Beiträge von Grunkins

    jein, gerade medial ist deren Spitzenkandidatin aus meiner Sicht doch deutlich schlechter weggekommen, auch wenn ihre "Skandale" eigentlich nicht stärker als die der anderen beiden ins Gewicht hätten fallen müssen bzw. Sie sich sogar offener (oftmals auch faktengetreuer) mit ihren Vorstellungen positioniert hat.


    Da bin ich anderer Meinung, aber mir geht es nicht nur um den Wahlkampf sondern um das vermeintlich produzierte Stimmungsbild der letzten zwei Jahre. Gefühlter Erstwähler-Anteil der Grünen bei 80%, als würde die junge (meine) Generation nur aus FFF-Leuten bestehen, überall fundamentale Wandelstimmung, Klimaschutz als unangefochtenes politisches Thema Nr. 1, breiter Wille, den Lebenswandel grundsätzlich in Frage zu stellen...


    Zugegeben, mag auch mit der Art der konsumierten Medien zu tun haben, lineares Fernsehen und regionale/lokale Tageszeitungen, die für die meisten Deutschen immer noch die Hauptinformationsquelle sein dürften, spielen in meinem Medienkonsumverhalten kaum eine Rolle.


    Naja aber doch gerade beim Klimaschutz sind die Parteien Lichtjahre voneiander entfernt. Der Klimaschutz der FDP beschränkt sich im Grunde darauf die Industrie und den Markt die Sache selbst regeln zu lassen und auf die deutsche Ingenieurskunst zu hoffen. Vermutlich hat nur noch die AfD noch weniger für (staatliche) Klimaschutzmassnahmen übrig als die FDP.


    Na ja - wenn die FDP ihr Programm so umsetzen würde, wäre es ein sehr striktes, effizientes Klimaschutzprogramm. In meinen Augen hat sie genug Hints gegeben, dass es dazu nicht kommen wird, aber nicht sicher, wie das wahr genommen wird.


    Aber abgesehen davon ist es doch nur plausibel, dass die beiden stärksten Parteien auch unterschiedliche Schwerpunkte / Inhalte haben oder gehst du von einheitlichen Präferenzen in einer ganzen Generation aus?


    Die beiden Pole - liberal im Sinne von das eigene Leben gestalten wollen wie man will und grün im Sinne von die Welt verbessern zu wollen (Klimaschutz, Flüchtlinge, Frauen- und Queerrechte) - finde ich sehr einleuchtend für das Wahlverhalten meiner Generation. Nicht zuletzt dürften aber auch ästhetische Kriterien eine Rolle spielen. Mit Laschet oder Scholz will keiner ein Bier trinken gehen.


    Interessanterweise matchen die Ergebnisse der 18-29 Jährigen meine Einschätzung des Wahlverhaltens meines Freundes- und Bekanntenkreises nahezu perfekt (außer das ich 0% AfD drin haben dürfte). Hätte ich nicht unbedingt gedacht, da inzwischen, nachdem auch die Leute, die eine klassische Ausbildung begonnen haben, sich weiter orientiert haben, der Studenten- und Akademikeranteil bei ca. 95% liegt.

    Da hast du sicher recht, aber ich hatte nicht mit einer so deutlichen Schlappe gerechnet, da ja viele Youtuber mit Reichweite vom Gefühl her alle eher Richtung Grün/links gepusht haben. Grün blieb ja auch deutlich unter meinen (persönlichen) Erwartungen (ich hatte fest mit etwas zw. 16 und 17% gerechnet).


    Fand beides auch die größten Auffälligkeiten am Endergebnis. Keine riesigen Überraschungen, aber immerhin. Bei beidem dürfte aber eine große Rolle gespielt haben, dass linke Wähler Scholz im Kampf gegen Laschet nichts wegnehmen wollten. Die Linke hat ja auch immer besonders von GroKos profitiert, da bei einer SPD ohne Kanzleramtschancen dieser Entscheidungsgrund wegfällt.


    Bei den Grünen ist die Differenz zwischen gefühlter, medialer Wirklichkeit und Wahlergebnis schon krass.

    Mjaaa.
    Ich wüsste nach dem momentan Stand nicht, weshalb sich die Grünen eher Jamaika als Ampel antun wollen würden.


    Wie gesagt, zwischen SPD und Grünen gibt es sehr viele indifferente Wähler, die ohne Scholz leichte Beute für die Grünen wären, glaube ich. Andererseits gilt das natürlich u. U. auch andersherum, wenn die Grünen Jamaika beitreten. Hängt wohl vom Zeithorizont ab und davon, wie man die SPD ohne Scholz einschätzt. Inhaltlich ist das ein Nullsummenspiel, weil andersherum die FDP ja auch nichts von Ampel hätte.


    Da es kaum die AFD war, die von Laschet als Kanzlerkandidat profitiert hat, behaupte ich mal jetzt etwas schadenfroh, dass der CDU-Vorstand die richtige Entscheidung getroffen hat.


