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  1. Eis-und-Feuer Forum
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Dies und Das ...

  • SuSansa
  • 27. Mai 2015 um 21:04
  • Arjen2102
    Fortgeschrittener
    Beiträge
    585
    • 30. Januar 2017 um 15:31
    • #1.301
    Zitat von Kasimir

    es gäbe nur die Möglichkeit einer möglicherweise verfassungwidrigen Maßnahme und dem Zulassen von Massenvergewaltigungen?

    Nein. Es gibt auch die Möglichkeit, die Du nennst: 1500 Polizisten reagieren erst dann, wenn die erste Frau begrapscht wurde. Für diese Frau ist es dann zwar zu spät, aber zumindest durfte jeder der wollte zur Domplatte.

    Ich klink mich aber jetzt hier wieder aus...

    Facit Omnia Voluntas

  • Kasimir
    Schlammblutkaiser
    Beiträge
    2.697
    • 30. Januar 2017 um 15:36
    • #1.302
    Zitat

    Nein. Es gibt auch die Möglichkeit, die Du nennst: 1500 Polizisten reagieren erst dann, wenn die erste Frau begrapscht wurde. Für diese Frau ist es dann zwar zu spät, aber zumindest durfte jeder der wollte zur Domplatte.


    Das ist mitnichten die Möglichkeit, die ich nenne. Ich kenne mich wie gesagt nicht aus, aber es gibt jawohl mehr als nur zwei Polizeitaktiken. Es gibt, nur um ein Beispiel zu nennen, auch die Möglichkeit, dass die Polizei tatsächlich so vorgegangen wäre, wie sie es selber behauptet hat. Nämlich, dass nicht allein nach Hautfarbe vorgegangen wurde, sondern durch ihr Verhalten auffällige Personen und Personengruppen größtenteils nordafrikanischen Aussehens aussortiert wurden. Nur entspricht diese Behauptung einer Vielzahl voneinander unabhängigen Zeugenaussagen anscheinend nicht der Realität. Wenn es denn so wäre, dass eine große Zahl durch ihr Verhalten, und nicht eben alleine durch ihr Aussehen auffällige Gruppe von scheinbaren Nordafrikanern aussortiert worden wäre, hätte ich da nicht das geringste Problem mit.

    Dieser Beitrag wurde bereits 12 mal editiert, zuletzt von „Kasimir“ (Heute, 17:14)

  • Ser Arthur Dayne
    The Sword of the Morning
    Beiträge
    4.992
    • 30. Januar 2017 um 16:34
    • #1.303
    Zitat von Arjen2102

    Den Zutritt zur Domplatte zu verweigern mit Folter zu verlgeichen, also bitte.


    Bin mir nicht so sicher, ob du mein Anliegen ueberhaupt verstanden hast. Ich habe diesen Vergleich nicht aufgestellt.
    Mir ging es primaer darum, dass ich keine eigenen Vorschlaege praesentieren muss, um ein verfassungswidriges Verhalten der Polizei kritisieren zu duerfen. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass es verfassungswidrig sein soll, bei Gefahr im Verzug eine Autoscheibe einzuschlagen.
    Aber wie auch immer, mich nervt es nur, wenn Kritik damit abgebuegelt wird, indem man gesagt bekommt, man solle es besser machen. Sehe ich eben nicht so. Um eine Schauspielleistung zu kritisieren, muss ich nicht besser schauspielern koennen, um eine Serie zu kritisieren, muss ich kein besserer Regisseur sein.
    Aber nun, Racial Profiling ist ja offenbar nicht direkt verfassungswidrig, was es aber nicht von Kritik ausnehmen sollte.

