Was lest ihr gerade oder wollt ihr lesen?

  • Aktuell habe ich noch einige Bücher auf meinen Stapel, aber demnächst möchte ich mich eigentlich gerne mal wieder an eine Fantasy-Reihe wagen. Zur Auswahl stünden


    Brandon Sanderson - Misborn-Reihe
    Tad Williams - Osten Ard Saga
    Robert Jordan - Rad der Zeit
    Robin Hobb - Weitseher-Trilogie


    Gibt es da von euch vielleicht die ein oder andere Entscheidungshilfe? :D Beim "Rad der Zeit" schreckt mich ja noch die schiere Menge ab, allerdings sollte man das wohl als Fantasy-Freund wohl durchaus mal gelesen haben :hmm:

    "Dann geh. Es gibt andere Welten als diese."

  • Das Rad der Zeit fand ich ziemlich schlecht und habe nach dem zweiten oder dritten englischen Band aufgehört.
    Die anderen drei Optionen haben mir alle gut gefallen.
    Bei der Mistborn Reihe mochte ich das ungewöhnliche settig, die Atmosphäre und das Magiesystem.
    Osten Ard besticht meiner Meinung nach durch schöne, realistische Charakterzeichnung und mit die interessanteste Darstellung von Elfen.
    Weitseher war ein hervorragendes Rundumpaket.

    "Tigris doofitis ordinaris"
    "Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten."
    "Der Strike ist dem Räumfehler sein Tod..."

  • Also RdZ hat durchaus sehr viele Stärken. Mir gefällt die Welt dort schon sehr gut. Ein schönes und kulturreiches Land mit einer interessanten Gechichte.
    Aber es hat auch ziemlich heftige Schwächen.
    Neben der extremen Deteilverliebtheit von RJ, die sich leider auch in vielen sich wiederholenden Nebencharakterbeschreibungen und ätzend langen Diskusionsumfeldbeschreibungen zeigt und dadurch die Seitenzahlen zu sehr aufbläht zerfasert er die Geschichte einfach zu sehr in wenig sinnvolle Nebenhandlungen.


    Insgesamt ist es besser als vieles andere da draussen, aber eben weit unter dem Niveau der Grundlage dieses Forums.

    There are but two types of people in the world:
    1. Those who can extrapolate from incomplete data!

  • Tad Williams - Osten Ard Saga
    Robert Jordan - Rad der Zeit
    Robin Hobb - Weitseher-Trilogie


    Ich mag alle drei Reihen.
    Robert Jordan verrennt sich zwischendurch ein bißchen. Aber das ist alles andere als langweilig. Beim Rad der Zeit kannst du dann auch gleich Barndon Sanderson kennenlernen, weil er Jordans Zyklus nach dessen Tod vollendet hat.
    Tad Williams Osten Ard gehört mit zum besten, das ich im Fantasybereich je gelesen habe, und wird aktuell gerade fortgesetzt. Martin hat sogar gesagt, ohne Osten Ard hätte 'Das Lied von Eis und Feuer' nie gegeben.
    Bei Robin Hobb war mir die Hauptfigur Fitz gleich von Anfang an sympathisch.

    Für mich ist gerade das, was den Menschen so ungeheuer kostbar macht, seine schöpferische Fähigkeit, das heißt, daß aus jedem Menschen eine ganz neue Welt hervorgehen kann. (M.E.)

  • Vielen Dank für eure Eindrücke. Hmm...ich denke "Rad der Zeit" schiebe ich dann wohl noch etwas weiter vor mir her. Ich tendiere aktuell stark zu Osten Ard.

    "Dann geh. Es gibt andere Welten als diese."

  • Wenn ich mit asoiaf fertig bin und allem was es sonst noch in dieser Welt gibt, möchte ich Die Feuerreiter Seiner Majestät von Naomi Novik weiterlesen und mit Ken Folett anfangen. Jetzt lese ich gerade A Clash of Kings

  • Ich habe heute mit dem letzten Teil von Harris Cicero-Trilogie angefangen. Die ersten Teile haben mir auf ihre Weise gut gefallen,da muss ich die Reihe natürlich abschließen.

    It`s not easy to be a birdplane.


    Ich muss meine Reaktionen haben dürfen!

