Was lest ihr gerade oder wollt ihr lesen?

  • Sieht fein aus. Vielleicht schlag ich da noch schnell zu, eine richtige Nacherzählung der Völsunga-Saga hätte ich gerne, allein dafür würde es sich lohnen.
    Mir kam nur eben die Lesereihenfolge bekamnt vor. ;)
    Lewins Nacherzählungen sind aber auch nett, obgleich ich ihr niemals verzeihen werde, dass sie bei Dietrich von Bern die Rabenschlacht in einem Satz zusammengefasst hat. Das ist das dramatischste, größte Ereignis der gesamten Sage, da hätte sie auch gleich noch den Untergang der Nibelungen rauswerfen können ...

    Was meinst du mit in einem Satz zusammengefasst? Nur die Schlacht selbst oder auch alles was dazu gehört? Bei mir gibt es ein 7-seitiges Unterkapitel namens "Die Rabenschlacht". Ich hab das jetzt kurz überflogen und auch wenn einiges darin geschieht, wird die eigentliche Schlacht selbst auch in einem Satz beschrieben: "Als dann der Kampf begann, tobte er zuerst lange Zeit unentschieden, bis es Dietrich schließlich doch gelang, den Widerstand von Ermenrichs Scharen zu brechen." Nach dem Satz wird noch beschrieben, wie Ermenrich mit Sibeche flieht, aber von Eckewart eingeholt wird und so weiter, aber die eigentliche Schlacht ist da schon vorbei.

    Augenblicke später hatten tausend Stimmen den Ruf aufgenommen. König Joffrey und König Robb und König Stannis waren vergessen, nur König Brot herrschte noch. "Brot", brüllten die Menschen, "Brot, Brot!" (DSdsL, S.188)

  • Unpräzise, stimmt. In der einen Nacherzählung, die ich noch habe, wird da allgemein ein bisschen mehr eingegangen. Ich zähle da eben auch die ganzen anderen Sachen zu, wie z. B. auch Wittichs Ende zu, nicht nur die großen Kampfhandlungen.
    Bei Lewin, wie ich gerade sehe, kommt die Schlacht gar nicht vor. Sie lässt Etzel nur sagen, dass er ihn mit seinem Heer bei der Rückeroberung unterstützen wird. Dazu kommt es aber nicht, weil Baum, und Dietrich dient Etzel einfach dreißig Jahre lang als Überkrieger. Die Ereignisse des Nibelungenliedes, bei denen er eine Rolle spielt, werden nochmal umrissen, und schließlich stirbt Ermanerich mal eben. Sibbich hat nicht die Skills, sein riesiges Reich zusammenzuhalten, so dass Dietrich ungehindert heimkehren kann.


    Zum Glück hab ich besagte, viel schönere, Nacherzählung noch. Ich glaub', die lese ich demnächst sogar mal wieder. :love:

  • Da bin ich ehrlicherweise ein klein wenig überfragt. In meiner Genzmer-Übersetzung ist die Völsunga-Saga nicht wirklich bei, nur die diversen Sigurd-Lieder.

  • penelope: Ich habe noch nie davon gehört, aber es hört sich sehr interessant an. Bin gespannt auf weitere Zwischenberichte von dir.


    Ja, komisch, dass es so unbekannt ist, obwohl sie selbst sogar meinte, dies sei ihr wichtigstes Werk. Aber weder als sie den Nobelpreis bekam, noch als sie starb ist mir das bewusst untergekommen.
    Ich finde das Buch nach wie vor spannend, obwohl es schon sehr sehr moralisierend ist. Europa wird nicht gerade in einem guten Licht dargestellt.
    Eine Stelle fand ich grade auch sehr aktuell, weil da an dem Tag auch mehrere Meldungen in der Presse waren, ob und wie man gegen Fakenews vorgehen wolle. Da heißt es an einer Stelle, bei der es gerade um jugendliche linke Terroristen geht. "Er gehörte zu der Generation - oder dem Teil einer Generation -, die in einer Zeitung nichts anderes sehen konnte als ein Forum für Lügen, alle Nachrichten- und Dokumentationssendungen im Fernsehen automatisch übersetzte in das, was wahrscheinlich die Wahrheit war, sich ständig selbst daran erinnerte, wie ein Gläubiger an die Ränke des Teufels, dass das, was der Welt oder Nation als Information über ein Ereignis verfüttert wurde, per definitionem zum geringsten Teil echte Information war, die wusste, dass nirgendwo auf der Welt jemals der Bevölkerung eines Landes die Wahrheit gesagt wurde."
    Hui, das klingt ja wie in den Kommentarspalten bei FB über irgendeine Neuigkeit, dass Putin irgendwas böses gemacht hat. Oder ein Flüchtling eine gute Tat. :D
    Und sie schreibt etwas schachtelig, aber ich bin ja grade Th Mann erprobt.