    Schon krass, dass einfach jede Entscheidung des CDU-Vorstands und Wahlkampfteams falsch war. Angefangen beim Kandidaten Laschet über die Personalie Maaßen, der den AfD-Kandidaten in seinem Kreis sogar gestärkt hat, bis zum "Wirtschaftsfachmann" Merz (bei Wirtschaftskompetenz hat die Union auch ordentlich federn gelassen). Vom imaginierten Lagerwahlkampf, der maximal Stimmen von der Linken zu RG getrieben hat und Stolz auf den Dialog mit Querdenkern, von denen einer nun gemordet hat, gar nicht zu reden.

    Wo hast du das gelesen oder gehört? In dem Interview das ich gesehen habe, hieß es nur, dass es eine Absage an RRG ist - was man ja beim Ergebnis des dunkleren "R" gut so stehen lassen kann.


    In der Berliner Runde hat er das Ergebnis so interpretiert. Wahlergebnis sei Mandat für bürgerlich dominierte Koalition. Streit mit Laschet Schnee von gestern. Und das CSU Ergebnis bei den Kommunalwahlen in Bayern war top.


    Fands aber geil. Dieses Verhalten wirs von einem konservativen Politiker erwartet, während Laschet sich nebenan um Kopf und Kragen geredet hat, Scholz als Sprechautomat agiert und Baerbock vor allem der eigenen Bubble weiter gefallen will.

    Die größte Optimismusquelle für mich sind die ca. 2 Mio. Wähler, die von Union zu RG gewandert sind. Mehr zu den Grünen als zur FDP. Wenn es noch genug Resthirn in der Union gibt, wird ihnen das klar aufzeigen, dass Rechtsruck oder Merz oder sowas keine Option sein kann.


    Edit: Vielleicht ist das aber auch naiv.

    Bzw. die Grünen.


    Grüne werden Ampel wollen, FDP Jamaika. Denke es wird an der Rolle der langen Frist in den Überlegungen hängen. Bei der Ampel würde die FDP die CDU in der Opposition mästen, während die Grünen bei Jamaika Scholz womöglich an den Rand drängen können und ohne Scholz können sie sich an der SPD mästen.


    Rechne jedenfalls fest mit einer weiteren Neujahrsansprache von Mutti und halte bis zur neuen GroKo alles für möglich ...

    Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie vor vielen vielen Jahren so eine Protestpartei (die ich damals eben aus Protest auch gewählt habe) in Italien einen kometenhaften Aufstieg hingelegt und es irgendwann tatsächlich an die Macht geschafft hat... Das Ende vom Lied war, das es nicht besser wurde. Die Regierung bricht im Schnitt alle 2 Jahre (oder früher) zusammen (tatsächlich kann ich mich kaum noch dran erinnern, dass es mal eine Regierungskoalition eine ganze Amtsperiode durchgezogen hat), die Wirtschaft floppt seit Ende der 90er. Renten, Sozialhilfe, Mindestlöhne etc. sind absolut lachhaft, Steuern viel zu hoch, die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Bürokratie dabei zu explodieren, das Gesundheitssystem ist...(naja, dazu muss man ja wohl nichts mehr sagen), die öffentliche Infrastruktur bröckelt seit Jahrzehnten vor sich hin...


    Wenn ich so drüber nachdenke, scheint Deutschland seit dem € doch einiges richtig gemacht zu haben, auch wenn es natürlich Anlass zur Kritik gibt.


    Deswegen tue ich mich inzwischen mit Politikerbashing schwer, auch wenn gerade auf der Parteiebene derzeit aller Anlass dazu besteht.


    Die innere Reformunfähigkeit von Frankreich und Italien dürfte ja wohl kaum durch zufällig immer die falschen Politiker als viel mehr durch ein dysfunktionales politisches System hervorgerufen werden. Das französische Präsidialsystem zum Beispiel produziert gemeinsam mit den politischen Traditionen eine extrem konfrontative Stimmung im inneren - wenn Reformen von einer sehr autoritären Obrigkeit beschlossen werden, ist es natürlich auch besonders einfach, gegen diese zu rebellieren und auf Privilegien wie Pensionen mit 55 für Eisenbahner (aus einer Zeit stammend, als das ein gesundheitlich massiv beeinträchtigender Beruf war) zu beharren. Macron war sowas wie der Versuch der Bevölkerung, die die Probleme in Frankreich verstanden haben, einen machiavellischen Fürsten zu installieren, der die Macht des Präsidenten nutzt, um die Widerstände zu überwinden. Vermutlich ist das aber genau der falsche Weg. Man braucht mehr und nicht weniger Partizipation für unangenehme Politik.


    In Italien verstehe ich das politische System nicht wirklich, aber nach allem was ich so verfolgt habe, haben die Reformer zumindest versucht in diese Richtung etwas zu verändern, wie z. B. Monti in seiner Regierung (der dafür viel Haue aus Europa kassiert hat, weil nicht verstanden wurde, dass man Wirtschaft & Verwaltung eines Landes nicht unabhängig vom politischen System auf links krempeln kann). Zumindest sind einige der wirtschaftlichen Grundprobleme Italiens in teils sehr weirden Regeln zu suchen, z. B. ist die niedrige Frauenerwerbsbeteiligung u. A. auf die rechtliche Verpflichtung für Schulen, die Kinder nur in der Obhut eines Erziehungsberechtigten zu entlassen, zurückzuführen.