  • HappyTime: Diese Trilogie hat mir auch sehr gut gefallen, da ich die Beschreibungen des politischen Manövrierens und Intrigierens mochte. Am besten fand ich die Zeit als Konsul und auf dem Weg zur Wahl zum Konsul. Vom dritten Buch hat mir der zweite Teil besser gefallen, ich glaube vor allem, weil Cicero da


    @Beren Stark: Ich habe auch oft das Gefühl, dass ich nicht so viel Neues/Interessantes zu einem Buch zu sagen habe. Aber sowohl zur Selbstreflektion, als auch für andere, die das Buch noch gar nicht kennen (und bei denen die Rezension also vielleicht Interesse weckt), lohnt es sich dann finde ich schon, was zu schreiben, auch wenn es nur die eigenen Eindrücke sind und diese weder besonders tiefgehend noch besonders ungewöhnlich o.ä. sind.


    Übrigens habe ich mir mal die Leseprobe von Maskenhandlungen geholt. Denn du schreibst ja, dass dieses technisch gut ist und gute Charaktere hat, dich der Inhalt aber nicht interessiert. Was jemand interessiert ist so sehr geschmacksabhängig, dass mir das als Empfehlung erst mal ausreicht ;)


    Mein letztes Buch:


    James A. Corey - Leviathan Wakes
    Der erste Roman der Expanse-Reihe (mittlerweile auch als Serie verfilmt) ist zweigeteilt in eine "Space Opera" und einen Noir-Krimi. Am besten gefallen hat mir dabei das Setting: Das Buch spielt in der (mittel)nahen Zukunft, d.h. es gibt Raumschiffe, die kurz unter Lichtgeschwindigkeit schaffen, dementsprechend hat die Menschheit unser Sonnensystem einigermaßen erschlossen, mehr aber eben nicht - also nichts mit riesigen Sternenreichen, sondern deutlich näher an unserer Realität und gerade dadurch interessant. In unserem Sonnensystem gibt es dann noch interessante politische und gesellschaftliche Zusammenhänge und Konflikte. Da erwarte ich mir vom Rest der Reihe auch noch ein bißchen was, denn irgendwo habe ich gelesen, dass der zweite Teil näher an einem Politikthriller ist. Auch gefallen, aber mit Abstrichen hat mir der Plot - es fängt an mit verschiedenen undurchsichtigen Ereignissen, auf deren Spur man zusammen mit den jeweiligen POV- und Hauptcharakteren Miller (Krimi) und Holden (Space Opera) ist. Dabei gibt es auch den ein oder anderen Semi-Twist - nichts wirklich überraschendes, aber manches ist nicht ganz so, wie man zunächst gedacht hat. Wahnsinnig innovativ oder weltbewegend sind die einzelnen Versatzstücke des Plots nicht, aber zumindest die Kombination ist originell.
    Weniger gefallen haben mir leider die Charaktere - Miller hat mir eine Zeit lang noch sehr gut gefallen - er ist


    Leider fand ich später nicht mehr so glaubwürdig,


    Holden wiederum ist ein sehr moralischer Mensch, der zudem überzeugt ist, dass es moralisch richtig ist, wenn jeder alle (oder viele) Informationen hat, und der auch strikt nach dieser Prämisse handelt. Leider wird diese Eigenschaft für mein Gefühl auch etwas übertrieben dargestellt,


    Es gab noch ein, zwei relevante Nebencharaktere, aber hauptsächlich geht es um diese beiden.
    Ansonsten war das Buch durchaus spannend und die Action-Sequenzen (am Boden oder im Raum) waren gut beschrieben. Kann man als kurzweilige Lektüre durchaus weiterempfehlen, aber begeistert war ich wegen der oben erwähnten Schwächen eher nicht. Trotzdem freue ich mich auf den nächsten Teil, vor allem eben, da ich das Setting mag. 3/5.

    Einmal editiert, zuletzt von Tolotos ()

  • Interessant...deine Meinung zum Buch spiegelt meine Wahrnehmung von der Serie ziemlich genau wider. Habe die schlechte Charakterzeichnung und so eher auf die Drehbuchautoren geschoben, aber offenbar hat man die Schwächen schon aus dem Buch übernommen. Das Setting und das politische Ränkespiel fand ich hingegen auch in der Serie hervorragend.

    "Dann geh. Es gibt andere Welten als diese."

  • Ich kann die Schwächen bei der charakterzeichnung nicht nachempfinden. Für mich ist die Expanse-Reihe ein prima Rundum-Paket.

