Vegane Kinderlieder

  • Bis vor ca. 150 Jahren dürften wohl die meisten Menschen überwiegend vegan gelebt haben, aber wohl kein einziger freiwillig. Und auch nicht besonders lange.


    Natürlich gab es nicht das Mittelalter, es wird regional und nach Epoche große Unterschiede gegeben haben, nichts desto trotz gab es außer Getreideprodukten und vielleicht ein paar heimischen Linsen- Bohnensorten praktisch keine Energie- und Eiweißträger nicht tierischen Ursprungs.


    "Wenn mir Gott zu leben erlaubt, werde ich dafür sorgen, dass es in meinem Land keinen Bauern gibt, der sonntags nicht sein Huhn im Topf hat!" soll Heinrich IV.von Navarra gesagt haben.


    Ich glaube Ihr liegt beide nicht falsch. Hier mal meine Gedanken dazu:
    Stelle mir dabei Europa in der Zeit vom Mittelalter bis zur beginnenden Industrialisierung vor.
    In einer agrarisch geprägten Gesellschaft, in der 80 bis 90% der Bevölkerung direkt in der Landwirtschaft lebten und arbeiten, hatten sie direkt Zugriff auf Lebensmittel tierischer Herkunft.
    Entweder in Form von ganz frischen Produkten oder von solchen, die mit den damaligen Mitteln haltbar gemacht werden konnten (Einsalzeln, Pökeln, Räuchern).
    Natürlich nicht in der Menge und in der Variabilität, wie wir das heute haben:
    A. Sie konnten nicht die Quantitäten produzieren. (Ergo die Herstellung der Produkte war ungleich arbeitsintensiver und das machte sie wertvoller als unsere heute.)
    B. Sie durften auf Grund wirtschaftlicher Abhängigkeiten und gesetzlicher Vorschriften die erzeugten Produkte nicht für sich behalten.
    (Einsatz als Tauschmittel für alles, was nicht selbst hergestellt werden konnte, Abgaben an Kirche und Grundherr, Nutzungsverbote für knappe Güter - z.B. Jagdverbot)
    Was ihnen dann aber blieb, wurde vollständig verwertet (alte Hühner, Kaninchenköpfe, Schweineohren).


    Was Ssnake beschreibt simmt aber auch! Gerade vor 150 Jahren waren die ersten Arbeiter, unfreiwillig einer vegetarischen oder gar veganen Ernährung ausgesetzt.
    Schlesischer Weberaufstand 1844. Ein Hungeraufstand, weil der geringe Lohn dieser Heimarbeiter deren Ernährung gar nicht mehr sichern konnte. Zu Kuafen gab es für das wenige Geld kein Fleisch. Auch für die günstigen Lebensmittel hat es in der Krise nicht mehr gereicht.


    Georg Werth, 1944, Hungerlied


    Verehrter Herr und König,
    Kennst du die schlimme Geschicht?
    Am Montag aßen wir wenig,
    Und am Dienstag aßen wir nicht.


    Und am Mittwoch mussten wir darben
    Und am Donnerstag litten wir Not;
    Und ach, am Freitag starben
    Wir fast den Hungertod!


    Drum lass am Samstag backen
    Das Brot fein säuberlich -
    Sonst werden wir sonntags packen
    Und fressen, o König, dich!


    Grundlegend geändert hat sich die prekäre Situation erst ab Ende des 19. Jahrhunderts, als die Landwirtschaft nach und nach mechanisiert wurde, künstlicher Dünger eingesetzt wurde, Nahrungsmittel- und Fleischimporte dank Kühlung und neuer Verkehrsmittel möglich wurden.

    Respice post te, hominem te esse memento!