    Das Wiki von Eis und Feuer freut sich über deine Mitarbeit. Schau mal vorbei: eisundfeuer.fandom.com/de
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  • Narannia
    Meister
    Beiträge
    2.644
    • 30. Januar 2017 um 16:48
    • #1.304

    Wer sagt denn, dass die Polizei verfassungwidrig gehandelt hat? Wir wissen nicht, ob sie wirklich nur rein auf das Äußere geachtet haben. DAS wäre Racial Profiling. Wenn sie aber auch Erkenntnisse aus vorherigen Ermittlungen und verdächtige Verhaltensweisen beobachtet haben (und es wurde vermehrt das agressive Verhalten erwähnt), dann ist das nur Profiling. Und das ist keineswegs verfassungswidrig.

    Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass die Polizei rein nach dem Äußeren kontrolliert hat. Die achten normalerweise auch auf das Auftreten. Überlegt doch mal logisch: Je mehr Leute ich da rausziehe, desto mehr Arbeit bedeutet das für mich als Polizisten. Warum sollte ich also jetzt pauschal einfach mal alle rauspicken, die einfach nur rein optisch einem bestimmten Erscheinungsbild entsprechen? Da werd' ich ja gar nicht mehr fertig. Also wird weiter eingegrenzt. Diejenigen, die in weiblicher Begleitung sind, werden gleich mal raussortiert. Logisch. Pärchen. Der wird keine Andere angrabschen. Eine Gruppe bestehend aus mehreren Männern unter 30. Die verhalten sich schon etwas lauter. Die kontrollieren wir lieber mal. Und da wird auch eine Gruppe Deutscher kontrolliert. Da bin ich mir sicher.

  • Ser Arthur Dayne
    The Sword of the Morning
    Beiträge
    4.992
    • 30. Januar 2017 um 16:54
    • #1.305

    Mein Kommentar war erst einmal nur ganz grundsaetzlich gemeint.
    Direkt zu Koeln: Ich habe den Fall nur aus der Ferne betrachten koennen, aber zumindest gibt es ja offenbar Aussagen, die nahelegen, Racial Profiling habe eine Rolle gespielt. Man sollte also vielleicht mal in Ruhe drueber sprechen, was genau vorgefallen ist, anstatt leichte Kritik sofort auf Gutmenschentum und Besserwisserei zu schieben.

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  • Narannia
    Meister
    Beiträge
    2.644
    • 30. Januar 2017 um 17:08
    • #1.306

    Ich finde die Kritik an der Polizei aber keineswegs "leicht". Immerhin geht es hier um den Vorwurf von Rassissmus.
    Jetzt nicht hier im Forum, aber sonst im Internet.

  • Ser Erryk
    Gast
    • 30. Januar 2017 um 19:28
    • #1.307

    Kritik sollte eigentlich immer auch einen Verbesserunngsvorschlag oder einen Anstoß zur Besserung beinhalten. Kritik, die keine Alternative kennt, ist für mich einfach nur Bashen.

  • Ser Arthur Dayne
    The Sword of the Morning
    Beiträge
    4.992
    • 30. Januar 2017 um 19:48
    • #1.308

    In Fällen, wo ein Staatsorgan gesetzeswidrig handelt, besteht der Anstoß der Kritik dann halt darin, welche Konsequenzen für die Rechtsstaatlichkeit es hat, wenn staatliche Institutionen sich aussuchen, wann sie sich an Gesetze halten und wann nicht. Ich sehe mich da allerdings nicht in der Pflicht, konkrete Vorschläge für das entsprechende Staatsorgan machen zu müssen, wie es seine Arbeit erledigen sollte. Bis auf: In dem Rahmen, den der Gesetzgeber zubilligt. Und das ist jetzt wieder rein theoretisch gemeint.

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  • Grunkins
    Meister
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    1.861
    • 30. Januar 2017 um 19:48
    • #1.309
    Zitat von Ser Erryk

    Kritik sollte eigentlich immer auch einen Verbesserunngsvorschlag oder einen Anstoß zur Besserung beinhalten. Kritik, die keine Alternative kennt, ist für mich einfach nur Bashen.