    Vor dem Hintergrund finde ich die Gedanken hier zu stärkeren Koalitionsverpflichtungen ganz interessant, dazu habe ich mir noch keine gemacht. Sehe aber das Grundproblem bei einem bunten Mitte-Quartett mit ähnlich starken Parteien plus zwei Außen die wir vermutlich nicht so schnell loswerden, ebenfalls größer werden.

    Bei dem Impftempo nicht vor nächstem Frühjahr. Im Winter wird sich mehr oder weniger jeder mit Delta infizieren und da ist es dann nur die Kunst, das Tempo so zu drosseln, dass das Gesundheitssystem nicht wieder ans Limit kommt. Mit Glück reicht das aktuelle Level an Maßnahmen plus schärferer Impfanreize.


    edit: Weils schon lang nicht mehr nötig war, hab ich JHU/Corona ewig nicht mehr besucht. Aber gerade doch mal wieder reingeschaut:


    Offiziell haben wir weltweit bisher 221,115 Millionen Infektionen, 4,575 Millionen Totesfälle und 5,493 Milliarden Impfdosen verwaltet(?) (administered) - also hergestellt/bestellt und noch nicht alle verimpft, aber wohl die meisten.
    Das ist definitiv vergleichbar mit der Spanischen Grippe. Und ca. 20-50 Millionen Todesfälle vs. 4,5 Millionen ist schon eine Erfolgsgeschichte der Medizin, da auch die Spanische Grippe weltweit wirkte.


    Bestätigend: Die spanische Grippe traf auf eine Weltbevölkerung von 1,8 Mrd. Menschen, heute sind wir in etwa bei 7,3.
    Relativierend: Die 4,5 Mio. Todesfälle muss man vermutlich verdoppeln. Russland z. B. steht bei JHU bei 185k Toten, die Übersterblichkeit liegt inzwischen jenseits der 600k Marke. In Indien ist der Faktor 3 für 442k Tote vermutlich immer noch stark optimistisch. Lateinamerika ist schon näher dran, die Todeszahl wird aber ziemlich sicher immer noch unterschätzt und aus Afrika sind die Daten sehr sporadisch - vorhandene aus Ägypten und Südafrika deuten aber ebenfalls auf dramatisch Unterschätzung hin. Und aus China wissen wir gar nichts.


    Fortschritt in der Medizin und politischen Reaktion - definitiv. Leider aber auch in der Verbreitungsgeschwindigkeit mit wenig Antworten, wenn ich mir etwa die Funktion Londons als wiederkehrenden Flugzeugträger für sowohl Alpha als auch Delta anschaue.

    Mit Gewichtungen bei höheren Verteidigungsausgaben, kein Austritt aus der EU, stärkerem Anstieg des CO² Preises und Abschaffung der Schuldenbremse sowie ca. einem Drittel übersprungen (weil 0,0 Interesse wie bei Tempolimit und Cannabis oder keine Ahnung wie Fallpauschale im Krankenhaus) lande ich auch bei FDP - Freie Wähler - CDU (habe FW und Volt als die wichtigsten außerparlamentarischen mal mit reingenommen, gerade FW hat denke ich schon auch das Potential irgendwann reinzukommen, wenn die AfD zerfliegt z. B.). Durchaus überraschend z. B. wegen der Schuldenbremse.


    Beim Wahl-Kompass lande ich im traditionell-konservativen und gleichzeitig links-umverteilendem Spektrum mit den Freien Wählern und den Grünen ganz vorne, die FDP dagegen nur vor Linken und AfD.
    Schon ganz lustig diese Tools.


    Obwohl ich diese richtungslose Positionierung natürlich auch als die pseudo-wissenschaftliche Bestätigung meiner aktuellen Orientierungslosigkeit betrachten könnte.
    -Inzwischen sehr konservativ hinsichtlich Außen- und Sicherheitspolitik
    -Weg mit Schuldenbremse und schwarzer Null
    -Klimaschutz mehr aber effizient kein rumdoktorn a la Lastenradsubventionen
    -mehr diskretionäre Entscheidungen weniger weginstitutionalisieren

    Hatte gestern nicht die Gelegenheit mir das Triell anzusehen, habe nur heut morgen Söders tweet gelesen ("Starker Auftritt und klarer Sieg für Armin Laschet"). War die Angelegenheit wirklich so eindeutig?


    Edit: die Medien sagen ja eher was anderes


    Ich empfinde den Tweet auch als glatte Propaganda.
    Es ist halt ne Meinung, kein Fakt.


    Parteimitglieder können auf so ein Triell/Duell nicht anders reagieren, deshalb ist das Parteisoldatentum nie schlimmer als während und nach solchen Veranstaltungen. Wenn sie irgendwie anders als zutiefst überzeugt von ihrem Kandidaten sprechen, steht morgens in der Zeitung: "Nicht mal die eigenen Mitglieder kann Laschet überzeugen" oder "Mitglieder wenden Laschet den Rücken zu" oder "Sogar die CDU-Basis will Scholz".