    "Tigris doofitis ordinaris"
    "Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten."
    "Der Strike ist dem Räumfehler sein Tod..."

  • @Tolotos
    Dass Sembten, mir nicht wirklich gefallen hat (ich habe im eigentlichen Beitrag so von ihm geschrieben, als würde er immer noch schreiben, dabei ist Malte S. Sembten auch schon wieder tot - ebenfalls ein 2016er ...) würde ich rückblickend vornehmlich darauf schieben:

    Zitat

    Wenn ich es mir überlege, komme ich zu dem Schluss, dass ich überhaupt nicht sagen könnte, worauf die einzelnen Geschichten den Fokus legen.


    woraus dann dies folgt:

    Zitat

    Sembtens Horror fehlt irgendwie der entscheidende Sense of Wonder, das Essentielle, was mich solche Geschichten mit einer dunklen Faszination lesen lässt.


    Sembten wird u. a. für seine Anpassungsfähigkeit gelobt, welche unterschiedlichen Ideen er alle verwendete. Ich glaube das ist mein großes Problem damit. Ich brauche natürlich Abwechslung, gerade bei so einer Anthologie, aber i-wie schien mir Sembten kein größeres Interesse für seine Themen zu hegen. Ich finde gerade Horrorstorys brauchen eine starke Thematik, die den Text unablässig heimsucht, wie -Verzeihung für den platten Vergleich- ein Gespenst ein Spukschloss. Und das fehlt diesen Geschichten, wie ich finde.

  • Kristin Ganzwohl - Geliebter Mörder
    In diesem Buch schreibt eine Journalistin über ihren Umgang damit, dass ihr Freund ihr erzählt, dass er fünfzehn Jahre vorher einen Mord begangen hat. Schlimmer noch, er hat seine damalige Freundin umgebracht. Etwas überraschend fand ich, dass die Antwort, wie man auf so ein Geständnis von fast jedem (der Autorin und den meisten Freunden mit denen sie darüber redet) gleich ausfällt - man sollte auf jeden Fall versuchen, die Beziehung weiterzuführen. Interessant an dem Buch ist natürlich vor allem von der Reaktion (durch tatsächliche Taten oder nur wie sie sich danach fühlt und was sie denkt) der Autorin zu lesen. Weniger prickelnd ist, dass ein Teil des Buches auch von "0815"-Problemen eingenommen wird, und man daher das Gefühl hat, dass es weniger zu erzählen gibt, als in das Buch passt. Auch störend fand ich, dass die Kapitel nicht gut aufeinander abgestimmt sind. Oft hat man den Eindruck, sie wären unabhängig voneinander geschrieben worden und später hätte niemand richtig drübergelesen... Oder das ist Absicht und man soll sie auch nicht-chronologisch lesen können? Mich hat es jedenfalls gestört. Und der Inhalt war wie gesagt nur teilweise interessant, teilweise langweilig und teilweise hat er sich wiederholt... 2/5

    James A. Corey - Caliban's War

    Der zweite Teil der Expanse-Reihe hat mir ein gutes Stück besser gefallen als der erste. Das liegt wahrscheinlich teils an den neuen Charakteren - Neben Holden, mit ich immer noch nicht ganz warm werde, gibt es jetzt POV von einer Soldatin vom Mars, einem Botaniker von Ganymede und einer hochrangigen Politikerin von der Erde. Die mittleren haben mir gut, Avasarala (die Politikerin) sehr gut gefallen. Andererseits liegt es wahrscheinlich auch an der Schwerpunktsetzung, denn die politische Komponente (die vorher eher im Hintergrund vorkam) wird durch die neuen Charaktere auch deutlich stärker beleuchet - ich lese sehr gerne über politisches Intrigieren und das rückte hier mehr in den Mittelpunkt - zwar nicht allzu komplex von der Anzahl der Akteure her, aber immerhin interessant in der Ausführung. Immer noch gemocht habe ich das Setting und das man oft den Eindruck hat, dass dabei auch alltägliche Kleinigkeiten bedacht werden. Weniger gut gefallen hat mir diesmal der Plot, vor allem weil er ziemlich nah am ersten Buch war:


    Auch etwas gestört hat mich die Kleinigkeit, dass


    Ich habe mich insgesamt gut unterhalten gefühlt. 4/5

  • Ich habe nun alle Thursday Next Büchern durchgelesen, die es auf deutsch gibt.
    Mein Enthusiasmus ließ gerade beim letzten Buch leicht nach, obwohl ich die Kreativität und den Sprachstil immer noch sehr mochte. Es lag glaub ich daran, dass



    Dennoch uneingeschränkte Leseempfehlung für die Reihe, die macht wirklich gute Laune!