    Das sehe ich anders. Es gibt natürlich eine Form von "Rumpupen" die grundsätzlich nicht auf Verbesserung aus ist, sondern nur aufs Beschweren. Meistens wäre es aber unseriös als Laie zu einem bestimmten Thema Lösungsvorschläge anzubieten, wie hier Polizeiarbeit. Kritisieren muss ich sie aber trotzdem können, denn ich bin ja als Bürger Teil dieses Landes und es muss mir möglich sein, die geleistete Arbeit in einem gewissen Rahmen nachvollziehen zu können. Polizisten (natürlich der entsprechenden Ebene) haben als Menschen, die diesen Beruf ergriffen haben, eine Bringschuld Lösungen anzubieten, die eine sichere Öffentlichkeit ohne Stigmatisierung von Randgruppen gewährleisten. Ähnlich, wie ich auch von einem Baukonzern verlange, dass er ein Haus so baut, dass es nicht zusammenkracht wenn Jemand ein Loch in die Wand bohrt. Ohne das ich im Zweifel einen besseren Plan hätte.

    Um mal ein Beispiel aus einem anderen Bereich zu nennen: Ich bin Laie in juristischen und psychologischen Fragen und weiß, dass man sich sehr schnell in Stammtischgefilde begibt, wenn man das Rechtssystem kritisiert. Trotzdem muss ich sagen, dass es mich mehr als stutzig macht, wenn ein Dealer, der hinter der Schule paar Gramm Gras verkauft hat nach mehreren Monaten in denen er clean sein musste und keine weiteren Vergehen begehen durfte, 2 Jahre auf Bewährung kriegt und Teilnehmer einer Gruppenvergewaltigung einer 14-Jährigen 6 Monate. Da habe ich dann meiner Ansicht nach auch als Laie ein Recht, die Entscheidungen der Profis in Frage zu stellen, ohne ein "besseres" Urteil abgeben zu können.

  • Rory2016
    K9s buddy
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    • 30. Januar 2017 um 20:29
    • #1.310
    Zitat von Arjen2102

    mer fühlt hat das Recht und die Möglichkeit gegen dieses Vorgehen (im Nachhinein) vorzugehen


    in der Theorie schon. Aber vermutlich hast du oder dein Umfeld da noch (zum Glück) keine eigenen Berührungspunkte gehabt.Denn leider gibt es nach wie vor keine unabhängige Stelle und es ist sehr schwer damit durchzukommen (selbst mit Zeugen oder wenn der Vorfall per Video dokumentiert ist), im Zweifelsfall kriegst du eine Gegenanzeige von den Beamten die weitaus erfolgsversprechender ist. Das ist leider Realität.
    Was natürlich nicht auf alle Beamten verallgemeinern soll - in unser derzeitigen Gesellschaft, können wir oft genug froh sein das wir die haben

    @Grunskins: das ist ja dann eher ein problem der derzeitigen Gesetzeslage, die gerade was die Kriminalisierung von Drogen angeht ja auch bei vielen Juristen arg in der Kritik steht.

  • SamsMams
    Duchess of Ankh
    Beiträge
    676
    • 30. Januar 2017 um 20:48
    • #1.311
    Zitat von Narannia


    Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass die Polizei rein nach dem Äußeren kontrolliert hat. Die achten normalerweise auch auf das Auftreten.

    Nicht auf Köln bezogen sondern ganz allgemein, mir ist es auch schon passiert das ich nur nach dem Äußeren von der Polizei rausgezogen worden bin. Mit Anfang 20, zusammen mit einer Freundin am Hbf Hannover. Wir hatten leider nicht mitbekommen das mal wieder Chaostage waren. Und da passten wir mit Chucks und bunten Haaren gut ins Profil. Ich hätte zu gern unsere Gesichter gesehen als der Polizist uns anblaffte wir sollen in die andere Richtung gehen zum restlichen Pack. Und wir erstmal verdattert nachfragen mussten was der Herr von uns wollte :rolleyes:

    Manche Sachen kann man nicht verstehen, man kann sich nur darüber wundern.