  • @Beren Stark @Koenig_Brot Ich hätte eine Frage.
    Erzählen die Lieder über Sigurd in der Älteren Edda die komplette Völsunga-Saga oder wird da auch was ausgelassen?

    Ich weiß es auch nicht. Da das mein erstes Buch darüber ist und ich bisher kein großes Grundwissen darüber habe, weiß ich auch nicht was fehlen könnte. Ich schreib dir mal alle Kapitelüberschriften auf, aus den drei Abschnitten im Buch, wo es um die Hauptfiguren der Völsunga saga geht, vielleicht hilft dir das weiter:
    Die alte Sage von den Nibelungen: 1. Die Wölsunge; 2. Sigmunds Tod; 3. Sigurds Geburt und Jugend-Der Drachenkampf; 4. Brünhilds Erweckung; 5. Gudrun; 6. Die Werbung um Brünhild; 7. Der Streit zwischen Brünhild und Gudrun; 8. Sigurds Tod; 9. Der Untergang der Giukunge
    Der Nibelunge Not: 1. Sigfrid und Kriemhild; 2. Brünhild; 3. Die Doppelhochzeit zu Worms; 4. Der Streit der Königinnen; 5. Sigfrids Tod; 6. Etzels Werbung; 7. Die Einladung; 8. Der Zug der Burgunden in Etzels Reich; 9. An Etzels Hof; 10. Verrat und Rachekampf; 11. Rüdegers Tod; 12. Das Ende
    Gudrun: 1. Hagen; 2. Hetel und Hilde; 2. Hetel und Hilde; 3. Die Schlacht zwischen Hagen und Hetel; 4. Gudruns Entführung; 5. Die Schlacht auf dem Wülpensande; 6. Gudrun in der Normandie; 7. Die Befreiung

    Augenblicke später hatten tausend Stimmen den Ruf aufgenommen. König Joffrey und König Robb und König Stannis waren vergessen, nur König Brot herrschte noch. "Brot", brüllten die Menschen, "Brot, Brot!" (DSdsL, S.188)

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  • Zitat

    Gudrun: 1. Hagen; 2. Hetel und Hilde; 2. Hetel und Hilde; 3. Die Schlacht zwischen Hagen und Hetel; 4. Gudruns Entführung; 5. Die Schlacht auf dem Wülpensande; 6. Gundrun in der Normandie; 7. Die Befreiung

    Die Gudrunsage hat allerdings nichts mit den Wölsungen oder den Nibelungen zu tun. Sie ist zwar vielleicht als konträrer Entwurf zum Nibelungen-Lied gedichtet worden, aber so wirklich hat'se mit dem anderen Stoff, wie gesagt, nichts am Helm. ;)

  • Die Gudrunsage hat allerdings nichts mit den Wölsungen oder den Nibelungen zu tun. Sie ist zwar vielleicht als konträrer Entwurf zum Nibelungen-Lied gedichtet worden, aber so wirklich hat'se mit dem anderen Stoff, wie gesagt, nichts am Helm. ;)

    Wie gesagt, fehlendes Grundwissen ;) . Ich hab mich einfach nur an den Charakteren orientiert, die laut Wikipedia die Hauptfiguren der Völsunga-saga sind.

    Augenblicke später hatten tausend Stimmen den Ruf aufgenommen. König Joffrey und König Robb und König Stannis waren vergessen, nur König Brot herrschte noch. "Brot", brüllten die Menschen, "Brot, Brot!" (DSdsL, S.188)