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    Hab mir das Triell über zwei Tage versetzt angesehen. In der ersten Session ging es um Afghanistan & Außen-/Verteidigungspolitik, um Corona und um Klima. In dem Teil fand ich Laschet in Summe überraschenderweise überlegen, insbesondere beim ersten Thema. Allerdings habe ich den starken "Linksruck" in der SPD bei diesen Themen insbesondere durch Fraktionschef Mützenich sehr intensiv verfolgt und war daher sicher etwas gebiased. Corona waren sich alle mehr oder weniger einig, nicht allzu viel auszupacken, weil alle wussten, dass sich dabei niemand mit Ruhm bekleckert hat. Ob die Märchenstunde bezüglich der Luftfilter gut bei Eltern ankommt, sei mal dahingestellt. Bei Baerbock ist mir noch die wirklich blöde Forderung nach Impfteams in sozialen Brennpunkten im Gedächtnis geblieben (blöd deshalb, weil es jetzt mind. zwei Monate her ist, dass Reker in Köln die ersten losgeschickt hat). Selbst bei mir hier mit über 85% Impfquote bei Erwachsenen gab es schon vor Wochen mobile Impfbusse in Innenstadt und Außenbezirken.
    Beim Klima hat mich die eher schwache Performance von Baerbock überrascht, insbesondere die vorgetragenen Ideen fand ich schlicht albern und bin gespannt, ob die gut ankommen (Solardachpflicht :whistling: ). Laschet und Scholz haben sich wiederum nur auf die Industrie fokussiert, was ich gelinde gesagt albern finde, da Einsparungen dort vermutlich am teuersten sind.


    In Sachen Auftritt fand ich Laschet in diesem für mich ersten Teil am souveränsten, was mich ebenfalls überrascht hat, während Baerbock sich sehr oft mitten im Satz an eigentlich unmöglichen Stellen verhaspelt hat (dadurch vermute ich, dass ziemlich viel auswendig gelernt wurde) und auch sonst etwas nervös wirkte. Scholz hingegen hat außergewöhnlich viele Sprechblasen mit Keywords abgesondert.


    Im zweiten Teil hat sich das dann ziemlich gedreht, Scholz und Baerbock haben im sozialen Teil besser performt und Laschet war sehr schwach (insbesondere bei dieser Soli-Geschichte), bei innerer Sicherheit sah es ähnlich aus und bei Gendern, Urlaub etc. habe ich abgeschaltet. Im zweiten Teil fand ich vom Auftritt her Scholz am stärksten, Laschet war wieder besser als erwartet, aber seine Mimik war oft merkwürdig, irgendwo zwischen grantelig, genervt und aggressiv, wenn die anderen beiden gesprochen haben. Mit Baerbocks Art kann ich nichts anfangen, ich vermute mich erinnert das zu sehr an die ganzen politisch selbstverständlich grünen Aktivistinnen in der Uni. Laschets Schlussstatement war allerdings eine Katastrophe und da das mitunter das wichtigste sein dürfte, vermute ich, er hat das meiste positive wieder zunichte gemacht.


    Vermutlich bin ich eh zu sehr gebiased um das beurteilen zu können, aber unterm Strich denke ich, das allgemeine Ergebnis ist ungefähr so: Scholz hat bestätigt was man eh über ihn wusste und damit seine Rolle als vermeintlichen Stabilitätsanker gefestigt (aber sonst auch nichts dazu gewonnen). Baerbock hat sehr zielgruppengerichtetes Marketing gemacht und war darin gut, dürfte aber ebenfalls wenig dazu gewonnen haben. Laschet hat sich selbst in etwas besseres Licht gerückt aber zugleich auch nochmal unterstrichen, dass es eigentlich auch keinen so richtigen, positiven Grund ihn und die Union zu wählen gibt (außer das die anderen schlimmer sind). Die erste Umfrage hat Scholz als Sieger und Laschet als Verlierer gesehen, aber das war eine Blitz-Onlineumfrage und damit eher wenig aussagekräftig.


    Ich hätte tatsächlich eher an Kandidaten aus zweiter Reihe gedacht, die hierzulande gar nicht so geläufig sind wie Newsom oder McAuliffe. Es gibt ja einige jüngere Gouverneure die es versuchen könnten, ohne gleich ganz wild zu werden wie z.B. mit AOC.
    Meinem Eindruck nach hat niemand Biden für einen sonderlichen Überflieger gehalten bzw. waren die Altersbedenken sehr groß. Aber die Demokraten hatten ausreichend Angst um sich bei den Vorwahlen verhältnismäßig diplomatisch zu verhalten (und Sanders den Mund zuzukleben) und ich denke, dass sie durchaus etwas daraus gelernt haben. Das würde vermutlich grundsätzlich auch für einen anderen gemäßigten Kandidaten funktionieren.


    Über McAuliffe weiß ich nicht viel, aber Newsom muss sich doch jetzt sogar einem Recall stellen. Mein Eindruck war bisher nicht, dass er auch nur in Kalifornien übermäßig beliebt ist. Biden ist in die Vorwahlen ja auch schwer gestartet, damit hast du Recht, aber er war halt der einzige verbliebene Mitte-Kandidat, der keine Wählergruppe abgeschreckt hat und ich glaube sein Alter ist zumindest insofern ein Vorteil, dass er politisch sozialisiert wurde bevor der Kulturkampf so richtig eskaliert ist. Mag sicher sein, dass es in der zweiten Reihe Leute gibt, die jetzt nicht so auf dem Schirm sind, aber das ist zumindest riskant.