  • Ich lese gerade den 3. Teil der Rivers of London Reihe von Ben Aaronovitch. Sehr unterhaltsam und mit dem schönen britischen Insel-Zynismus und eignet sich super zum Lesen in den Öffis.

  • Darell Huff - How to Lie with Statistics
    In diesem Buch aus den 50ern geht es darum, einige typische Arten, mit Statistiken Informationen zu verfälschen, darzustellen, und zu erklären, warum die entsprechenden Methoden unseriös sind. Dabei merkt man dem Buch seine Entstehenszeit vor allem natürlich in den Beispielen an. Der eigentliche Inhalt bleibt auch heute aktuell, und ist auch gut dargestellt, beschäftigt sich aber vor allem mit den absoluten Grundlagen (nicht-representative Stichprobe, Regression to the Mean, grafische Tricks zur Aufbereitung, Median vs. arithmethisches Mittel, Korrelation vs. Kausalität). Wenn man sich also halbwegs mit dem Thema auskennt, wird man nur Bekanntes wiederholen, wenn nicht ist es sicher nützlich, dass alles mal zu lernen. Geht bestimmt auch mit neueren Büchern zum gleichen Thema auf gleichem Level, aber geht auch hiermit gut. 3/5


    Victoria Schwartz - Wie meine Internet-Liebe zum Albtraum wurde: Das Phänomen Realfakes
    Die Autorin beschäftigt sich damit, wie sie auf einen sogenannten Realfake (von ihr erfundener Begriff) reinfiel - damit beschreibt sie Fake-Identitäten im Internet, die im Gegensatz zu Scammern und vergleichbaren Betrügern nicht auf direkte finanzielle Vorteile aus sind, sondern ohne materielle Bereicherungsabsicht über ihre Identität lügen. Dabei beschreibt sie in zwei Dritteln des Buches ihren eigenen Fall und beschäftigt sich am Ende noch allgemein mit dem Thema. Ihre spezielle Fallgeschichte fand ich dabei sehr interessant zu lesen. "Liest sich wie ein Krimi" vom Klappentext ist etwas übertrieben, aber spannend zu lesen war es schon. Vor allem, weil man die "Masche" nicht direkt durchschaut, da das Ganze einerseits sehr komplex aufgebaut ist, und andererseits eben kein direktes Motiv erkennbar ist (welches aber natürlich auch am Ende im Dunkeln bleibt, da es nicht genau bzw. mit Sicherheit zu ermitteln war). Der zweite Teil ist leider deutlich weniger gut, weil ich dort gefühlt nichts neues las. Die Sachen, die ich nicht schon vor Lektüre des Buchs wusste, hätte ich auch aus dem ersten Teil rauslesen bzw. zumindest vermuten können. Einzig ein, zwei statistische Angaben (immerhin gut 200 andere Opfer haben sich bei der Autorin gemeldet) sowie drei andere Fälle ganz am Ende fand ich dort noch interessant. Insgesamt lande ich bei 3/5, wäre der zweite Teil besser gewesen, wäre ich vielleicht sogar noch etwas höher gegangen.


  • T. C. Boyle - The Inner Circle
    The Inner Circle ist ein fiktiver biographischer Roman über einen (demnach erfundenen) Mitarbeiter von Kinsey (von der Kinsey-Studie), John Milk. Dieser erzählt von seinem Leben als Sex-Forscher, vom Wirken von Kinsey als Wissenschaftler und Chef und von seiner Ehe und dem Einfluß seiner Arbeit darauf. Wie immer bei Boyle ist das Buch sehr gut geschrieben, mir war der Inhalt aber letztlich zu belanglos, vor allem weil ich mit den Personen nicht genug anfangen konnte - Es geht deutlich eher um die Beziehung der einzelnen Personen zueinander und um die Auswirkungen der Forschungsarbeit darauf als um die Forschung selbst. Das hätte mich sicher mehr interessiert, wenn mich die Personen mehr interessiert hätten... So bleibe ich bei 3/5.