  • Julian Baggini - The Duck that Won the Lottery - 100 New Experiments for the Armchair Philosopher
    Gleich vorneweg - der Titel, unter dem ich das Buch gekauft habe, ist grob irreführend. Ich hatte vorher vom gleichen Autor 'The Pig that Wants to be Eaten - 100 Experiments for the Armchair Philosopher" gelesen (in diesem Fall passte der Titel perfekt, denn es ging um verschiedene (Gedanken-)Experimente für philosophisch interessierte Laien. Anscheinend fand der Verlag, dass es publikumswirksam ist, an diesen Titel anzuknüpfen, denn anders kann man sich das Ganze absolut nicht erklären. Mehr als die "100" stimmt im Untertitel definitiv nicht.
    Dabei wurde das Buch früher durchaus unter einem passenden Titel vermarktet: 'The Duck that Won the Lottery and 99 other Bad Arguments'. Genau darum geht es in dem Buch: Schlechte Argumente zu benennen, zu kategorisieren und über das damit verbundene Thema zu reflektieren. Dazu pickt sich der Autor jeweils ein Zitat aus dem Zeitgeschehen heraus (mal aus einem Interview, einem Buch, einer Rede o.ä.) und illustriert beispielhaft, warum ein bestimmtes Argument keines ist oder aber (weg vom philosphischen, hin zum rhetorischen), wie ein gewisser sprachlicher Trick funktioniert. Diese Auseinandersetzung ist sehr interessant, lehrreich, teilweise auch amüsant geschrieben (aber nur wenn es angemessen ist) und es wird stets (mir sind nur zwei kleine Lapsi aufgefallen) sehr schlüssig und stringent argumentiert. Was das Buch dann aber (für mich) wirklich herausragend macht ist, dass am Ende des jeweiligen Kapitels noch eine Einordnung des bisher geschriebenen folgt - wann oder warum ist es vielleicht doch ok, mit Autoritäten zu argumentieren oder mit Tradition? Diese Schlusskapitel sind absichtlich offen geschrieben und regen tatsächlich zum Reflektieren des entsprechenden Themas und der eigenen Haltung dazu an.
    Insgesamt fand ich das Buch dementsprechend herausragend, sehr gute 5/5 Punkten von mir. Man sollte aber dazu sagen, dass man es nicht "am Stück" lesen, sondern eher in Abschnitten konsumieren sollte (sonst fehlt die Zeit zum Reflektieren, und sogar wenn einem das ohnehin zu mühselig ist, verschwimmen die gelesenen Inhalte und man wird dem Thema vielleicht auch irgendwann überdrüssig). Außerdem noch einen kleinen Verbesserungsvorschlag: Die oben erwähnten Zitate sind leider nicht immer Zitate, die dann auch "an sich" kritisiert werden. Manchmal braucht man mehr Kontext und manchmal sind sie nur Ausgangspunkt für Argumente anderer Leute (teilweise gegen diese Zitate), die dann kritisiert werden. Das ist etwas schade, denn würde immer (meistens ist es so, aber eben bei weitem nicht immer) das entsprechende Zitat kritisiert werden, so hätte es mir sehr viel Spaß gemacht (das habe ich am Anfang versucht) nur anhand der Überschrift den genauen Denkfehler im entsprechenden Zitat zu finden. Das funktioniert auf die Art wie es geschrieben ist, leider zu selten (und dann ist es oft trivial), als dass es Spaß macht...


    Wie meistens lese ich parallel auch noch einen Roman. Da werde ich noch ein bißchen mit beschäftigt sein, aber ich kann jetzt schon einmal eine ganz klare Empfehlung für Diamond Age von Neal Stephenson aussprechen. Genaueres, wenn ich durch bin.

  • Was ich zuletzt gelesen haben:



    Neal Stephenson - Diamond Age
    Im Science-Fiction-Roman Diamond Age geht es hauptsächlich darum, wie eine Welt mit funktionierender Nanotechnologie aussehen würde, sekundär, wie man Kinder mit einer KI erziehen könnte und tertiär um ganz viele andere Sachen.
    Die riesige Stärke liegt dabei im Weltenbau, der sehr glaubwürdig und durchdacht wirkt und einem nicht aufgezwungen, sondern im Vorbeigehen mitgeteilt wird. Was für eine Auswirkung die von ihm erdachten Technologien auf unsere Gesellschaft hätten wird komplex in den verschiedensten Ausprägungen bedacht und ausgeführt. Auch sehr schön ist der Plot mit Nell um die titelgebende (im englischen) Fibel, eine Art K.I., die sie erzieht. Was diese K.I. kann, wie sie es macht, und die Verbindung zum restlichen Plot - das alles ist sehr interessant. Die Hauptcharaktere selbst sind nicht die Interessantesten, aber jedenfalls sympathisch. Sehr gut war auch sowohl der Stil (wobei ich nur zur Übersetzung was sagen kann, da ich einem alten Post von Hank gelesen habe, dass Stephenson auf Englisch wirklich schwer ist) als auch die Tatsache, dass man nie unterschätzt wird, sondern immer mitdenken muss.
    Leider geriet der Plot in der zweiten Hälfte für mich etwas aus den Fugen -


    Im ersten Teil des Buchs war ich überzeugt, dass ich 'Diamond Age' als herausragend einschätzen würde. Durch meine Probleme mit dem Plot in der zweiten Hälfte bleibt es bei einer sehr guten 4/5 für einen Weltenbau, Ideen, einen Schreibstil und eine erste Hälfte, die ich absolut überragend fand.


