019_AGOT_Eddard 3​

  • Klar, wir haben hier Sansas POV, aber das heißt nicht, dass sie der Mittelpunkt der Welt ist.

    Eigentlich ist es ja Neds. ;)


    Es geht nur bedingt um Sansa hier, in der Scheisse sitzt ihre Schwester und deren Freund. Das ist alles, was ich meinte mit Augenmaß.

    Niemand bestreitet Aryas furchtbare Situation. Das ist so glasklar, dass hier keiner weiter darauf eingegangen ist. Vielleicht sollte man das durchaus, da hast du recht. Aber hier gibt es keine Reibungspunkte.


    Aber Sansa wird hier unterstellt, absichtlich zu lügen, um besser dazustehen und eine Verantwortung zugeschoben, die ich nicht sehe.
    Und wie bei Cat auch, gehe ich bei solchen Sachen automatisch in den *sansaverteidigungsmodus*


    Die Sache ist ja, dass ich sowohl Cat als auch Sansa beim ersten Lesen nicht mochte. Da ging es mir dann wie so vielen hier. Beim zweiten Lesen wurde es etwas besser und erst beim großen Reread stellte ich fest, dass sie nicht so sind, wie ich zuerst dachte. Und das ich ganz viele Handlungen der beiden nachvollziehen kann. Natürlich machen beide Fehler und zwar reichlich, aber keine der Beiden handelt aus böser Absicht, sondern sind im Prinzip einfach sehr menschlich, also habe ich aufgehört so ein literarisches Ideal an sie zu stellen.

    I've come to the point in my life where I need a stronger word than "FUCK".

  • Aber Sansa wird hier unterstellt, absichtlich zu lügen, um besser dazustehen und eine Verantwortung zugeschoben, die ich nicht sehe.

    Das behauptet niemand, und ich schon gar nicht. Ich sage, sie lügt - durch Verschweigen, ja. Aber aus Notwehr und Interessenkonflikt, nicht um besser dazustehen. Und Verantwortung haben hier die Erwachsenen.
    Ich bin sogar bereit, einzusehen, dass sie überfordert ist, aber es ist trotzdem eine Lüge, da bleibe ich dabei.
    Mir ging es genauso wie Dir, was Cat und Sansa angeht. Aber das heißt nicht, dass ich ihr alles durchgehen lasse.
    Und Ned hat hier auch keine Chance. Ihm könnte man vorwerfen (um mal über den POV zu reden), dass er nicht sofort nach Winterfell umgekehrt ist, der Idiot, wenn die Pflicht ruft, geht er über Leichen. Es gibt noch zwei weitere Situationen, wo er es nicht schaffen wird, alles hinzuschmeißen. Schon hier ist zu sehen, dass Ned in ein Schlangennest geraten ist, und er kann sich nicht befreien.

    HODOR !

  • Letztendlich geht es im Lied ja immer darum, dass irgendwer eine dumme (wenn auch in dem Moment subjektiv nachvollziehbare) Entscheidung zu treffen und damit dann voll auf die Fresse zu fallen...
    Aber würden sie alle "richtig" entscheiden, wäre das Lied kurz und langweilig. :D

    I've come to the point in my life where I need a stronger word than "FUCK".

  • Und Ned hat hier auch keine Chance. Ihm könnte man vorwerfen (um mal über den POV zu reden), dass er nicht sofort nach Winterfell umgekehrt ist, der Idiot, wenn die Pflicht ruft, geht er über Leichen.


    Hätte er das tun können? Hätte er das "Angebot" des Königs, das ja wohl eher ein Befehl war, so einfach ausschlagen können? Ich glaube nicht. Das ist ja hier genau das Dilemma. Auch die Verheiratung der Kinder ist ja Roberts Idee, und nachdem Ned sieht, was für sein Sadist Joffrey ist, kann er sicher auch nicht sagen, er wolle die Heirat nicht. Er sitzt jetzt einfach in der Falle.


    Letztendlich geht es im Lied ja immer darum, dass irgendwer eine dumme (wenn auch in dem Moment subjektiv nachvollziehbare) Entscheidung zu treffen und damit dann voll auf die Fresse zu fallen...
    Aber würden sie alle "richtig" entscheiden, wäre das Lied kurz und langweilig.


    Dem stimme ich uneingeschränkt so zu. :D

  • Ich weiß nicht. Er ist ein Mann. Vater einer vorpubertären Tochter, die eine Schwärmerei für den Thronfolger entwickelt hat. Ich denke mal, er hat keine Ahnung, was er mit dieser Tochter anfangen soll. Das ist nicht seine Welt. Er erwartet von ihr - ganz Ned-like eben - dass sie sich natürlich da hinstellt und denen die Wahrheit sagt. So wie sie es vorher ja ihm auch schon erzählt hat. Dass er sie damit aber in eine Zwickmühle manövriert hat, kommt ihm gar nicht in den Sinn.


