Heilung


    Was ich am Rande noch cool finde- den Orks wird etwas mehr Identität zugestanden als "schwarze, von Bosheit besessene Kreaturen, die einfach alles niedermetzeln", es ist sogar ein Hauch von Kultur, oder zumindest sowas wie Totenkult spürbar, was in der Szene mit Adars Gnadenstoss deutlich wird.

    Das finde ich interessant zu hören. Sobald du Orks vermenschlichst, rückst du den Umgang der guten Völker mit Ihnen in ein merkwürdiges Licht. Nicht das Töten der Orks, das geschieht ja zum Selbstschutz, aber die Tatsache, dass keinerlei Empathie für sie existiert. Das ergibt nur Sinn, solange die Orks eher Kriegsgerät sind als Persönlichkeiten.


    Allerdings hat Tolkien selber den Orks Persönlichkeit und Kultur zugestanden. Im Herr der Ringe erfährt man vor allem bei den Auseinandersetzungen vor Fangorn und in Cirith Ungol etwas über sie, wobei immerhin Orks mit Namen in Konflikt miteinander geraten, wie es Personen zu tun pflegen. Auch wenn ihre Persönlichkeit vom Hass auf alles Lebende bestimmt wird und ihre Kultur von ihrer einzigen Funktion als Kriegspersonal geprägt wird, scheinen sie vom Bösen besessene Personen zu sein. Nimmt man hinzu, dass Orks vielleicht korrumpierte Elben sind oder von ihnen abstammen, und Tolkien auch eine Kreuzung von ihnen mit Menschen andeutet, verkompliziert das die Lage weiter. Muss man Orks jetzt als vom bösen korrumpierte und damit tragische Wesen betrachten, wie Sauron und Morgoth auch, oder sind sie an sich Böse? Letzteres wäre sehr ungewöhnlich, wenn nicht einzigartig in Tolkiens Welt.

    Wegen dieser Ambiguität bei Tolkien finde ich es spannend, wie eine moderne Umsetzung damit umgeht, auch wenn es nicht reicht, um mich zum Schauen der Serie zu bewegen.