  • Huch...na endlich mal ein bißchen Publicity....
    Zuallererst möchte ich mal betonen: Selbstverständlich war ich einer der ersten, der der Frau mit der "Fuchs du hast die Gans gestohlen"-Geschichte Morddrohungen geschickt hat (dem Bürgermeister übrigens auch). Erst danach habe ich mich über sie lustig gemacht. Soll also keiner behaupten, ich sei nicht konsequent in meinem Vorgehen als Wutbürger.


    Hör besser auf mit Steinen zu werfen. Du sitzt, wie sich bei der Lektüre des Gesamt-Beitrages herausstellt, in einem Glashaus. Einem mit verdammt brüchigen Scheiben.


    Soll heißen? (Muss ich jetzt damit rechnen, dass du meinen Briefkasten in die Luft sprengst? Es ist übrigens der untere Briefkasten, bitte nimm auf die anderen Partien Rücksicht).


    Ansonsten:
    Wenn ihr der Ansicht seid, dass jeder noch so absurden persönlichen Befindlichkeit in der Öffentlichkeit Respekt gezollt werden muss, dann ist das mit Sicherheit sehr tolerant und beachtlich. Ich halt's weiterhin für bescheuert. Könnt' ihr mich jetzt für verdammen oder ignorieren oder als Wutbürger bezeichnen (wie gesagt, der zu sprengende Briefkasten ist der untere). Man hat mir schon wegen weniger, genauer gesagt, einer pelzverbrämten Kapuze (ja, so ein krankes Schwein bin ich), den Tod gewünscht, da ist das ja noch harmlos 'gegen...*ggg


    Grüßle,


    Peach

    "I swear, I will go to my grave thinking of my brother’s peach." (Stannis Baratheon)

  • @Peach: Daumen hoch für den besten Beitrag in diesem Thread! :thumbup:

  • Na, da haben sich ja zwei gefunden... :rolleyes:
    Nur kurz zum Thema, weil ich ins Bett sollte:
    Peach, wenn du Veganismus nicht toll findest und ihn für absurd hälst, dann mag das deine Meinung sein, aber wenn du du dich dann hier hinstellst und dieser Einstellung gegenüber respektlos bist, dann ist das keine tolle individuelle Meinung mehr, sondern schlicht intolerant und damit kritikwürdig. Und nichts anderes tun Arthy, Alraune und Co. Sie kritisieren diese sehr undifferenzierte Meinung. MMn völlig zurecht. Das hat nichts mit Briefkästenanzünden zu tun.
    Und Erryk, darauf beifallklatschend in einem "Endlich sagts mal jemand"-Tonfall zu antworten, ist nun auch nicht wirklich stilvoll, wenn du denn meine Meinung hören willst. Was du vermutlich nicht tun wirst. ;)
    Also bitte, wenn ihr denn über Veganismus diskutieren wollt, dann doch bitte sachlich und nicht so. Auch, wenn wir hier im Fun-Bereich sind. :)


    So, sorry an alle, eigentlich wollte ich mich hier ja wieder buchbezogenen Themen widmen und nicht sowas. ;)
    /*Moralapostelmodus aus*

    The living should smile, for the dead cannot.

  • Macht auf mich ebenfalls den Eindruck, als ob ihr beiden nicht verstanden habt (und noch trauriger, nicht verstehen wollt). Ist schade, muss man aber hinnehmen. Bin dann wieder raus hier.

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    "We all swore oaths." - Arthur Dayne


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  • Das ist natürlich die einfachste Lösung, aber sie passt wie immer zu dir, Ser Arthur: Die anderen haben keine Ahnung, wollen es nicht verstehen und daher kann ich mich moralisch überlegen fühlen, in dem ich verkünde mich da rauszuhalten. Vermutlich klatschen gleich noch die üblichen Kandidaten dafür Beifall, dann klappt das auch mit der Bestätigung.