  • Ser Erryk
    Gast
    • 30. Januar 2017 um 21:49
    • #1.312

    SamsMams: Geht mir als Fußballfan exakt genauso, selbst ohne Schal und Trikot. Im Fußball ist es sogar noch extremer als für einen Nafri am Silvesterabend am Kölner Dom, denn ich habe es schon oft genug erlebt, dass die Polizei gar keinen bestimmten Grund braucht, um Pfefferspray und körperliche Gewalt anzuwenden. Liegt wohl hierin begründet, dass es eben leider sehr viele Idioten beim Fußball gibt, weswegen ich der Polizei da auch nicht immer einen Vorwurf mache, die müssen sich an bestehende Gesetze und Vorgaben halten. Komischerweise gibt es da nie einen Aufschrei von irgendwelchen Politikern oder anderen Leuten, nein dann sind es ja nur die blöden Fußballfans, sind ja eh alles Verbrecher (habe ich alles schon zu hören bekommen).
    Von daher halte ich jede Kritik am Polizeieinsatz und angeblich tief traumatisierter Nafris durch den Polizeiumgang für totalen Humbug und maximal lächerlich. Ist nur meine Meinung dazu.

  • Cethleann
    Profi
    Beiträge
    1.672
    • 30. Januar 2017 um 22:18
    • #1.313
    Zitat von Ser Erryk

    Im Fußball ist es sogar noch extremer als für einen Nafri am Silvesterabend am Kölner Dom, denn ich habe es schon oft genug erlebt, dass die Polizei gar keinen bestimmten Grund braucht, um Pfefferspray und körperliche Gewalt anzuwenden.

    Du hast Pfefferspray abbekommen? =O

  • Ser Erryk
    Gast
    • 30. Januar 2017 um 23:39
    • #1.314

    Nein, ich zum Glück nicht. Ich habe gesehen, dass es gleich eskaliert und bin in den Bus gegangen. Einen anderen, der nur friedlich neben dem Bus stand hat aber eine Ladung voll ins Gesicht bekommen.

  • Narannia
    Meister
    Beiträge
    2.644
    • 31. Januar 2017 um 08:33
    • #1.315
    Zitat von Grunkins

    Da habe ich dann meiner Ansicht nach auch als Laie ein Recht, die Entscheidungen der Profis in Frage zu stellen, ohne ein "besseres" Urteil abgeben zu können.

    Ja, aber in der Situation hast du ja quasi eine "Lösung" parat: nämlich dass die Strafen nicht in Relation zur Tat stehen und dass mal überdacht werden müsste, ob Vergewaltiger nicht doch deutlich höher bestraft werden sollten.

    Zitat von SamsMams

    Wir hatten leider nicht mitbekommen das mal wieder Chaostage waren. Und da passten wir mit Chucks und bunten Haaren gut ins Profil.

    Sowas ist natürlich blöd, aber im Nachhinein hat man da wahrscheinlich schon etwas Verständnis, oder?
    "Chaostage" ... was es nicht alles gibt ...

  • Esmeralda
    Mad Maid
    Beiträge
    8.866
    • 31. Januar 2017 um 17:49
    • #1.316
    Zitat von Narannia

    Sowas ist natürlich blöd, aber im Nachhinein hat man da wahrscheinlich schon etwas Verständnis, oder?

    Hat man? Vielleicht. Nach den Erfahrungen, die ich Mitte der 80ger als Punk gemacht habe, hatte ich zu dem Zeitpunkt irgendwann kein Verständnis mehr dafür.