    Ich bin also von Deiner Aussage einigermaßen verwirrt und leicht bestürzt.
    Ich kann ja noch gelten lassen, dass Neds Mann-Sein bedeutet, dass er sich nicht in seine Tochter hineinversetzen kann, was schon schlimm genug ist, denn das würde heissen, dass Männer irgendwie weniger Einfühlungsvermögen haben...


    Ich glaube, wenn hier einer die Verantwortung für das Desaster zu tragen hat, dann sind das einerseits Cersei, die unbedingt noch ihren Sieg davon tragen muss und auf die Tötung des Schattenwolfs besteht und andererseits Robert, der nicht die Eier hat zu seiner Entscheidung zu stehen.
    Ned ist in keinster Weise Schuld. Ich gebe Narannia dahingehend Recht, dass er hier von sich und seinem Ehrgefühl auf andere (hier auf Sansa) schließt und davon ausgeht, dass die Ehre Sansa gebieten müsste, wahrheitlich auszusagen. Im ist nicht klar, dass er die Kleine damit überfordert. Das hätte möglicherweise im kleinen Kreis funktioniert (er, Robert, die Kinder, ggf. sogar Cersei), aber niemals in diesem überfüllten Saal, wo Sansa einfach nur in sich zusammenfällt, wie ein angestochener Ballon.


    Schuld ist auf jeden Fall Cersei - wollte Ned jetzt nicht die Schuld zuschieben, mit *ein bisschen* und *MITSchuld* wollte ich das relativieren (in meinen Notizen stand sogar noch *wenn überhaupt*. Habe ich hier aber vergessen. 8) )
    Ehrlich gesagt, hat es mich auch in den Fingern gejuckt, quasi als Entschuldigung für sein fehlendes Einfühlungsvermögen noch nachzuschieben:*Er ist eben ein Mann*. Habe ich mir aber dann verkniffen, weil ich nicht näher auf das Thema Männer & Empathie eingehen wollte, um hier nieManndem zu nahe zu treten. :saint: ...und das ist ja dann auch schwupps passiert. ;)
    Sicherlich gibt es auch einfühlsame Männer. Um bei ASOIAF zu bleiben, finde ich bspw. dass Davos viel Empathie hat.
    Aber tendenziell gibt es (meiner Erfahrung nach) da schon gewisse Defizite. Das meine ich aber jetzt gar nicht wertend.
    Glaube auch, dass es für eine Frau nicht einfach ist, sich in 'nen pubertierenden Jungen zu versetzen, beispielsweise.


    Bin auch der Meinung, dass die ganze Angelegenheit - wäre sie zwischen Robert, Ned und den Kinden geklärt worden - am vernünftigsten u. angemessen geregelt worden. Vielleicht hätte Sansa dann auch nicht die *Erinnerunglücke* vorgetäuscht, denn Joffrey wäre nicht vor vorsammelter Mannschaft als der feige Idiot enttarnt worden, der er ist.
    Aber Cersei hat eine Deeskalation ja da schon im Keim erstickt, indem sie Arya sofort vorführen ließ.


    Schon hier ist zu sehen, dass Ned in ein Schlangennest geraten ist, und er kann sich nicht befreien.


    Und ich finde, man kann jetzt schon erahnen, dass er der Sache nicht gewachsen sein wird.

  • Eigentlich wollte ich noch Aryas Sicht der Dinge darlegen, aber ich kann mich ebenso gut @hodor anschließen, ich glaube, wir sehen das sehr ähnlich, nur dass ich Sansa nicht mag ;)
    Hinterlist und Tücke wollte ich ihr übrigens auch nicht unterstellen und es ist auch fraglich, ob es viel genützt hätte, wenn sie hier die Wahrheit gesagt hätte, Cersei wäre schon noch was eingefallen, um ihren Willen zu bekommen.
    Wie Esme schon sagt, wenn es anders wäre, wäre es ja auch langweilig :D

    Ein Witz kann eine Idee unter der Tür durchschieben, während die Ernsthaftigkeit immer noch dagegen hämmert. Terry Pratchett

  • Die erste Staffel ist bei mir eine ganze Weile her, aber verhält er sich in der Serie wirklich anders als im Buch? Ich kann mich da nicht dran erinnern. Hast du ein Beispiel?



    Es gibt da diese Szene, an die ich mich spontan erinnere, als Sean Bean Arya erklärt, dass Bran nie wieder laufen können wird und was dennoch beruflich so möglich für ihn ist. Das Gespräch gibt es auch im Buch, aber Sean Bean macht das hier nicht ganz buchgetreu, weil er sehr verständnisvoll, sehr geduldig ist. Ich finde schon, dass es da einen Unterschied gibt aber auch bei mir ist die Staffel 1 schon etwas her.

    “When the snows fall and the white winds blow, the lone wolf dies but the pack survives.”

    George R.R. Martin,
    A Game of Thrones

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