    Chesley B. Sullenberger - The Highest Duty
    Dabei handelt es sich um die Autobiographie von Sullenberger, kurz Sully, der der Pilot des Flugzeugs ist, das vor ein paar Jahren sicher im Hudson River landete. Ich habe sie gelesen, weil ich nach dem Anschauen des entsprechenden Films ("Sully"), der angeblich darauf beruht, wissen wollte, wie es aus Sicht von Sully selbst lief. Wissen sollte man dabei (was ich zum Glück wusste), dass nur ein kleiner Teil (vielleicht ein Viertel) vom bekannten Flug handelt, der Rest sonstiges Leben und auch seine Einstellung zum Leben, zur Pflich etc. darstellt. Dabei erhält man ganz nette Einblicke ins Leben eines Piloten, sowohl bei der Air Force, als auch bei einer Airline, einen Einblick in eine vernünftige Perspektive aufs Leben, die aber sicher nicht sonderlich innovativ sind. Sehr geärgert (aber nicht am Buch, sondern nach der Lektüre am Film) hat mich, dass die im Film dargestellte Untersuchungskomission über die Schuld von Sully, die im Film den Hauptantrieb der Handlung darstellt, dort anscheinend völlig übertrieben dargestellt wird. In seiner Autobiographie sieht es eher so aus, als wäre diese nur eine Routineuntersuchung gewesen, ohne ernsthafte Vorwürfe, wie es im Film rübergebracht wird (daher schreibe ich oben auch, dass der Film nur angeblich auf der Autobiographie basiert).
    Das Buch selbst war ganz nett, aber mehr eben auch nicht. 3/5

    Agatha Christie - Death in the Clouds

    Wie schon mal dargelegt, bewerte ich Romane von Agatha Christie immer hauptsächlich nach dem Ende, da ich den Rest eh top finde. Hier ist das Ende zwar prinzipiell schön, da passend zu allen Indizien und vor allem auch selbst erschließbar (alles wird transparent erwähnt). Allerdings ist es einerseits sehr nahe am Ende von


    und andererseits meine ich einen kleinen Logikfehler gefunden zu haben:


    Wenn jemand von euch eine bessere Erklärung hat oder ich etwas falsch verstanden habe, sagt es mir gerne - würde mich interessieren!
    Wegen diesen Problemen gebe ich dann nur ein 3/5, habe mich aber trotzdem gut unterhalten gefühlt.