    Hier ein kleiner Schwank aus meiner Jugend:
    In meinem Ort hatten wir in den 80gern ein alternatives Jugendzentrum. Es war ein Treffpunkt für Punks, Alternative, Rest-Hippies und im Prinzip für die gesamte linke Szene. Es gab dort ein Café, regelmäßig "Discos", Lesungen, Konzerte und Probenräume für Bands und sonstigem. Eigentlich war es eine veritable Bruchbude, aber wir hatten ja nix anderes.
    1986 sollte dieses Zentrum ersatzlos geschlossen werden, einfach weil...
    ... weil dieser Hort der Subkulturen den Stadtoberen ein Dorn im Auge war.

    Und weil ob dieser geplanten Schließung erwartet wurde, dass besagte Subkulturen protestieren würden, wurde dafür gesorgt, dass es allen ordentlichen Bürgern der Stadt klar war, dass dieser Sündenpfuhl trocken gelegt werden MUSS, in dem dort verstärkt Polizeieinsätze stattfanden.
    Es ging damit los, dass abends plötzlich ein Aufgebot an Polizei auflief, anfing zu kontrollieren und wenn jemand protestierte, wurde er sofort ins nächste Auto verfrachtet. Als einer der Mitarbeiter des Zentrums anfing Fotos zu machen und sich weigerte, die Kamera rauszugeben, wurde ihm Reizgas aus 20 cm direkt ins Gesicht gesprüht. Ich stand ca. 10 m entfernt und bekam noch eine Spur ab und hatte den Rest des Abends Spaß damit. Eine Erfahrung, die ich nicht wirklich noch einmal haben muss...
    Der sich vor Reizgas windende Typ wurde mit Handschellen ausgerüstet ins nächste Polizeiauto geworfen. Bei der kurzen Entfernung, aus der er das Zeug abbekommen hat, war es eigentlich ein Wunder, dass sein Augenlicht nicht drunter gelitten hat.

    Ein paar Abende später, es gab ein größeres Punk-Konzert und das Zentrum war gut besucht. Das Wetter war schön, viele Leute standen draußen. Passanten waren unterwegs und von der Disco um die Ecke stand auch reichlich Volk vor der Tür. Ich saß mit einer Freundin auf einer Mauer vor dem Zentrum und sah, wie Polizeiautos die Fußgänger-Wege am Ende der Sackgasse, wo das Zentrum stand, versperrten.
    Dann sah ich, wie Bullis die andere Seite der Sackgasse absperrten. Dann sah ich weitere Bullis mit einer Hundertschaft vor dem Zentrum vorfahren. (Ich hatte mich in der Zwischenzeit so hingesetzt, dass ich nötigenfalls schnell ins Gebäude laufen konnte.) In diesen Wagen saßen Unmengen von Polizisten mit Helmen, Schilden und Schlagstöcken und extrem unfreundlichen Gesichtern. Ich bin gelaufen...

    An diesem Abend wurden 120 Leute verhaftet und zur Polizeistation gebracht. Es wurde ALLES verhaftet, was auf der Straße stand, egal ob Besucher des Zentrums, der Disko, Leuten, die einfach nur von A nach B unterwegs waren oder Anwohner, die mit dem Hund Gassi gingen. Eine Freundin von mir lag auf der Erde und hatte einen Polizeihund an der Kehle. Es waren so viele, dass in der Polizeistation mit den 3 Einzel- und 2 Mehrpersonenzellen einfach der Bereich vor den Zellen mit einem Gitter abgesperrt wurde. Danach wurden dann nach und nach die Personalien in Erfahrung gebracht und im Laufe des Abends 40 Leute wieder auf freien Fuß gesetzt. Die restlichen wurden am nächsten Morgen raus gelassen.
    Begründung für den Einsatz? Ich hab keine Ahnung. Es war eine friedliche Stimmung. Sicher war es nicht wirklich leise, wie sollte es auch wenn zig Leute draußen stehen, aber ist das ein Grund für so etwas? Vor allem sollte da nicht vorher mal ein einzelner Wagen kommen und um Ruhe bitten?