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    Ok, dieses Thema ist auch in den USA extrem umstritten. Ich würde deshalb für nichts eine Hand ins Feuer legen. Allerdings hat er mit Twitter ja schon verloren und "nur" 50-60 Prozent aller Republikaner konnten der These vom Wahldiebstahl etwas abgewinnen. Abgesehen davon wurde er bei seiner Erstwahl massiv von den Mercers unterstützt, die sich an der Politik mehr als nur eine blutige Nase geholt haben und seitdem nicht mehr so recht mögen. Auch hier gäbe es von DeSantis bis Rick Scott einen bunten Strauß an Alternativen.


    Meine Hand ins Feuer legen würde ich auch für gar nichts, dazu scheinen mir die amerikanische Wahlbeobachter selbst schon viel zu sehr im Nebel zu stochern (siehe auch deinen Atlantic-Artikel) aber seit der letzten Wahl neige ich da zum Ultrapessimismus. Wenn man sich die ganzen Umstände anschaut - desaströses Pandemiemanagement mit einer halben Millionen Toten, frühzeitige Ankündigung, das Ergebnis nicht anzuerkennen, der Tod von RBG und der Umgang mit diesem, die eigene Covid-Erkrankung während der er sich, vermutlich umnebelt von Medikamenten, teilweise verhalten hat wie die Parodie auf den Diktator eines autoritären Bananenstaats, dann war das Ergebnis nahezug überragend. Florida mit deutlich größerem Abstand als 2016 gewonnen, Texas wieder einmal deutlich dem vermeintlichen demografischen Trend getrotzt, in den drei entscheidenden Midwests ebenfalls nur knapp verloren sowie in den inzwischen roten den Abstand problemlos gehalten und Arizona und Georgia mit kaum 10k Stimmen.


    Über die Gründe kann man natürlich reichlich spekulieren, aber unterm Strich kommt er bei den entscheidenden Wählergruppen nach wie vor gut an. So wie sich mir die Konstellation darstellt, muss enorm viel passieren, als das die Reps es schaffen, einen Blue State zu erobern - hier scheinen mir maximal noch Maine und New Hampshire in Frage zu kommen - d. h. es kommt umso mehr darauf an, Texas und Florida zu verteidigen und die Midwests zurückzuerobern und dafür braucht man vor allem die Latinos und die weiße Working Class und bei beiden Gruppen glaube ich nicht ohne weiteres, dass irgendein konservativer Kandidat vergleichbare Ergebnisse wie Trump erzielt, vermeintliche Establishment Leute schon gar nicht (auch wenn DeSantis da in der Tat ein Faktor sein könnte, bei dem ich die landesweite Meinung nicht einschätzen kann). Da finde ich es fast wahrscheinlicher, dass Tucker Carlson es probiert.


    Natürlich ist das relativ statisch gedacht, insofern, als das die Wählerfronten bei der Präsidentschaftswahl tatsächlich so verhärtet sind, wie bei den letzten zweieinhalb Wahlen. Bei Kongress- und Senatswahlen gibt es ja durchaus erstaunliche Fluktuationen.


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    Solltest du/ihr irgendwann ein paar Minuten Zeit haben, den Artikel zum Thema fand ich sehr spannend:


    https://www.theatlantic.com/po…06/trump-run-2024/619207/


    Ja sehr interessant, vor allem auch immer sehr dytopisch sich derzeit mit amerikanischer Politik zu beschäftigen. Lisa Murkowski und Suzanne Collins hatten aber z. B. auch nach RBGs Tod angekündigt, die Turbo-Nachbesetzung nicht ohne weiteres mitzumachen und sind dann doch ziemlich schnell eingeknickt.
    Korrektur: Sind sie nicht, zumindest Murkowski nicht, hatte ich falsch in Erinnerung.

    "Raus" ja, "egal wie" glaube ich aber nicht. 75% der Amerikaner wären ja dafür gewesen, die Truppen für den Abzug zu verstärken.


    Dem Median-Demokrat wäre es sicher nicht egal. Aber die weiße Midwest-Working Class und die ethnischen Minderheiten, insbesondere Schwarze, die zwar zuverlässig Dems wählen aber die auch mobilisiert werden müssen, also den verbliebenen Wechselwählern, ist es ziemlich egal oder es wird zumindest keinen Ausschlag bei der Wahl geben. Und gegenüber gerade diesen Gruppen, ist Biden aktuell der einzige sprechfähige Kandidat. Streicht man Harris, bleiben Buttigieg (den mögen die Schwarzen nicht und wohl auch nicht zuletzt auch wegen seiner Homosexualität nicht) sowie Klobuchar und Warren, denen ich außerhalb der Stammwählerschaft auch wenig zutraue. Oder halt jemand von den Progressives...