  • Etwas, das ich schon länger einmal anpacken wollte, ist endlich gelesen. Die Neuauflage von Elric von Melniboné beim Mantikore Verlag konnte ich mir nun wirklich nicht entgehen lassen. Michael Moorcocks Albino-Prinzen mit dem schwarzen Schwert wollte ich immer schon einmal kennenlernen, da ist das fette Bomusmaterial nur noch ein Sahnehäupchen obendrauf. Aber immerhin ein recht fettes eben. Neben anderem Elric-Material und diverse Artikeln aus der Feder Moorcocks ist diese Ausgabe mit absurd vielen Vorwörtern ausgestattet, die teilweise ebenfalls von Moorcock selbst stammen.
    Alan Moores ist jedoch eines, wie es sich für solche Bücher gehört. Selbst ein großes Lesevergnügen veranschaulicht es, was die Figur des Elric ausmacht. Michael Moorcock arbeitete immer gern mit Symbolismus. So scheint "Elric, dekadent, halluzinierend, und fiebrig, dessen Held (sic.) mit Alabasterhaut, der mit seinem heulenden, parasitischen Schwert seine Kämpfe vor einem paranoischen Hintergrund austrug, der andere fantastische Umgebungen träge und anämisch aussehen ließ" den Geist der Zeit wiederzuspiegeln, in der er konzipiert wurde, und dieser ihren eigenen Archetypen zu geben. Wie auch immer, Elric scheint doch von Anfang an mehr als ein purer Anti-Conan zu gewesen zu sein. Und obschon sich dieser Begriff natürlich auch problemlos auf das Original Robert E. Howards anwenden lässt, muss man dabei, wie John Clute in seiner Einführung in Moorcocks Multiversum anmerkt, eher an die breibirnige Totschläger-Action-Figur denken, zu dem der Cimmerier in den unzähligen Pastiches verkommen ist. REH wird von Moorcock geschätzt, in dem Interview* am Ende des Buches nennt er ihn sogar als einen der bedeutendsten Einflüsse bezüglich der Elric-Saga.
    Moore spricht hier leider auch von den Kurzgeschichten und Novellen, aus denen die frühe, ursprünglichere Serie bestand. Es ist in der Kritik schon Kanon, dass Elric das tongebendste von seinem einzigartigen Appeal eingebüßt hat, je mehr der damaligen doch so reizvollen und anregenden Lücken Moorcock mit all den Bearbeitungen, Ergänzungen, Neuzusammenstellungen und der Integration in sein später entstandenes Multiversum gefüllt hat. Aber davon wollen wir uns mal nicht abhalten lassen, und los gehts! (Aber zumindest ich werde um die Stories, die Moore so eindrucksvoll beschreibt, natürlich nicht herumkommen ;) - dankenswerterweise ist in der Fantasy Masterworks Reihe ein Sammelband mit den frühen Geschichten erschienen).
    Der erzählende Teil beginnt mit einer Kurzgeschichte um den legendären früheren Träger von Elrics Schwert (nicht Sturmbringer, das namenlose Teil, dass er vorher hat), die etwas dürftig ist. Der Inhalt ist im Kontext interessant, der Stil jedoch ... bescheiden. Synonyme scheinen nicht so MMs Sache zu sein. Wo wir gerade dabei sind: Moorcock wird hin und wieder als einer der sprachlich besten Genre-Autoren bezeichnet. Dem möchte ich in abgewandelter Form zustimmen. Seine Prosa ist sicherlich nicht die schönste, wirklich nicht. Doch ist sie selbst bei ihrer Schwäche von einer beeindruckenden Intensität, die man gerade angesichts des objektiv nicht so dollen Stils umso bemerkenswerter finden kann. Der später im Band folgende Roman ist kein sprachliches Highlight, aber gut lesbar, auch wenn man beispielsweise so manche Wortwiederholung bei nur kurzer Durchsicht (man muss sich stets ins Gedächtnis rufen, dass die Sachen um den Ewigen Helden zu einem gesunden Teil Kommerzschreibe waren) leicht hätte vermeiden können. M. E. merkt man an einigen Stellen auch recht deutlich, dass Moorcock es eigentlich besser kann.
    Wie dem auch sei, nach der Kurzgeschichte kommt ein von Moorcock verfasstes Comic-Skript (dessen Umsetzung sich nach kurzer Google-Suche in meinen Augen als mit eine der hässlichsten Elric-Interpretationen entpuppte). "Elric: Making of a Sorcerer". Das liest sich vorallem zu Ende hin überraschend angenehm und spannend. Wir erhalten hier im Rahmen mehrer Traumepisoden, die Elric und sein neidender Vetter Yrkoon absolvieren müssen, um auszumachen, wer Elrics Vater Sadric als Imperator auf dem Rubinthron der Dracheninsel Melnibónes nachfolgen wird, einige hochinteressante Einblicke in die Geschichte von Elrics Welt. Diese lässt, wie Moore schon sagte, nicht nur den absoluten Großteil aller Sekundärwelten einfallsloser aussehen, als sie es so schon tuen, sie lässt mehr eine nicht unerhebliche Tiefe erkennen, wenn man mit Elric auf die Suche nach Tanelorn geht, ihn Arioch um Hilfe ersuchen sehen muss, von der Ordnung-Chaos-Dualität hört, und wenn einem klar wird, dass Melnibóne mit dem Übergang zum Imperialismus bereits höchstselbst seinen eigenen Untergang besiegelt hat. Elrics Welt ist eine düstere, doch das nicht ohne Grund, und sie hätte es auch nicht werden müssen. (Bzw. eventuell doch, aber das würde den Rahmen hier sprengen. :D )
    Auch die Entwicklung Elrics spielt hier eine große Rolle. Ist er zu Beginn so ein typischer, lebenslustiger, jugendbuchiger Fantasy-Held, mit seinem pösen Neider, seinem grauen Mentor, der wunderschönen Freundin und dem coolen besten Kumpel, wird er durch den aus den Träumen resultierenden Erkenntnisgewinn schließlich zu der nachdenklichen, traurigen Gestalt, die man eigentlich kennt. Das Geniale ist, dass der Leser dabei parallel genau die selbe Entwicklung macht. Das hier ist mehr als eine Vorgeschichte und ausgezeichnetes Worldbuilding. Diese Geschichte ist wie ein Korridor, der immer dunkler und dunkler wird, bis man gar nichts mehr sieht, und nur weiß, dass sich irgendwo weiter vorn ein bodenloser Abgrund auftut. Great Stuff! Insofern ist es echt schade, dass ich den Zeichnungen so absolut gar nichts abgewinnen kann. Traurig dass Moorcock niemals einen kongenialen Roman draus gemacht hat, zu dem das Skript allemal das Zeug hätte.
    Und schließlich beginnt mit dem gleichnamigen Roman die eigentliche Geschichte von Elric von Melnibóne. Hier möchte ich eigentlich nicht mehr viel verraten, oben habe ich ja schon mal direkter mal andeutender gespoilert. Der Roman mag eventuell nicht gut gealtert sein, und hat sicher einige stilistische und dramaturgische Schwächen, von den Charakteren sollte man überhaupt eher mythologische als psychologische Tiefe erwarten. Dennoch ist er vergnügliche Lektüre, ein Festmahl an Imagination, und sollte für jeden, der sich ernsthaft für Fantasy interessiert, nun ja, interessant sein.
    Wie gesagt, ich musste Elric einfach lesen. Michael Moorcock ist eine der tragenden Säulen der SFF und zweiffelos einer der wichtigsten postmodernen Fantasy-Autoren, wenn nicht der wichtigste. Seinen Einfluss bemerkt man deutlich. So ist z. B. Valyria mitsamt den Targaryen recht offentsichtlich von Melnibóne inspiriert. Altes Weltreich (lag Valyria nicht auch auf einer Insel?), Drachen als Kriegsmaschinen, Inzest-Ehen zwischen den Blaublütigen, der etwas albinistische Look der Valyrier dürfte wohl von Elric inspiriert sein. Ich glaube die Liste könnte man noch weiter fortführen.
    Ich für meinen Teil werde noch die Ausgabe mit der ursprünglichen Short Fiction auftreiben und Moorcock nun verstärkt als einen Autoren vermerken, den es noch genauer zu erforschen gibt. Bei all dem Geschmiere, der Mann hat große Ideen, durch genau die er heute da hingekommen sein mag, wo er nunmal ist. Literarisch wie finanziell (wenn ich mich recht erinnere hat er ein Haus in Paris und eines in Texas, schlecht kanns dem nicht gehen ...)