    Renly's Peach hat hier schlicht und einfach nur deutlich seine Meinung zum "öffentlichkeits-wirksamen Veganismus" dargelegt, mit Sicherheit mit derben Worten, aber warum soll er das nicht machen dürfen, wenn es eine Lebensweise ist, die ihm überhaupt nicht gefällt? Macht ihr doch in Frust- und ähnlichen Threads genauso, wenn euch irgendwas nicht passt oder nicht recht ist (komisch, da bleiben die anderen aber stumm). Und er hat meine volle Zustimmung, wenn er sagt, dass nicht jeder persönlichen Befindlichkeit in der Öffentlichkeit Respekt gezollt werden muss. Diese militanten Veganer respektieren nämlich schon meine Ernährungsweise nicht, wenn sie mich ständig blöd anmachen, warum sollte ich dann ihre respektieren? Im Gegensatz zu denen, lasse ich mich aber gar nicht auf Diskussionen ein. Und nichts anderes sagt Renly's Peach Beitrag aus. Vielleicht mal genauer lesen, die stillen Veganer greift er nämlich gar nicht an, sondern nur diejenigen, die wie die Frau öffenlichkeitswirksam mit ihrer Ernährungsweise auch ihre Umwelt beeinflussen will, auch wenn diese das gar nicht will. PS: Ob diese Stellungnahme seiten der Frau, es wäre nur ein Scherz gewesen überhaupt stimmt, bezweifle ich auch. Nach dem Shitstorm wird sie bestimmt ordentlich zurückgerudert haben und die Sache extrem verharmlost haben. Die Wahrheit liegt meiner Meinung nach irgendwo zwischen den beiden Extremen harmloser Scherz und konsequentes Fordern. Und auch ich selbst halte die meisten Reaktionen für maßlos übertrieben, andererseits hätte ein etwas klügeres Vorgehen der Frau das verhindern können.


    Und ich behalte es mir selbst vor, was ich respektiere und was nicht: Akzeptieren sowieso alles, wenn es mich nicht unmittelbar bedroht, respektieren nein. Ich habe genauso wenig Respekt vor Youtubern, die in allen möglichen Zeugs baden wie Leute, die Kinderlieder verändern wollen, weil sie nicht vegan sind. Genauso wenig respektiere ich es, wenn an meiner alten Uni tausende von Euro für vegane Kondome ausgegeben werden.


    Mal ein ganz absurdes Beispiel: Die Zwickauer-Fans mögen die Auer nicht, die Farbe der Auer ist lila-weiß. Theoretisch könnte ich jetzt Ser Arthur darum bitten, doch diesen komischen lila-weißen Avatar rauszunehmen, weil er mich stört. Klingt diese Forderung nicht völlig absurd und bescheuert? Würdet ihr eine solche Befindlichkeit respektieren? Und glaubt mir, es gibt wirklich bei Zwickau (und auch auch Chemnitz) solche Spinner, die das fordern würde. Und auf keiner anderen Stufe stehen für mich Veganer mit ähnlich absurden Forderungen.

  • Es ist ein Unterschied, ob man einzelne Aussagen, Forderungen oder Ausprägungen von Veganern als absurd abtut, oder direkt die ganze Ernährungsweise als absurd dazustellen. Das eine ist legitim und diskussionswürdig, das andere einfach respektlos und undifferenziert. Und unverständlich, da das ja genau "den Veganern" vorgeworfen wird.
    Und das hat nichts mit Öffentlichkeitswirksamkeit zu tun, denn auch Veganer haben das Recht, aus ihrer Sicht Missstände anzuprangern. Diese Forderungen koennen dann wiederum diskutiert werden, aber doch bitte ohne Pauschalverurteilungen und Vorurteile.

    The living should smile, for the dead cannot.

  • Zitat

    oder direkt die ganze Ernaehrungsweise als absurd dazustellen.


