Kino

    This site uses cookies. By continuing to browse this site, you are agreeing to our use of cookies. More details

      The Eternals
      Trotz des (zumindest auf dem Papier) wirklich bombastischen Casts, ist das für mich einer der schwächsten Marvel-Filme die ich bisher sah. Das Problem ist, dass die Regisseurin offenbar damit gehadert hat, ob sie eine Charakterstudie oder einen Action-Film drehen soll. Viele Einstellungen suggerieren Charakterstudie, dafür sind aber dann die Figuren viel zu oberflächlich gezeichnet. Hingegen ist für einen Action-Film viel zu wenig Dampf im Kessel, der Bösewicht zu schwach und die Motivation der Figuren einfach nur meh... Bin im Kino tatsächlich irgendwo in der Mitte weggedöst um dann beim obligatorischen CGI-Finale wieder aufzuwachen.
      ich bin der singende, tanzende Abschaum der welt.

      New

      el_drogo wrote:


      Zu deiner Frage- aber auf jeden Fall(!!).
      Trotzdem kann ich mich dunkel daran erinnern, dass du mit Blade Runner 2049 nicht viel anfangen konntest... von daher bin ich jetzt wieder verunsichert, da sich dieser Film atmosphärisch, in Sachen Erzähltempo und musikalisch (extrem dröhnender Score) durchaus mit diesem vergleichen lässt, visuell ist Blade Runner allerdings deutlich bunter, von daher würde ich ihn von seinen Werken eher mit The Arrival vergleichen.
      Abseits davon- die von dir beschriebenen Umstände transportiert der Film bestenfalls mit Vorbehalten (und viel Fantasie) auf diese Weise. Gerade Lady Jessica wird meinem Empfinden nach als genauso bedeutend (und dazu noch deutlich vielschichtiger) dargestellt als Leto Atreides & Paul selbst. Sie ist aus meiner Sicht die Figur mit am meissten Identifikationspotential und meine emotionale Bindung war zu ihr am grössten.


      Du hast mit dem Vergleich mit Blade Runner absichtlich oder unabsichtlich ins Schwarze getroffen. Den fand ich zwar optisch und musikalisch anbetungswürdig, aber auf derart plumpe Weise misogyn, das ich damals das Kino verlassen habe. Es gibt genug kluge Artikel zum Thema, also möchte ich es nicht unbedingt auch nochmal ganz breittreten.
      In Kürze: Maegwins Rule besagt, dass der Regie-Mann entweder eine halbe Stunde auf blanke Titten draufhalten darf oder die Trägerin ermorden. Wenn er beides tut, ist nicht die beschriebene Welt kaka, sondern der Regie-Mann weil er die Objektifizierung und Entsorgung der Frau als Plot-Device 1:1 zu seinem Bösewicht nachvollzieht. Das kann durch eine kritische Rahmung durchbrochen werden, passiert aber vorliegend schlicht nicht. Stattdessen hat er im Interview kackdumme D&D-Ausreden geliefert. Ich habe dem Film folglich trotz echter Verliebtheit in Setting und Atmo nichts Gutes gewünscht und es bekommen.

      Der Dune-Plot ist nach heutigen ethischen Standarts aus meiner Sicht unerträglich und unerträglich dumm.

      Sex-Hexen, die männlichen Samen sammeln, um Schabernack damit zu treiben, entsprechen für mich einer Halluzination nach 20 Tagen Fastenkonvent im Priesterseminar anno 1300.
      Nachdem unsere westliche Welt emanzipatorisch sehr weit fortgeschritten ist, möchte ich mich bei einer absichtlichen Überspitzung am Beispiel Rassismus bedienen, weil ich denke, dass unsere Spinnensensoren da (zu Recht!) empfindlicher sind.
      Wenn Jessica eine Schwarze wäre, die die bloße Geliebte eines weißen Farmers bleibt, damit er sich Heiraten mit weißen Farmerfrauen in der Umgebung aus strategischen Gründen schön freihalten kann.. Und wenn diese Jessica ihr schwarzes Kind per Magic in ein weißes verwandeln würde, damit ihr Lover einen weißen Erben hat - und um einer schwarzen Magierlobby eins auszuwischen, käme niemand, nicht einmal der allerletzte Trottel darauf sie als besonders emanzpiert oder identifikationswürdig zu beschreiben. Besonders fragwürdig wäre es, wenn die Geschichte aus der Feder eines Weißen stammt, der ihr Verhalten idealisiert.