    Ein weiteres Konzert. Einige Leute gingen zum Bahnhof, um Bekannte aus dem Ruhrgebiet abzuholen, die auch zum Konzert wollten. Sie gingen durch die Innenstadt zurück zum Zentrum. Okay, ich bezweifle, dass sie leise waren und gehe davon aus, das der ein oder andere schon angetrunken war, aber so wild war es auch nicht.
    Keiner von ihnen kam zurück. Alle wurden direkt in der Innenstadt eingesackt und aufs Revier gebracht, wo sie den Rest des Tages und die Nacht in der Zelle verbrachten.
    Es gab nie eine Anzeige.

    Samstagnachmittags. Ein paar von uns saßen auf besagter Mauer vorm Zentrum und tranken ein paar Flaschen Bier. Es war wieder recht friedlich. Plötzlich näherten sich von der einen Seite ein paar Skinheads und fingen an zu pöbeln und zu provozieren. Was im Nachhinein merkwürdig war: sie blieben auf der anderen Straßenseite und versuchten nur uns dazu zu bringen, auf sie los zu gehen. Schließlich flog eine Flasche (von uns zugegebenermaßen), die Skins liefen weg und stattdessen fuhr ein Polizeiwagen vor. Sie verhafteten wieder alles, was nicht schnell genug im Gebäude war.
    Später wurde uns berichtet, dass die Skinheads und die Polizei sich vorher in innigem Gespräch ein paar Hundert Meter entfernt befunden hatten. Zufall?

    Um es noch einmal zu betonen. Es gab nie massiven gewalttätigen Widerstand gegen die Schließung. Proteste ja, aber alle verbal. Auch Demos. Aber es gab nie genannte Gründe für die Verhaftungen. Auch im Nachhinein gab es nie Anzeigen gegen die Verhafteten.

    Ein paar Tage nachdem das Zentrum dann wirklich offiziell geschlossen war, besetzten ein paar Leute die ehemalige, seit Jahren leerstehende Polizeistation. Sie schlossen Strom und Wasser an und forderten die Räumlichkeit als neues Zentrum. Die Anwohner waren recht nett. Sie brachten Brötchen vorbei oder Eis und unterstützen die Leute. Natürlich war die Besetzung illegal, keine Frage, und nach ein paar Tagen verließen die Besetzer das Gebäude nach einer Vermittlung durch die Landesregierung freiwillig. Das hielt die Polizei allerdings nicht vom Stürmen des leeren Gebäudes ab. Sie schienen allerdings ein wenig verärgert zu sein, dass das Gebäude schon leer war...

    Viele (auch ich) standen vor dem Gebäude und waren ein wenig traurig, als ein Bekannter angestürmt kam und erzählte, dass ein paar hundert Meter weiter, eine Mitarbeiterin des ehemaligen Zentrums mit ein paar Leuten im Auto angehalten worden war, mit der Begründung der Verkehrsunsicherheit ihres Wagens. Natürlich liefen einige von uns los, um zu sehen, was dort los war. Ich traf dort noch auf eine Freundin, die gerade dort aus dem Bus gestiegen war und einen weiteren Bekannten, der dort vorbei kam.
    Als wir dort standen, gab es in der Zwischenzeit einen Abschleppwagen und die Insassen des Autos weigerten sich, den Wagen zu verlassen, jedenfalls eine Weile.
    Als sie sich schließlich doch darauf einließen, wurden sie handgreiflich aus dem Auto gezerrt und einer der Leute dann in den parkenden Polizeiwagen geworfen, als er sich wehrte. Da er die Beine ausstreckte, als die Tür hinter ihm zugeworfen wurde, war das das Ende der Scheibe...