    James A. Corey - Abbadon's Gate
    Im dritten Teil der Expanse-Reihe geht es um das mysteriöse Tor, dass sich mittlerweile am Rande des Sonnensystems gebildet hat und wie die Menschheit bzw. die verschiedenen Fraktionen darauf reagieren. Dabei ist wie immer Holden ein POV-Charakter, die anderen sind Bull, ein Miliär vom OPA, Anna, eine Predigerin von der Erde und Melba [man erfährt das, was im Spoiler steht sehr schnell, ich glaube im ersten entsprechenden Kapitel, aber vielleicht will ja jemand gar nichts über die Person vor dem Lesen wissen]


    Von den neuen Personen hat mir Melba nicht so gut gefallen, da ich


    Die anderen beiden fand ich interessant, auch wenn es manchmal ein bißchen zu viel (aber trotzdem nicht sehr viel) über den "spirituellen Effekt" der außerirdischen Technologie ging, was ich weniger interessant fand. Spannender waren die verschienden ethischen Fragestellungen, die aufgeworfen, aber (zurecht) nicht eindeutig beantwortet wurden.
    Ansonsten gab es wie immer starke Actionszenen und das Ende hat mir gut gefallen. Nachteil für mich ist, dass der Fokus weg von der Politik aus Band 2 hin zum einem eher lokaleren Rahmen der Haupthandlung ging.
    Bleibt unterhaltsam, ich werde die Reihe weiterlesen, vor allem da es möglicherweise gerade jetzt interessant wird. 3/5

    Andreas Föhr - Eisenberg
    Ein klassischer Krimi um eine ermordete Studentin mit einer Rechtsanwältin in der Hauptrolle. Spannend war das Buch durchaus, der Schreibstil hat mir leider nicht so gefallen, wirkte etwas einfach. Dafür mochte ich, dass Platz für Gerichtsverhandlungen war und die auch einigermaßen realitätsnah wirkten (soweit man das als Laie beurteilen kann). Weniger realitätsnah wirkten leider die Methoden, die die Anwältin benutzt, etwa


    sowie das doch sehr überzogene Ende. Auch hier gebe ich eine 3/5, aber definitiv am unteren Ende und eher dafür, dass ich mich immer noch unterhalten gefühlt habe.


    Agatha Christie - The ABC Murders
    Ich habe das irgendwann als Kind schon einmal gelesen, habe mich aber kaum daran erinnert. "The ABC Murders" ist Christies Ausflug zu einem Serienmörder. Natürlich


    Negativ fand ich außerdem, dass durch die verschiedenen Morde, mit nicht zusammenhängendem Umfeld keine richtige Ermittlungsstimmung aufkam - man kann schlecht Beziehungen der vielen Involvierten interessant aufdröseln, wenn man das

    machen müsste... Also definitiv einer der schlechteren Poirots. 3/5


    Außerdem habe ich in letzter Zeit auch ein bißchen was gehört:


    Marc-Uwe Kling - Das Känguruh-Manifest
    Als Hörbuch tatsächlich deutlich lustiger denn als gedruckte Version. Einerseits wirken manche Sachen einfach besser auf die Art, wie sie ausgesprochen werden (z.B. Razupaltuff, vieles von Herta), andererseits bauen sich im Laufe des Buches auch einige "Insider" auf, also Sachen, die vor allem dadurch lustig werden, dass sie wieder aufgegriffen werden - und das eben nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich. Daher kamen diese bei mir in der Hörbuchversion deutlich besser an. Trotzdem würde ich es noch nicht als brillanten Humor bezeichnen, aber ich habe mich diesmal durchaus sehr gut amüsiert gefühlt. 3/5


    Juli Zeh - Unterleuten
    Unterleuten ist ein Roman, in dem es im Wesentlichen um die Beziehungen einiger Menschen in einem kleinen brandenburgischen Dorf geht. Einige sind auswärtig, andere schon ewig ansässig. Manche sind nah am Klischee in ihrer Anlage, aber alle sind ausgearbeitet genug, dass sie dennoch interessant sind. Im Dorf soll ein Windpark gebaut werden, und es bilden sich Fraktionen dafür und dagegen. Das einzig interessante ist aber nicht die Handlung an sich, sondern eben die Beziehungsgeflechte; die Spielchen, die die Leute bewußt oder unbewußt miteinader spielen (ob in einer Beziehung, als Nachbarn, als alte Bekannte, als Leute, die sich gerade kennengelernt haben), die (fast immer? --> s.u.) psychologisch durchdachten Reaktionen der ausführlich beschriebenen Personen und für mich vor allem das Spiel mit der Wahrheit, dass automatisch entsteht, wenn man eine solche Geschichte aus mehreren Blickwinkeln erzählt - kann ich das jetzt genau so glauben, wie es erzählt wird - Nein, das ist ja sicher gefärbt. Aber wie war es wirklich?
    Faszinierend ist auch, wie es die Autorin schafft, einem auch die Charaktere in ihren Kapiteln manchmal sympathisch, mindestens aber nachvollziehbar zu machen, die man vorher eindeutig als furchtbare Menschen identifiziert hat. Gut möglich, dass man bei kurzem objektivem Nachdenken wieder zum Schluß "furchtbarer Mensch" kommt, aber das ändert eben nicht das Gefühl beim Lesen des anderen Blickwinkels. Leichten Abzug höchstens dafür, dass ich