    *Dieses ist sonst alles in allem von Grund auf überflüssig und höchtens als kuriose Peinlichkeit erwähnenswert. Der Mitarbeiter, der es geführt hat, kann sich offensichtlich weder der Lektüre des Buches rühmen, das der Verlag, bei dem er arbeitet, hier übersetzt hat, noch scheint er zumindest einmal Tante Wikipedia bemüht zu haben.


    Edit: Eigentlich hätte ich auch noch gerne was zu Clark Ashton Smith geschrieben, aber das ist überraschend schwer. Ich kann ihn auf jeden Fall jedem, der Phantastischer Literatur irgendetwas abgewinnen kann, uneingeschränkt empfehlen, und verweise alternativ auf einen wunderbaren Artikel aus einer ebenfalls sehr empfehlenswerten Serie.
    http://www.zauberspiegel-onlin…chen-erzaehlungen-1926-35

    Einmal editiert, zuletzt von Beren Stark ()

  • Mal keine Fantasy - ich arbeite mich gerade durch diverse Krimireihen.
    Nach Arnaldur Indriðason und Arne Dahl habe ich noch mal die komplette Reihe von Faye Kellerman gelesen und bin jetzt bei ihrem Ehemann Jonathan Kellerman angekommen. Bei beiden kommt ein wenig Nostalgie auf, haben sie ihre Serien doch in 80er Jahren begonnen und die Protagonisten schlagen sich anfangs noch mit Schreibmaschine, zwölfendrölfzig Durchschlägen und ohne DNA Tests herum ^^
    Interessiert man sich ein bisschen für die jüdische Kultur und Religion und muss nicht ständig Blut und Gemetzel haben ist man mit Faye sehr gut bedient, Jonathan schlägt die härtere Gangart an. Interessant, dass er "damals" bereits einen schwulen zweiten Hauptcharakter hatte und dessen Problematik schwul und Polizist zu sein, sowie und auch den Umgang mit HIV und AIDS in den 80ern und 90ern einfließen lässt.


    Faye ist "leichter" zu lesen, bei Jonathan, dessen Hauptprotagonist (Kinder)Psychologe ist, wie er selbst auch, frage ich mich manchmal, wie gut der Durschschnittsleser der mit Psychologie und psychiatrischen Erkrankungen nix am Hut hat, sein ausschweifendes Fachchinesisch versteht.
    Da ich auch beruflich mit dem Thema zu tun habe, finde ich es interessant und spannend, stutze aber selbst auch bei verschiedenen Begriffen und lese zweimal .
    Witzig in dem Zusammenhang - in einem Interview gefragt, warum nur 1 Buch von ihm verfilmt worden sei (der Erstlingsroman, mit Ted Danson) antwortete er, dass er sich des häufigeren in Verhandlungen befunden hätte und dann Absagen erhalten hätte "seine Geschichten seien zu intellektuell"... :D

    Gruß, Beltane
    "See the path cut by the moon - for you to walk on"