      Ich sehe in Jessica für mich kein Identifikationspotential und halte sie innerhalb ihrer eigenen Welt für dämlich. Wissenschaftlichen Schätzungen nach fehlen momentan auf Grund geschlechtsabhängigen Fetozids so um die 140 Millionen Frauen. Ausgerechnet diesen Mädchen-zu-männlichem-Helden-Plot aufzugießen halte ich entsprechend für überflüssig, falsch und zynisch.

      Ich glaube es deutet sich schon an, dass ich den Film nicht geguckt habe. :)
      Entsprechend hat deine Rezi wohl irgendwie das Gegenteil davon bewirkt, was sie ursprünglich sollte, aber ich bin für den gedanklichen Anstoß wirklich dankbar.

      Dafür aber The Last Duel gesehen mit dem ich (für mich) vollkommen unerwartet das emanzipatorische Gegenprogramm bekam. 8|
      Und der mir (trotz der Frisur) sehr gut gefallen hat.
      I have been despised by better men than you.

      New

      Maegwin wrote:

      Sex-Hexen, die männlichen Samen sammeln, um Schabernack damit zu treiben, entsprechen für mich einer Halluzination nach 20 Tagen Fastenkonvent im Priesterseminar anno 1300.
      Nachdem unsere westliche Welt emanzipatorisch sehr weit fortgeschritten ist, möchte ich mich bei einer absichtlichen Überspitzung am Beispiel Rassismus bedienen, weil ich denke, dass unsere Spinnensensoren da (zu Recht!) empfindlicher sind.
      Wenn Jessica eine Schwarze wäre, die die bloße Geliebte eines weißen Farmers bleibt, damit er sich Heiraten mit weißen Farmerfrauen in der Umgebung aus strategischen Gründen schön freihalten kann.. Und wenn diese Jessica ihr schwarzes Kind per Magic in ein weißes verwandeln würde, damit ihr Lover einen weißen Erben hat - und um einer schwarzen Magierlobby eins auszuwischen, käme niemand, nicht einmal der allerletzte Trottel darauf sie als besonders emanzpiert oder identifikationswürdig zu beschreiben. Besonders fragwürdig wäre es, wenn die Geschichte aus der Feder eines Weißen stammt, der ihr Verhalten idealisiert.

      Ich sehe in Jessica für mich kein Identifikationspotential und halte sie innerhalb ihrer eigenen Welt für dämlich. Wissenschaftlichen Schätzungen nach fehlen momentan auf Grund geschlechtsabhängigen Fetozids so um die 140 Millionen Frauen. Ausgerechnet diesen Mädchen-zu-männlichem-Helden-Plot aufzugießen halte ich entsprechend für überflüssig, falsch und zynisch.

      Dem kann man freilich nicht wirklich was entgegenhalten. Wenn die Geschichte gegen Maegwins Rules verstösst, dann ist das nun mal so und keiner wird dich dazu zwingen können etwas zu konsumieren, bei dem bereits die Zutaten Brechreiz auslösen. Letztendlich ist es ja nicht so als würde man eine lebensverändernde Erfahrung verpassen, wenn man den Film nicht gesehen hat. ;) Drogos ethische Standards sind halt nicht ganz so stringent, weshalb er sich von hübschen Verpackungen ganz mühelos über fragwürdige Inhalte hinweg blenden lässt, wie z.B. auch beim strukturellen Rassismus im Herrn der Ringe.
      ich bin der singende, tanzende Abschaum der welt.

      New

      ​wie z.B. auch beim strukturellen Rassismus im Herrn der Ringe.


      Damit habe ich mich mal for fun beschäftigt (bin weder arg pro noch contra HdR) aber abgesehen von den Zwergen sehe ich da tatsächlich keinen strukturellen Rassismus. Und auch die fallen teilweise unter "benevolent racism".
      Bahn frei also für HdR. Wenn du ganz sicher gehen willst, müsstest du dir bei den Zwergen halt die Augen zuhalten oder so. :)
      I have been despised by better men than you.
    • Users Online 3

      3 Guests