    Die oben angesprochene Tatsache, dass einige der Charaktere sehr stereotyp in der Anlage (nicht aber im Detail!) sind, führt außerdem dazu, dass einiges an Kritik an gewissen "Typen von Menschen" vorkommt, außerdem kommt auch Kritik an unserer Gesellschaft allgemein vor - sowohl durch die Worte einiger Charaktere (aber sollte man die unterschreiben?) als auch durch ihre Handlungen (weil sie wiederum selbst kritikwürdiges mache).
    Insgesamt ein sehr gutes Buch. 4/5

  • Bezüglich dem Känguruh-Manifest:

    Zitat

    Als Hörbuch tatsächlich deutlich lustiger denn als gedruckte Version. [..]


    Das bestätigt mich darin, kein Verlangen nach dem Erwerben der Druckversion zu haben, danke!


    Zitat

    Trotzdem würde ich es noch nicht als brillanten Humor bezeichnen, aber ich habe mich diesmal durchaus sehr gut amüsiert gefühlt. 3/5


    Dies teile ich ebenso. Ich mochte inbesondere das "Manifest" sehr gern, fand es auch deutlich stärker als den ersten Teil, aber es ist trotzdem etwas überbewertet. Brillant ist der Humor sicherlich nicht. Die vielen literarischen Verweise von Kling finde ich immer etwas zu dick aufgetragen, ich hatte oft das Gefühl, er wolle seine durchaus beachtliche Bildung auf diesem Weg unbedingt unter Beweis stellen.


    Bezüglich Unterleuten:
    Auch hier hast du den Roman genauso gelesen wie ich, was mich freut, denn in der Literaturkritik (mit Ausnahme von Denis Scheck, der fast immer positiv aus dem Kulturbetrieb heraussticht) hat Unterleuten irgendwie den Ruf eines reinen Unterhaltungsromans und als Solchen hab ich ihn überhaupt nicht gefunden, ganz im Gegenteil, die extreme Ausdifferenzierung der Sichtweisen, die permanenten Missverständnisse durch mangelnde Kommunikation, Rechthaberei und fehlender Reflexionsfähigkeit haben mir sehr gut gefallen.
    Und auch ich fand das Ende (nicht nur im von dir angesprochenen Punkt im Spoiler) etwas "too much". Nach einem derart realistischen Roman, hätte ich mir auch definitiv ein realistischeres Ende gewünscht.

  • Zur Zeit lese ich gerade den 10. (und letzten?) Teil der West Saxons Chronicles. "Flame Bearer".


    Uthred willendlich nach Hause, sprich nach all den Jahren die Bebbanburg zurück haben. Da, wie aufmerksame Leser wissen, der sagenhafte sächsische Gründer der Bebbanburg Jahrhunderte davor namens Idda eben diesen Titel, "Flammenträger", trug, gehe ich mal davon aus, diesmal hauts hin. Immerhin versucht der gute Uthred jetzt schon seit 50 Jahren da wieder hin zu kommen und der Enkel von Alfred dem Großen ist auch schon erwachsen ...


    Wie üblich bemüht sich Cornwell ein realistisches Bild des Frühmittelalters zu machen, wie üblich kriegt die Kirche ihr Fett ab, und Selbstironie ist wie üblich auch im Spiel. Aber schön langsam könnte auch einmal Schluss mit der Reihe sein.

    [b] Sorry, no dragons in Winterfell!


    Hodor I. Targaryen wählte nach seiner Inthronisierung das neue Motto seines Hauses aus: "Hodor"!

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