    Warum ist das nicht legitim? Es gibt meiner Auffassung nach gute Gründe, die gesamte Ernährungsweise für absurd zu halten (schon damit angefangen, dass es eigentlich unmöglich ist, vollkommen vegan zu leben).
    Solange ich daraus keine Konsequenzen ziehe, im Sinne von vegane Läden mit Steinen einschmeißen oder so, sehe ich kein Problem darin, kein Verständnis für die vegane Lebensweise aufbringen zu können. Abgesehen davon habe ich außer der Facebook-Seite Indyvegan, die klar gegen den rechten Part der Veganer Stellung bezieht, noch nie klare Ablehnung von Veganern gehört. Eher das Gegenteil. Ich respektiere im Übrigen auch keine Meinungen, wie Blausäure gegen Krebs zu empfehlen, Impfungen pauschal abzulehnen oder an Chemtrails glauben. Das hat für mich nichts mehr mit Toleranz zu tun (wobei ich natürlich Veganismus pauchal nicht damit auf eine Stufe stelle - ich will lediglich darstellen, warum ich es durchaus akzeptabel finde, eine Ernährungsweise vollständig abzulehnen).

  • Du kannst für absurd halten, was du willst und das will ich auch niemanden absprechen. Und den Veganismus zu hinterfragen und ggf. zu kritisieren ist ebenfalls mMn richtig und notwendig. So wie man das bei allen Lebenseinstellungen machen sollte. Aber pauschal die ganze Einstellung als absurd zu bezeichnen, ist für mich keine Kritik, sondern Polemik. Das kannst und darfst du natürlich auch machen. Ist dann halt dumm und undifferenziert.
    Die Grundidee des Veganismus, nämlich nicht auf Kosten von irgendetwas lebendigem zu leben, ist ja durchaus ehrenwert. Wenn auch natürlich nicht wirklich realistisch.

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  • schon damit angefangen, dass es eigentlich unmöglich ist, vollkommen vegan zu leben

    Ich kenn mich mit Veganismus nicht wirklich gut aus, aber warum ist es unmöglich vollkommen vegan zu leben? Ich denke hier daran, dass man ja z.B. bei Bettzeug nicht auf Daune angewiesen ist oder man ja auch keine Lederschuhe tragen muss...Mir fällt spontan nichts ein, was man nicht umgehen könnte?


    Womit ich persönlich ein Problem habe sind diese Veganer, die behaupten mit ihrem Veganismus die Welt zu retten, während sie irgendwelche Bio-Drinks aus Aludosen trinken und Produkte aus brasilianischem Soya essen, bei dem das Saatgut erst bei uns in Europa produziert, dann nach Brasilien verfrachtet wird, wo Regenwald brandgerodet und das Soya in einer wahnsinnig unökologischen Art und Weise unter massivem Spritzmitteleinsatz in Monokulturen, die die Felder unbrauchbar zurücklassen, angebaut wird, um es dann zu uns zurückzuverfrachten wo wir dann ach so gesunde und die Umwelt so viel weniger belastende Super-Soya-weiß-Gott-was-Produkte konsumieren können. Das finde ich tatsächlich scheinheilig und unreflektiert und löst auch mit Sicherheit nicht die Probleme der Welt. Spontan fällt mir hier auch noch der Agavendicksaft und diverse andere Milch/Ei-Ersatzstoffe ein, die bei uns einfach nicht hergestellt werden können.


    Generell finde ich aber trotzdem, dass es sehr viele sehr angenehme Veganer gibt, die dir nicht von jedem Gramm Eiweiß, dass sie zu sich genommen haben erzählen. Und das ist meiner Meinung nach der Großteil. Hier einfach alle über einen Kamm zu scheren empfinde ich als extrem unfair. Irgendwelche Schreihälse beachte ich doch gar nicht. Allerdings muss ich Renly in einem Punkt schon Recht geben: der öffentliche Raum und die Gesellschaft muss wirklich nicht auf alle Befindlichkeiten von Individuen Rücksicht nehmen. Allerdings muss man sich imho schon die Frage stellen: Wenn es mich nicht stört und mir eigentlich egal ist, kann ich dann nicht aus Rücksicht auf andere, denen ein Thema mehr am Herzen liegt, nachgeben? Anders sieht die Sache natürlich aus, wenn es unterschiedliche Standpunkte gibt.