    Biden hat in den Umfragen Federn gelassen aber das ist nun auch nicht ungewöhnlich. https://projects.fivethirtyeig…roval-rating/?cid=rrpromo


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    Ich glaube aber auch nicht, dass die Reps nochmal mit Trump antreten.
    Die werden sich jemanden suchen, der für mehr Leute vertretbar und nicht 800 Jahre alt ist. Ich habe mich ein bisschen in die Kommentarspalten vertieft und der Pro-Biden-Tenor ist nach wie vor extrem stark "immer noch besser als Trump". Aber irgendwann wird das auch nicht mehr ausreichend sein, er wird eine selbstständig positive Biographie aufbauen müssen.


    So ziemlich alle Beobachter auf beiden Seiten des Atlantiks betrachten das Phänomen Trump ja eher so rum, dass Trump mit den Reps angetreten ist. Nachdem selbst ein Angriff auf das Capitol mit mehreren Toten nicht gereicht hat, um Trump wirklich loszuwerden, habe ich meine Zweifel. McConnell würde zwar gerne, aber selbst er kann es trotz der Geldtöpfe auf denen er hockt nicht so richtig.


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    Das mit unseren eigenen Wahlen macht mich langsam übrigens dezent wahnsinnig.
    Wenn es den Scholz allein gäbe, hätte ich ihn schon vier mal gewählt. Aber nicht in dem Paket. Jetzt habe ich mich gestern mal in das Wahlprogramm der Grünen vertieft. Gute Güte, das liest sich wie Young Adult Fantasy.


    Ich verstehe die Union auch einfach nicht. Was die Grünen machen ist ihre übliche Kirchentags-Poesie für Kernwähler und Altmitglieder, darunter schimmern immerhin einige sinnvolle Ansätze durch. Mag ich nur bedingt, aber immerhin kann ich rational verstehen, warum das Programm so aussieht. Bei den Sozialdemokraten sieht es mir jenseits von Scholz eigenen Ideen nach üblichen Klientelgeschenken aus, kann ich ebenfalls nachvollziehen. Bei der Union sieht es hingegen nach gar nichts aus. Warum beschließt man ein Steuerprogramm, indem netto noch weniger und noch besser verdienende Leute entlastet werden als die FDP? Aber die eigentliche Katastrophe bei der Union ist für mich das Personal. Die SPD-Minister, zumindest Scholz, Heil, gewissermaßen auch Schulze, machen einen passablen Job, Maas ist natürlich eine Katastrophe die wohl dem Kabinettspoker 2017 geschuldet war. Die einzige Ministerin der Union, die ich weiterbeschäftigt sehen will, ist AKK. Karliczek ist eine Frechheit sondergleichen, Klöckner veralbert das kernigste Kernklientel der Union überhaupt, die Landwirte, obwohl sie selber sogar vom Hof kommt (Warum zum Teufel lässt man sich bei einer Kampagne für regionale & saisonale Produkte mit einem Glas Orangensaft ablichten?? https://www.lzdirekt.de/pos-wi…lockdown-hochrechnung-332), Spahn hat seine Ursprünge als Pharmalobbyist wohl noch nicht so ganz abgelegt und von den CSU-Leuten will ich gar nicht anfangen.


    - Mir persönlich wird zu wenig auf die Folgen der Maßnahmen geschaut. Das stört mich von Beginn an. Das hat alles Auswirkungen, die man jetzt langsam sieht ... in einiger Zeit wahrscheinlich noch mehr.


    Die Impfung ist offensichtlich die einzige Möglichkeit diese Maßnahmen endgültig zu beenden ohne das massiv Menschen sterben und Krankenhäuser - mit ebenfalls schwerwiegenden Langfristfolgen - überlastet werden. Konsistent kann eine Position nur sein wenn sie den Trade-off aus Impfen vs. Maßnahmen vs. Massensterben berücksichtigt.


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    Ich sehe mich nicht als Leugner, aber ich bin auch kein "Söderlemming". Ich sehe mich irgendwo dazwischen und irgendwie gibt es für so jemanden keinen Platz. Die einen hauen einem die Moralkeule um die Ohren und die anderen bezeichnen dich als Feigling.


    Außerhalb von Twitter war mein Eindruck nie, dass es keinen Platz "in der Mitte" gäbe, jedenfalls was die "Kontaktreduktion" angeht. Gerade was die Politik in Hinblick auf Kinder angeht, die ich zumindest in diesem Jahr ebenfalls katastrophal fand (tatsächlich haben sich politische Entscheidungsträger ja durchaus für einen Mittelweg entschieden - nur mit der Wirtschaft als primär zu schonenden Teil der Gesellschaft). Beim Impfen sieht das evtl. etwas anders aus, weil ich es tatsächlich auch sehr ermüdend finde, aus dem Deus ex Machina, der den Konflikt zwischen Gesundheits- und Langfristfolgen auflöst, ein neues Politikum oder einfach eine pubertäre Trotzreaktion zu machen. Allerdings kenne ich auch nur eine einzige Person, die sich explizit nicht impfen lassen will und von der erwartet niemand, der sie kennt, irgendetwas, weder persönlich noch politisch.


    Edit: Allerdings wird jemand, der eine der Grenzen selber als "Söderlemming" definiert, naturgemäß Probleme dabei haben, sich mittig zu positionieren.