  • Ach ja, durch Krimireihen schlage ich mich auch. Von Arnaldur Indriðason liegt auch noch ein Buch ungelesen herum. Ich habe aber gerade Hugh de Singleton für mich entdeckt. Der Autor Mel Starr ist ein amerikanischer Historiker, der sich auf die Geschichte Englands und ich glaube auch auf die Geschichte der Chirurgie spezialisiert hat. Die Geschichte spielt in den 60er Jahren des 14. Jahrhunderts, meist in dem Ort Bampton in der Nähe Oxfords. Hugh ist ein Chirurg, der in Oxford studiert und seine Studien dann in Paris beendet hat, von wo er neue Behandlungsmethoden mitbrachte. Damals konnte man sich als frischgebackener Chrirug noch in einem Gasthof einmieten und einfach ein Reklameschild aus dem Fenster hängen, was Hugh auch macht. So lernt er seinen Gönner und Arbeitgeber, Lord Gilbert Talbot kennen, denn dieser verletzt sich, und er muss ihn akut behandeln. So gelangt Hugh in die Dienste des Lords, und als auch noch dessen Burgvogt verstirbt, erhält er dessen Stelle. In dieser Funktion hat er mit Rätseln und Mordfällen zu tun. Ich finde, die Bücher gehen recht gemächlich voran. Manchmal wird beschrieben, wie Hugh mehrfach nachts in den Wald oder sonstwo hinschleicht, wartet, nichts passiert. Ich glaube, in einem anderen Roman hätte mich das total genervt, hier finde ich das aber zur Zeit, wo eben alles langsamer läuft, Reisen Tage und Wochen dauern, durchaus passend. Es ist eben kein Actionkrimi. Die Wendungen in den Kriminalfällen sind manchmal auch ungewöhnlich, nicht immer ist alles so, wie es scheint. Da Hugh auch immer wieder die Dorfbewohner behandeln muss, erfährt man einiges über die damaligen Behandlungsmethoden. Großes Erstaunen ruft z. B. bei Hugh hervor, dass jemand einen heftigen Schlag auf den rechten Kopf bekommt, aber dann links gelähmt ist. Zumindest am Anfang ist für Hugh auch ein Thema, dass er sich eine Frau wünscht und diese irgendwo auch zu finden hofft. So gar nicht standesgemäß verliebt er sich in die Schwester des Lords, aber natürlich wird das nichts, sie heiratet später zu seinem Leidwesen einen anderen Lord. Stand ist überhaupt ein Thema, und die verheerenden Folgen der Pest - verwaiste Landstriche und verwilderte Felder - werden mehrfach erwähnt. Wie bei jedem Mittelalterkrimi weiß ich nicht, ob das Mittelalter wirklich so war, aber ich amüsiere mich gut, fühle mich bei der Lektüre wohl, freue mich, mehr zu erfahren. Später heiratet Hugh, ob sich seine Frau noch zur typischen mittelalterkrimimäßigen Mary Sue entwickelt, weiß ich nicht, hoffe das aber nicht. Hugh selbst scheint mir recht realistisch geschildert.

  • Hat hier jemand zufällig bereits die "The Long Earth"-Reihe von Terry Pratchett und Stephen Baxter gelesen? Ich mag beide Autoren recht gerne (auch wenn ich von Baxter bisher nur Multiversum und Zeitschriffe gelesen habe), kann mir aber irgendwie nicht so recht vorstellen, wie sie zusammenpassen. Interessant ist die Kollaboration allemal und die Story klingt eigentlich auch recht spannend.

    "Dann geh. Es gibt andere Welten als diese."

  • Andreas Edmüller/Thomas Wilhelm - Manipulationstechniken
    Typisches Bahnhofs-Buchladen-Mitbringsel. Beim Titel kann man noch hoffen, dass es darum geht, dass man lernt zu manipulieren, aber man lernt dann doch nur, Manipulationen abzuwehren (das wusste ich natürlich, bevor ich es gekauft habe).
    Das passiert auf eine solide Art, ist durchzogen von Wiederholungen (was zum Einprägen der Ratschläge vermutlich sinnvoll ist, für einen aufmerksamen Leser aber trotzdem ermüdend ist) und geht kaum in die Tiefe: Ich habe eigentlich nichts darin gelesen was ich nicht schon wusste. Zusätzlich sind im Übungsteil am Ende (in dem man Manipulationen erkennen und bennennen soll) m.E. einige (wenige) Lösungen unvollständig (es kommen manchmal Dinge vor, die nicht besprochen wurden oder umgekehrt). Auch der Versuch Manipulation zu definieren als "bewusster oder unbewusster Einsatz unfairer Verhaltensweisen" ist für mich nicht schlüssig. Wenn ich jemand offen vor Leuten erschieße, weil ich sein Erbe will (und weiß oder hoffe dass ich damit durchkomme oder doof bin und es trotzdem mache), dann ist das Erschießen "bewußter Einsatz einer unfairen Verhaltensweise", aber die wenigsten würden das Erschießen selbst als Manipulation begreifen (das Beeinflußen von Zeugen oder der Justiz später vielleicht schon). Irgendwie muss in so eine Definition noch rein, dass man zumindest die Intention hat, dass das entsprechende Verhalten zumindest von einigen nicht bemerkt oder zumindest nicht richtig eingeordnet wird. Vielleicht muss auch noch mehr rein, über eine vollständige Definition will ich mir gerade keine Gedanken machen.
    Alles in Allem war das Buch für mich etwas enttäuschend, aber im großen und ganzen (trotz meiner inhaltlichen Kritik oben) durchaus ordentlich und richtig, nur eben oberflächlich. Von mir 2/5, anderen könnte es durchaus ein wenig mehr bringen.