  • Renly, ich beabsichtigte nicht deinen Briefkasten hochzujagen. Dass du mir, wenn auch im Scherz, ein solches Verbrechen zu einem derart nichtigen Anlass zutraust, lässt dich hier übrigens nur noch wutbürgerlicher aussehen. Es ging mir darum, dass dein schöner Beitrag der mit Abstand dogmatischte dieser mittlerweile recht unappetitlich zu verfolgenden Diskussion ist.


  • Mein Problem mit dem Veganismus - mit Vegetarismus hab ich Ähnliches weder mit Schwester, Exfreundin, Mitbewohnerin noch diversen Kumpelinen je erlebt - ist ebenfalls, dass meiner Meinung nach ein wesentlich größerer Anteil der veganen Szene, als von Ser Arthur hier angenommen, stark esoterisch veranlagt ist, zur Alternativmedizin tendiert und schlicht fanatisch ist.
    Ersteres kann ich anhand einer Anzahl von Links einigermaßen "belegen", wobei ich hier vor Allem auf die Anzahl von Followern und Likes hinweise, die dieses Phänomen mir deutlich gespenstischer als ähnlich idiotische Bewegungen wie Reichsbürger und Chemtrails erscheinen lässt.


    Ja, das ist auch mein Problem. Wir hatten glaub ich schon mal das Thema hier, dass einige dieser Ökomarken ihre Strichcodes durchstreichen, weil die laut einiger Esoteriker eine böse Strahlung abgeben.
    Das finde ich schon anstrengend, weil ich eigentlich ganz gern im Bioladen einkaufe, mich aber nicht zu der Zielgruppe für derartige Spinnereien zugehörig sehe. In einen Laden gehe ich gar nicht mehr, weil die mal für eine Veranstaltung von Impfgegnern geworben haben.


    Ansonsten kann ich als Langzeitvegetarierin den Vegihype nur begrüßen, inzwischen kriegt man selbst im Dorfgasthof von Hintertupfingen ein vegetarisches Gericht, was im Jahr 2017 auch keinen Speck mehr enthält. (2002 ist mir das z.B. noch passiert)

  • Ok, ich versuche es nochmal.
    Worum es mir ging: das Leben einer Frau wurde aufgrund einer Belanglosigkeit massiv attackiert, sodass sie in Behandlung gehen musste und sehr wahrscheinlich ziemlich lange daran zu knabbern hat. Das braucht einen nicht zu kümmern, entsetzt mich aber in hohem Ausmaße. Nun sind die Angreifer in solchen Fällen erfahrungsgemäß gar nicht umbedingt die typischen Schlägertypen, sondern Leute, bei denen aus Gründen die Sicherung durchbrennt. (Sehr schön zu sehen war das beispielsweise an einem Fall, wo einem Journalist bei einem Shitstorm gedroht wurde, ihn anzuzünden. Anschließend hat der Journalist den Mann getroffen, der Bericht dazu ist höchst interessant.) Oftmals haben die Angreifer selber auch gar nicht einmal wirklich Bezugspunkte zu der Thematik und den Menschen, um die es geht. Aufgewiegelt werden solche Leute oft durch empörende "Berichterstattung". Doch den Nährboden dafür bereiten undifferenzierte Polemiken, in denen die eigene Position mehr oder weniger mit den Worten "Finde ich scheiße, was die Spinner da machen" zum Ausdruck gebracht wird. Dann bestätigt man sich das gegenseitig im Bekanntenpreis und zu gegebener Zeit bricht das hervor. Alternativ könnte man auch anders an die Sache rangehen. Differenzierter zum Beispiel. Also in diesem Fall: Was ist Veganismus? Welche Ziele verfolgt er? Sind diese Ziele zum einen lobenswert und zum anderen realisierbar? Handelt es sich um eine homologe Bewegung? Macht der Veganismus Leute zu Spinnern oder gibt es eine bestimmte Sorte von Spinnern, die der Veganismus anzieht? Undsoweiter. Und wenn man nach all den Fragen zu dem Ergebnis kommt, dass Veganismus sinnlos ist, kann man weiterfragen, ob man selber oder ob eine Gruppe von Menschen unter dem Konzept des Veganismus leiden. Das ist jetzt alles sehr spezifisch, lässt sich aber denke ich durchaus, dass sich ein solches Vergehen übertragen lässt. Darum ging es mir bei meiner Kritik an Peachs Post. Das kann man jetzt verächtlich als PC abtun, ich halte es aber nicht für den schlechtesten Weg, das allgegenwärtige Arschloch in uns etwas zurückzufahren.