    Ich wüsste nicht, wer einen Präsidenten wählen sollte, der in Rekordzeit bi-partisane Shitstorms zu den wenigen Themen eingefahren hat, bei denen sich die Amerikaner ausnahmsweise vollkommen einig waren.


    Worauf beziehst du das? Auf Afghanistan? Ich gehe davon aus, dass die meisten - relevanten - amerikanischen Wähler hauptsächlich aus Afghanistan rauswollen und ihnen auch das wie ziemlich egal ist.

    Ich wünschte, die Demokraten würden die verbleibenden drei Jahre nutzen um einen vernünftigen Kandidaten zu stellen. Ich hoffe nicht, dass Biden eine zweite Amtszeit erlebt.


    Ich hoffe sehr, dass Biden gesundheitlich fit genug bleibt, um nochmal anzutreten. Aktuell ist er in meinen Augen der einzige weit und breit, der eine Wiederauflage von Trump verhindern kann und Derjenige, der am meisten tut um den politischen Fokus in Amerika vom Kulturkampf abzulenken. Das die USA sich als Ordnungsmacht zurückziehen und schlechte Zeiten für Falken sind, ist eine strukturelle Entwicklung, die kaum jemand wird verhindern können. Kamala Harris ist von historischer Unbeliebtheit und Irrelevanz und wird daher keine Option sein.


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    Laschet war zu diesem Thema übrigens zum ersten mal seit Monaten beinahe erträglich für mich anzuhören.


    Tja die Wahlentscheidung wird nicht einfacher. Laschet hat sich für mich mit seinem Verhalten inzwischen als Kandidat disqualifiziert und die Union mit ihrem komplett inhaltsbefreiten Wahlkampf auch. Scholz ist trotz CumEx und Wirecard mein favorisierter Kandidat aber die SPD in dieser außen- und sicherheitspolitischen Verfassung und mit Esken und Kühnert als Taktgeber auch auf anderen Feldern erst Recht nicht. Den Grünen traue ich nicht das Führen einer Regierung zu.

    Hat kein pazifistisches Blumenkind Lust in Kabul ein bisschen für Frieden auf- und ab zu demonstrieren?
    Ich wünschte, es gäbe mal vier Wochen am Stück in denen ich nicht das Gefühl hätte, dass wir außenpoltisch auf voller Linie versagen.


    Jo. Und nicht nur außenpolitisch. Ich glaube mich hat, trotz Corona, trotz der präzise vorhergesagten Flutkatastrophe in unmittelbarer Nachbarschaft etc., sehr lange nichts so sehr aufgeregt wie dieses unwürdige Schauspiel bei dem man die eigenen Leute so sehr im Stich gelassen hat. Und auch hier wurde seit Monaten gewarnt (bzgl. des quasi sofortigen Zusammenbruchs des afghanischen Staats- und Militärwesen nach Abzug der int. Truppen schon seit mehr als einem Jahrzehnt). Abgesehen von dieser Schande, nach Trumps Verrat an den Kurden der zweite große Verrat an Verbündeten vor Ort in kürzester Zeit, macht es auch sonst Angst. Das ist jetzt das x-te Thema, bei dem trotz entsprechender Warnungen über Monate abgewiegelt, aufgeschoben, rumdiskutiert wurde und dann im Zeitpunkt des Geschehens elendig versucht werden muss, das Gesicht zu wahren und die letzten Reste zusammen zu kratzen.


    Damit die hoffentlich in Ruhe gelassen werden, wenn sich genug Erwachsene impfen lassen.


    "In Ruhe lassen" heißt in dem Fall ihnen medizinischen Schutz gegen eine potenziell gefährliche Krankheit verwehren, interessante Position in Hinblick auf die eigenen Kinder.


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    Das vollkommene Glücksgefühl, wie es hier so viele hatten, blieb bei mir aus. Finde das befremdlich.


    Rational gesehen reduziert die Impfung das Risiko einer schweren Covid-Erkrankung oder gar des Todes in Folge einer solchen in extrem hohem Maße - für mich als Person mit ohnehin geringem Risiko liegt es nun näherungsweise bei Null. Dazu reduziert es die Wahrscheinlichkeit mir liebe Personen mit erheblich höherer Gefährdung im Falle einer eigenen Infektion zu infizieren. Weniger rational hat es für mich persönlichen Symbolcharakter - nach mehr als einem Jahr Einschränkungen, freiwilliger und unfreiwilliger Natur ist mit diesem Schritt die Chance auf ein erfolgreiches Ende der Pandemie verbunden und es bestätigt, dass sich das Ausharren und Durchhalten gelohnt hat.

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    Dass sogar Forderungen kommen, dass diesen die Behandlung im Krankenhaus verwehrt bleiben sollte, ist einfach nur abscheulich!


    Pauschal definitiv. Wenn es aber zur Triage kommen sollte - was bei der Impfquote in D eher unwahrscheinlich ist - wäre das in meinen Augen ein besseres Entscheidungskriterium als Würfeln.


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    Das Tests von Ungeimpften bezahlt werden sollen, verstehe ich nicht. Auch Geimpfte können das Virus nach wie vor übertragen. Diese müssen dann aber nicht mehr getestet werden.