    Der Typ wurde nun wieder aus dem Auto rausgezerrt, in die Scherben gedrückt und mit Kabelbindern gefesselt.
    Er wurde weggekarrt, die Lage beruhigte sich und wir wollten gehen. Und wieder wurde alles verhaftet, was nicht schnell genug auf dem Baum war. Alle auf diesem Platz, die auch nur ansatzweise nach Subkultur aussah, inklusive des Bekannten, der gerade aus der anderen Richtung gekommen war und der Freundin, die aus dem Bus gestiegen war.
    Wir verbrachten alle den Rest des Tages in verschiedenen Zellen. Ich war mit 7 weiteren Frauen in einer Einzelzelle untergebracht, aus der freundlicherweise vorher die Matratze entfernt wurde. Einmal als wir Durst hatten, bekam jede von uns einen halben Plastikbecher mit Leitungswasser und der Klogang wurde uns auch verwehrt. Schließlich hatten wir ein Stehklo in der Zelle (nicht abgetrennnt oder so, aber wer braucht beim Pinkeln schon Privatsphäre.)
    Neben uns in der Zelle war der Typ mit den Kabelbindern am Handgelenk und schrie vor Schmerzen, da ihm die Dinger immer noch nicht abgenommen worden waren (bis ich abends um 22 Uhr rausgelassen wurde, war das immer noch der Fall, aber in der Zwischenzeit wimmerte er nur noch).

    Wir alle wurden nach und nach erkennungsdienstlich behandelt, was wahrscheinlich einschüchternd wirken sollte. Ich fand das Ganze aber eher interessant...
    Bis morgens wurden dann nach und nach alle rausgelassen. Diesmal gab es sogar eine Anzeige. Wir alle hatten anscheinend ein komplett anderes Gebäude besetzt und sachbeschädigt... Leider wusste das von uns keiner.

    Bei zwei Leuten kam es zu einer Gerichtsverhandlung, die aber eingestellt wurde.

    Ich muss dazu sagen, dass es damals sicherlich auch ein paar ganz nette, witzige Polizisten gab. (War ein bissl peinlich, wenn man in seinem uralten Käfer als Punk an der Ampel vom Fahrer des neben einen haltenden Polizeiwagens freundlich gegrüßt wurde... :rolleyes: ), aber im großen und ganzen kann ich nicht behaupten, dass die Polizei hier anhand von Fakten und Gefahrenlagen gehandelt hat, sondern einzig und allein die imaginäre Bedrohung ein paar bunthaariger junger Menschen, deren politische Einstellung der konservativen Ausrichtung der Stadtführung nicht behagte.

    I've come to the point in my life where I need a stronger word than "FUCK".

  • Narannia
    Meister
    Beiträge
    2.644
    • 31. Januar 2017 um 18:05
    • #1.317

    Na, wie warst du denn unterwegs? ;)
    Das scheint aber auch eine ganz andere Geschichte gewesen zu sein. Da ging es nicht um den Schutz von irgendjemanden, sondern da war der Auftrag wohl wirklich, euch da raus zu ekeln, euch zu provozieren, damit Festnahmen oder eine Schließung gerechtfertigt werden können.

    Ich glaub', ich bin viel zu brav und naiv aufgewachsen ... :saint:

  • SamsMams
    Duchess of Ankh
    Beiträge
    676
    • 31. Januar 2017 um 18:08
    • #1.318
    Zitat von Narannia


    Sowas ist natürlich blöd, aber im Nachhinein hat man da wahrscheinlich schon etwas Verständnis, oder?

    Nein, warum sollte man? ?(

    Solche Sachen wie Esme hab ich zum Glück nie erlebt, da hatte ich immer Glück bzw. bin rechtzeitig weg. Aber ich wette es gibt in irgendeinem Behördenarchiv noch Foto- /Videoaufnahmen von mir. Polizei die Bildaufnahmen macht gehört wohl inzwischen einfach dazu.

    Manche Sachen kann man nicht verstehen, man kann sich nur darüber wundern.