    Dave Eggers - The Circle
    In diesem Roman geht es um eine nahe Zukunft, in der der fiktive Konzern "The Circle" die Rolle eines Monstrums spielt, das Google/Facebook & Co vermischt und weiterentwickelt. Das Thema finde ich sehr interessant, leider konnte der Inhalt da absolut nicht mithalten. Hauptgrund dafür ist die Protagonistin Mae, die für mich in keiner Weise, wie eine reale Person wirkte.


    Leider ist die Kritik an der Transparenz- No - Privacy - Kultur und anderen Dingen (zu viel Macht in einer Hand etwa) auch recht plump geraten. Es gibt eigentlich kaum eine Idee dazu im Buch, die nicht in einer beliebigen Forendiskussion zu dem Thema von jemand vorgeschlagen wird. Und die Kritik am Circle durch Mercer ist so schwach (er verwendet nur manchmal sinnvolle Argumente), dass ich mich da sogar gefragt habe, ob der Autor die Entwicklung jetzt wirklich anprangern will. Durch den Rest des Buches wird es aber klar.
    Auch das Ende ist allenfalls mäßig -


    Schließlich gibt es auch immer mal wieder schlampige Unglaubwürdigkeiten. Wer glaubt z.B. ernsthaft, dass man einer Firma wie The Circle die brandneue Idee "He - gebt doch Leuten Rabatte und Vorteile, wenn sie euch dafür eure Daten geben" nicht nur als neu verkaufen kann, sondern sogar als so brillant und schützenswert, dass man dafür eingestellt wird, dass man diese Idee hatte (um die Idee quasi aufzukaufen)?


    Was bleibt also? Ein interessantes Thema, eine ordentliche Schreibe (die aber in den Sex- und Romantikszenen auch eher furchtbar wird) und ein einzelner Dialog (allerdings recht lang), der mich durchaus zum Denken über das Thema angeregt hat (was optimalerweise das ganze Buch gemacht hätte).


    Fazit: Schwer enttäuschendes Buch mit hochinteressantem und -aktuellem Thema aber völlig absurder Protagonistin. 2/5


    P.S: Irgendwo habe ich gelesen, dass eine Möglichkeit, die schwache Persönlichkeit von Mae zu retten ist, sie gar nicht als Person sondern nur als Metapher auf eine insgesamt eher naive Menschheit zu lesen. Das ist mit Sicherheit wesentlich besser, als sie wirklich als Person zu verstehen. Ob das Buch mit dieser Lesart wirklich gut wird, ist aber im Nachhinein schwer zu sagen.

  • Ich bin gerade an der Lyonesse Trilogie von Jack Vance dran. Ich bin ein wenig enttäuscht. Der Stil erinnert doch eher an Sagen. Die Charaktere sind mir zu wenig herausgearbeitet. Aufhören mag ich aber gerade auch nicht mehr. Mal sehen, wie's noch wird ...

  • Der Stil erinnert doch eher an Sagen.

    Och, ich mag den Stil gerade seiner Barockheit wegen sehr. Trägt gerade bei Lyonesse maßgebend zur Authenzität und Atmosphäre bei.


    Zitat

    Die Charaktere sind mir zu wenig herausgearbeitet.

    Das ist allerdings tatsächlich ein Kritikpunkt, den man gelten lassen muss. Fügt sich m. M. n. nach aber auch in die Ästhetik der Trilogie (auch wenn mythisch-märchenhafte Fantasy gut ausgearbeitete Protagonisten natürlich nicht ausschließt, wie "Das geborstene Schwert" von Poul Anderson zeigt).


    Zitat

    Aufhören mag ich aber gerade auch nicht mehr. Mal sehen, wie's noch wird ...

    Dennoch viel Spaß noch. :)
    Dürfte ich wissen wie weit du schon bist?

  • Ich hab' früher eigentlich sehr sehr gerne Heldensagen gelesen. Da hat mich das auch nie gestört. Das "Barocke" dabei stört mich nicht mal. Mir fehlt da einfach die fehlende Tiefe der Charaktere. Die Figuren bleiben meistens doch recht blass. Und das finde ich schade. Geschehnisse werden häufig einfach nur berichtet.



    Dürfte ich wissen wie weit du schon bist?


    Aillas bei den Ska. Sie planen gerade die Flucht.

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