    Es wird ein ganz simpler finanzieller Anreiz gesetzt, sich impfen zu lassen. Geimpften braucht man diesen Anreiz obviously nicht zu geben. Im Übrigen ist die Wahrscheinlichkeit als Geimpfter das Virus zu übertragen geringer. Wenn 20 Geimpfte im Kneipenraum hocken muss viel passieren, damit ein Infizierter das Virus weitergibt und selbst wenn, ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Infektionskette von alleine und ohne Behandlungen ausläuft, sehr viel höher, als wenn dort 3 Ungeimpfte mit drin sitzen.


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    Da fragt man sich - und ich frage mich schon länger - was Masken und Abstand mit dem Immunsystem gesunder Menschen anstellen.


    In Bezug auf die Weiterverwendung von Masken oder anderen Regeln um künftig auch Grippewellen und ähnlichem vorzubeugen, was ja manche vorschlagen, frage ich mich das durchaus auch, einen simplen Grippeausbruch als Beleg zu benutzen aber schon abenteuerlich. Die Zahl der Infektionskrankheiten ist durch die Maßnahmen radikal gesunken und ich kenne kaum jemanden, der nicht von einem trotz kalter Witterung bis in den späten Mai hinein nicht von ausgebliebenen Erkältungen etc. berichtet.


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    weil die mobilen Filter eine Zumutung sind.


    Inwiefern? Stehen bei uns in vielen Uniräumen rum und fallen nur durch ihre optische Präsenz auf.




    Mir reicht mein Welt Online Abo. Da tummelt sich genug im Kommentarbereich. Lohnt sich übrigens. Da gibt es auch immer wieder mal sehr interessante Artikel zu lesen. Nur eben leider meist hinter der Bezahlschranke.
    In Social Media Kanälen bin ich schon lange nicht mehr unterwegs. Da ist mir die Zeit zu schade.


    Ich empfehle hier mal Ulrike Guérot in der Welt: https://www.welt.de/kultur/plu…nde-der-Ueberwachung.html


    Wenn das ernsthaft deine Quelle ist und nicht einfach nur eine Provokation, dann wundert mich dein Geraune zu allen Themen Corona betreffend überhaupt nicht (Positionen würde ich das nicht nennen, denn die machst du ja nie klar). Der Kommentarbereich bei der Welt war jedenfalls schon als er noch sichtbar war, mit das schlimmste was man im Internet finden konnte, da könntest du dich auch in der Facebook-Gruppe "Turkish Patriots against Armenia" oder so (fiktiv) über Erdogans Außenpolitik informieren. Mal abgesehen davon, dass Kommentarbereich Social Media ist.


    Von der Welt selbst gar nicht zu reden. Die zeichnet sich seit Pandemiebeginn durch die schlimmste (weil im seriösen Gewand daherkommene) Desinformation in Deutschland aus. Das fing mit Thomas Straubhaar an, der zum Zeitpunkt des Massensterbens in lombardischen Altersheimen eine Herdenimmunisierungs-Strategie als vermeintlich schlaue Lösung präsentiert hat (die im günstigsten Fall eine Viertelmillionen Tote in Deutschland gefordert hätte). Ging mit Stefan Homburg weiter, der dort mit einer deskriptiven Beobachtung beweisen wollte, dass der Corona-Lockdown nichts gebracht hätte (weil der R-Wert ein paar Tage zu früh Lockdown unter 1 gefallen wäre). Mit solchen Sachen lassen wir Bachelor-Studierende nicht durch Prüfungen kommen, aber da wird einem Professor Raum für so einen Dreck gegeben. Zwischendurch durfte dann Susanne Gaschke noch ohne jeden Beleg behaupten, dass die Unis die Pandemie nutzen wollen um hinterrücks die Präsenzlehre abzuschaffen (jeder der sich schon mal mit jemandem der Digitallehre gibt unterhalten hat, weiß, wie schwachsinnig das ist). Vor kurzem durfte dann noch Schrappe unter Missachtung basaler mathematischer Gegebenheiten die Zahl der Intensivpatienten runterrechnen und jetzt noch Guerot, die sich allerspätestens mit diesem Tweet von jeder wissenschaftlichen Weltbetrachtung verabschiedet hat:


    "Genau! Und das heißt: Impfung ist Eigenschutz; das Fremdschutzargument ist übergriffig. Dann gäbe es keinen Grund, mir die Yoga Klasse zu verwehren. Ich trage mein Risiko; und vielleicht schützt mich das Yoga vor Ansteckung. Das kann ich nicht beweisen, aber Sie nicht widerlegen."


    Gibt noch mehr Beispiele...der Chefredakteur Ulf Poschardt macht ja nicht mal einen Hehl draus, dass er eine politische Agenda damit verfolgt.


    Zitat

    Ohne mit Bratwürsten oder irgendwelchen Gutscheinen zu etwas bewegt zu werden. Mal ganz davon ab, dass ich diese Vorgehensweise sehr fragwürdig finde.


    Wenn du dir zutraust, die Abwägung Impfung/Corona-Infektion besser abschätzen zu können als sämtliche Experten der Welt, wirst du dich ja hoffentlich von einer Bratwurst nicht zu sehr unter Druck setzen lassen...