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  • Sehr schön geschrieben Ser Arthur und Respekt, dass Du hier noch so sachlich bleiben kannst. Wahrscheinlich bin ich aber bloß wieder eine der üblichen eingefleischten :P PC Kandidat/innen, wenn dann schon, die Dir Beifall klatschen. :rolleyes:

  • @Ser Arthur: Das Thema Veganismus triggert mich halt extrem. Liegt daran, dass ich das meiste Gemüse aufs Tiefste verabscheue und mein Leben lang mit Mahlzeiten zu kämpfen habe, besonders in Restaurants, wo es zu jeder fleischigen Mahlzeit noch irgendeine bescheuerte Salatbeilage gibt, aus der ich das Schnitzel/Steak/Filet mühsam befreien muss und der Salat dann sowieso sinnlos liegenbleibt. Bei anderen Suppen, Nudeln, Spaghettigerichten sind dann Zwiebel-, Kräuterstücke drin, die ich entweder mühsam rauslesen muss oder das Essen gleich ganz bleiben lasse, weil mich solche Friemelarbeit zum Essen einfach nur frustriert. Genauso nervt mich beim Döner bestellen, wenn der Verkäufer mir schon die ganze Palette Rotkraut, Zwiebel, Kräuter, Salat reinquetschen will, bevor ich sagen kann, dass ich das nicht will.
    Hinzu kommt dann noch, das besonders mein Vater meinen eigentümlichen Ernährungsstil nie akzeptiert hat und immer wieder versucht hat, obwohl ich es nicht esse, mir Spaghetti oder Linsensuppe mit Zwiebelstücken anzudrehen.
    Ich habe versucht das alles irgendwann einmal zu probieren, ich weiß noch, wie ich mich beim Essen einer Möhre fast übergeben musste und mir nach Einnahme von Blumenkohl restlos der Appetit vergangen ist. Ich kann einfach kein Gemüse essen und bin daher extrem genervt davon, dass es an fast allen Speisen, die keine Fertiggerichte oder Tiefkühlware sind, irgendwelche Gemüsestücke mit dran sind. Das macht mich noch immer ziemlich fertig.
    Und genau aus dem Grund sehe ich bei dem Thema Veganismus erst recht rot, wenn irgendwelche Leute meinen es müssten alle noch mehr Gemüse und Pflanzliches essen und es gebe ja keine veganen Speisen in Speisekarten, obwohl nahezu jedes Gericht in irgendeinem Restaurant zur Hälfte aus Salatbeilage besteht. Wenn die dann auch noch anfangen sind als missverstandene Minderheit zu sehen und mit solchen komischen Forderungen wie der Ausgangspunkt dieses Threads, dann habe ich eben vollstes Verständnis für vielleicht intolerante Aussagen und Bemerkungen. Ich kann bei dem Thema einfach nicht tolerant und sachlich bleiben, wenn ich jetzt schon jahrzehntelang in meiner Esskultur durch Gemüse gestört werde. Dabei verzichte ich darauf in Restaurants zu fordern, dass Steaks und Schnitzel ohne Salatbeilage bestellt werden können oder jeder Dönerverkäufer gefälligst Döner nur mit Fleisch anzubieten hat.