  • Andropoli
    Schüler
    Beiträge
    141
    • 31. Januar 2017 um 18:10
    • #1.319
    Zitat von SamsMams

    Nicht auf Köln bezogen sondern ganz allgemein, mir ist es auch schon passiert das ich nur nach dem Äußeren von der Polizei rausgezogen worden bin. Mit Anfang 20, zusammen mit einer Freundin am Hbf Hannover. Wir hatten leider nicht mitbekommen das mal wieder Chaostage waren. Und da passten wir mit Chucks und bunten Haaren gut ins Profil. Ich hätte zu gern unsere Gesichter gesehen als der Polizist uns anblaffte wir sollen in die andere Richtung gehen zum restlichen Pack. Und wir erstmal verdattert nachfragen mussten was der Herr von uns wollte :rolleyes:


    Tja...ich komme aus Hannover und ich sah früher auch recht bunt aus. Einer der Brennpunkte der "Chaostage" lag lange Zeit quasi vor meiner Tür. So durfte ich mich auch schon in den Kessel begeben, wurde 48 Stunden festgehalten (in so einer Art hastig aufgebautem Zookäfig" und hatte am Ende einen Platzverweis, der mich hinderte zu meiner eigenen Wohnung zu gelangen und eine Anklage wegen Landfriedensbruchs. Das Verfahren wurde eingestellt, wohlgemerkt nur eingestellt, was später dafür sorgte, daß ich nicht am Flughafen arbeiten konnte. Und nein, dort wo mich unsere Freunde und Helfer in Hundertschaften weggetrieben und zu den "anderen Chaoten" gebracht haben war gar nichts mit Krawall oder Randale. Die haben alle aus allen Richtungen gezielt in unsere Ecke getrieben und dann nach und nach einkassiert. Meine Anwältin, die etwas Hippie-Öko aussah habe ich dann auch in Meiner Zelle getroffen. Schön, musste ich sie nicht extra anrufen....


    @Esme: ja...ziemlich genau so lief das bei uns auch oft ab.
    ...aber natürlich habe ich Verständnis für unsere "Ordnungshüter"....

    Wer keine Fehler macht tut zu wenig!
    ================================
    "Mit dem Gehirn denkt man, dass man denkt. Außerdem wird es für die Kopfschmerzen gebraucht. Es sitzt im Kopf direkt hinter der Nase. Wenn man niest, tropft es. Das Gehirn ist ein sehr empfindliches Organ. Die meisten Leute benutzen es deshalb nur ganz selten!" - Schüler, vierte Klasse

  • Esmeralda
    Mad Maid
    Beiträge
    8.866
    • 31. Januar 2017 um 18:17
    • #1.320
    Zitat von Narannia

    Na, wie warst du denn unterwegs?

    Eigentlich recht friedlich. Nur ein wenig bunt im Haar. :)

    Zitat von Narannia

    Da ging es nicht um den Schutz von irgendjemanden, sondern da war der Auftrag wohl wirklich, euch da raus zu ekeln, euch zu provozieren, damit Festnahmen oder eine Schließung gerechtfertigt werden können.

    Mir ging es auch gerade nicht um Schutz oder nicht, sondern darum, dass es durchaus dazu kommt, dass die Polizei einfach nur auf das Aussehen von Leuten reagiert. Und das mir da das Verständnis schon ein bisschen abgeht.
    Das Verhalten der Polizei in Köln halte ich für eine krasse Überreaktion, weil ein "Silvester 2016" auf jeden Fall auch nur in Ansätzen verhindert werden sollte. Ob bewusst oder nicht wurde hier ein Generalverdacht gegen dunkelhäutige Männer ausgesprochen und durch gesetzt. Ich verstehe im Prinzip, wie es dazu kommen konnte, hätte mir aber gewünscht, dass Staatsanwaltschaft und Polizei hier etwas mehr Fingerspitzengefühl gezeigt hätten.

    Zitat von Narannia

    Ich glaub', ich bin viel zu brav und naiv aufgewachsen ...

    Oh, Sweet Summerchild! :D

    I've come to the point in my life where I need a stronger word than "FUCK".

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