  • @Balerion

    Zitat

    Aber pauschal die ganze Einstellung als absurd zu bezeichnen, ist für mich keine Kritik, sondern Polemik. Das kannst und darfst du natürlich auch machen. Ist dann halt dumm und undifferenziert.


    Die Einstellung oder die Motive habe ich auch pauschal nicht als absurd bezeichnet, ganz im Gegenteil. Nur so wie die Veganer glauben, ganz viele tolle Argumente für ihre Lebensweise zu haben, so wenig sind diese für mich überzeugend, sodass ich Veganismus an sich und nicht die Einstellung aus der er stammt für absurd halte.


    @Chopsticks

    Zitat

    Ich kenn mich mit Veganismus nicht wirklich gut aus, aber warum ist es unmöglich vollkommen vegan zu leben? Ich denke hier daran, dass man ja z.B. bei Bettzeug nicht auf Daune angewiesen ist oder man ja auch keine Lederschuhe tragen muss...Mir fällt spontan nichts ein, was man nicht umgehen könnte?


    Zum Einen ist ein sehr erheblicher Teil der veganen Lebensmittel natürlich mit tierischen Düngemitteln gedüngt - was es schon absurd macht, diese überhaupt als vegan zu bezeichnen. Ersetzbar wäre das vielleicht noch durch eine extreme Ausweitung von Kunstdünger. Der Anteil veganer Biohöfe, die mit angebauten Düngepflanzen düngen liegt nicht zufällig seit Jahren im einstelligen Bereich. Das eigentlich Entscheidende ist aber, dass bei jeder Ernte auf jedem Hektar unzählige Tiere, Insekten, aber auch Kleinstsäugetiere bis zu Rehen im hohen Getreidefeld getötet werden, durch Erntemaschinen, überfahren etc. Unzählige Produkte - zum Beispiel die meisten Elektroartikel Knochenleim - enthalten Spuren tierischen Ursprungs. Man kann es jetzt absurd finden, solche geringen Mengen überhaupt zu beachten, man könnte es allerdings auch absurd finden veganen Wein wegen winziger Gelatinerückstände zu kaufen, was Viele tun. Es gibt viele Punkte, die eine vollkommen vegane Lebensweise meiner Ansicht nach unmöglich machen.


    Zitat

    Allerdings muss ich Renly in einem Punkt schon Recht geben: der öffentliche Raum und die Gesellschaft muss wirklich nicht auf alle Befindlichkeiten von Individuen Rücksicht nehmen.


    Darauf wollte ich eigentlich hinaus, mit meiner Aussage, dass man Veganismus auch an sich absurd finden kann. Jedes Individuum sollte die größtmögliche Freiheit besitzen so zu leben wie es will, dass spreche ich Niemandem ab. Ebenso wenig muss man meiner Meinung in der Öffentlichkeit auf jede Befindlichkeit Rücksicht nehmen, wie es die Vertreter der - ich-esse-zwar-einen-Eisbecher-aber-bin-laktoseintolerant Fraktion verlangen.


    @Ser Arthur.

    Zitat

    [...]Darum ging es mir bei meiner Kritik an Peachs Post. Das kann man jetzt verächtlich als PC abtun, ich halte es aber nicht für den schlechtesten Weg, das allgegenwärtige Arschloch in uns etwas zurückzufahren.


    Weißt du, im Grunde kann ich dir bei deinem ganzen Text beipflichten, insbesondere bei dem Part mit den öffentlichen Empörungsorgien, - nur das du ihn auf Peachs Post beziehst nicht.


    @Ser Erryk: Witzig, mir geht es beim Gemüse essen ähnlich. Ich habe eine handvoll Sorten, Brokkoli, Erbsen, Rotkohl, Spinat, Paprika, Sauerkraut, Bohnen, die ich stark zerkocht essen kann, bei Allem Anderen inklusive allen Obst- und Fruchtsorten (Ananas, Kirschen und Beeren ausgenommen) kriege ich Brechreiz. Mir ist auch schon mal schlecht geworden, weil ich versehentlich mit dem Gurkensalatlöffel einen Topf Reis ausgekratzt habe. Und auch mir wurde seit Kindesbeinen versucht das Alles reinzuzwingen, sonst würde ich krank werden und blabla :D

  • Also ganz ehrlich Ser Erryk... Das ist das traurigste und härteste Schicksal, von dem ich je gelesen habe... :rolleyes:

    >Angst schneidet tiefer als ein Schwert<

  • Also ganz ehrlich Ser Erryk... Das ist das traurigste und härteste Schicksal, von dem ich je gelesen habe... :rolleyes:


    Wenn du dir ein lecker anhörendes Gericht bestellst und feststellst, dass es in einen Haufen Pflanzenabfälle eingebettet ist, von dem auf der Karte nichts stand, würdest du es verstehen :D

  • Die Einstellung oder die Motive habe ich auch pauschal nicht als absurd bezeichnet, ganz im Gegenteil. Nur so wie die Veganer glauben, ganz viele tolle Argumente für ihre Lebensweise zu haben, so wenig sind diese für mich überzeugend, sodass ich Veganismus an sich und nicht die Einstellung aus der er stammt für absurd halte.


    Ich hab mich damit auch nicht auf dich, sondern auf Peach bezogen. ;)

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  • Weißt du, im Grunde kann ich dir bei deinem ganzen Text beipflichten, insbesondere bei dem Part mit den öffentlichen Empörungsorgien, - nur das du ihn auf Peachs Post beziehst nicht.


    Das ist auch das, was ich nicht verstehe an Arthurs Posts. Hätte Peach hier Morddrohungen gegen die Frau verfasst oder sich in seinem Post an dem Shitstorm irgendwie beteiligt, hätte Ser Arthur meinen Zuspruch gefunden. Aber vielleicht bezieht er sich ja auf einen Post, den ich absolut nicht finden kann in diesem Thread, kann ja auch sein.


    Witzig, mir geht es beim Gemüse essen ähnlich. Ich habe eine handvoll Sorten, Brokkoli, Erbsen, Rotkohl, Spinat, Paprika, Sauerkraut, Bohnen, die ich stark zerkocht essen kann, bei Allem Anderen inklusive allen Obst- und Fruchtsorten (Ananas, Kirschen und Beeren ausgenommen) kriege ich Brechreiz.


    Interessante Auswahl. Obst geht bei mir eigentlich weitgehend, da sind eigentlich nur Pflaumen, diverse Südfürchte, Clematis ein absolutes No-Go. Beim Gemüse schaffe ich Mais, Kidney-Bohnen, Erbsen, sehr fein geschnittenen Spinat und Wassergurken, der Rest ist einfach nur Brechreiz. Ironischerweise esse ich Tofu sogar sehr gerne, eigentlich das Klischee-Veganer-Essen schlechthin.


    Mir ist auch schon mal schlecht geworden, weil ich versehentlich mit dem Gurkensalatlöffel einen Topf Reis ausgekratzt habe. Und auch mir wurde seit Kindesbeinen versucht das Alles reinzuzwingen, sonst würde ich krank werden und blabla

    Mich wundert es eigentlich, dass ich nicht schon vor zehn Jahren gestorben bin, weil das doch alles so gesund ist und man es für die Ernährung braucht. Seltsamerweise habe ich aber seit Jahrzehnten außer ab und zu eine Erkältung, ganz selten eine Grippe keine üblen Krankheiten gehabt.
    Und übergewichtig bin ich auch nicht.


    Alraune: Deine Anteilnahme freut mich zu hören. :)

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