Kino

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      @Maegwin

      Danke für die ehrlichen Eindrücke.
      Ich würde die Umsetzung insgesamt etwas besser bewerten. Gerade die Dialoge und schauspielerischen Leistungen haben mir wirklich gut gefallen.
      Die Darstellung sexualisierter Gewalt fand ich nicht drastischer bwz. expliziter als das was z.B. in ASoIaF/GoT gezeigt wird. Ich meine, The Nightingale steht auf der Ebene der erzählerischen Struktur durchaus in der Tradition von Rape and Revenge - Klassikern wie I Spit on your Grave oder Irreversible. Der entscheidende Unterschied ist, dass Jennifer Kent bewußt auf eine erotisierende Darstellung des Körpers des Opfers verzichtet hat.
      Die Landschaftsaufnahmen haben mir natürlich auch sehr gut gefallen. Hier würde ich aber auch einen Kritikpunkt gelten lassen, der oft gegenüber Western, Gothic Fiction( insofern sie außereuropäische, kulturelle Kontexte berüht), aber auch vielen fiktiven Stoffen mit explizit anti- oder postkolonialer Ausrichtung geäußert wird: Indem der fremde, dämonische Charakter einer Landschaft verwendet wird, um das seelische Innenleben einer weißen Protagonistin zu illustrieren, wird eine koloniale Perspektive fortgeschrieben, die als ideologische Legitimationsgrundlage für Gewaltakte dient.

      Abschließend noch ein neuer Trailer:

      Die Perfect Blue/Black Swan - Vibes am Anfang gefallen mir sehr gut. Das Ende war leider etwas cheesy
      “I: You’re a communist then. S: Let’s say I’m old enough not to be dazzled by Ayn Rand.”

      Kameron Hurley, The Light Brigade
      ​Ich meine, The Nightingale steht auf der Ebene der erzählerischen Struktur durchaus in der Tradition von Rape and Revenge - Klassikern wie I Spit on your Grave oder Irreversible.


      Die gelten meiner Kenntnis nach beide eigentlich bereits als Dekonstruktionen des Genres (zumindest gemäß Selbsterklärung der Regis), nicht als deren Klassiker.
      Rape and Revenge - Zwischen Frauenverachtung & feministischer Stärke (moviepilot.de)

      Aber sei´s drum, du Armer möchtest hier ja nur deine Kino-Eindrücke teilen. Ich wollte dich wirklich nicht in irgendeine Art nicht ganz einfacher Meta-Diskussion hineinziehen.
      Dankeschön für die Erinnerung an den Green Knight jedenfalls, ich dachte schon ihn verpasst zu haben und war nun doch ein bisschen baff, dass es noch gar nicht so weit ist. Seufz.
      I have been despised by better men than you.

      Maegwin wrote:

      Ich wollte dich wirklich nicht in irgendeine Art nicht ganz einfacher Meta-Diskussion hineinziehen.


      Keine Sorge, diesen Eindruck hast du wirklich nicht erweckt. Lass mich mal spasseshalber auf dein Geschreibe eingehen: Warum sollten Werke, die erfolgreich Genres denkonstruieren und somit zugleich neu definieren, was innerhalb dieser Genres möglich ist, eigentlich nicht zu Klassikern avancieren? Dein verlinkter Text versucht doch nur Bedingungen herauszuarbeiten, unter denen es möglich ist, Rape and Revenge - Filmen einen feministischen Spin zu geben. I Spit on Your Grave wird im diesem Sinne vom Text nicht als totale Negation des Genres präsentiert, sondern als ein
      ebenso schwer erträglicher wie interessanter Höhepunkt des Subgenres
      [des Exploitationfilms]
      Der Befund,
      Dabei lassen sich die expliziten Grausamkeiten, die sie den Männern
      schließlich zufügt und die von minutenlanger Erdrosselung bis hin zur
      Kastration in der Badewanne reichen, wiederum nur auf fragwürdige Weise einer emanzipatorischen Ermächtigung zuordnen.
      Letztendlich ködert Jennifer, die sich während ihres Racheakts
      überwiegend verführerisch präsentiert, die Männer mit genau den Reizen,
      an denen sich die Vergewaltiger zuvor in abartigster Manier vergriffen
      haben.
      , ist gut in Einklang zu bringen, mit dem was geschrieben hatte:
      Der entscheidende Unterschied ist, dass Jennifer Kent bewußt auf eine erotisierende Darstellung des Körpers des Opfers verzichtet hat.

      Bei Irreversible tue ich mich wirklich schwer, eine progressive Ausrichtung zu erkennen. Rein handwerklich ist er sehr gut gemacht. Ich halte es jedoch für keine besondere Leistung, ein durch und durch heteronormatives Genre wie den Rape and Revenge - Film, mit ausgelutschten homophoben Klischees anzureichern und dieses pseudotiefsinnige Schicksalsgeraune finde ich auch eher nervig.
      “I: You’re a communist then. S: Let’s say I’m old enough not to be dazzled by Ayn Rand.”

      Kameron Hurley, The Light Brigade
      ​Keine Sorge, diesen Eindruck hast du wirklich nicht erweckt.


      Ich habe sehr große Sorge, weil ich auf dieser Seite des Computers ständig spaßige, selbstironische und leichte Diskussionen führe während meine "Gesprächspartner" auf der anderen Seite des Computers sich sichtlich von einem großen, beilbewaffneten Monster verfolgt werden, therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen müssen oder generell Schweißausbrüche erleiden, wenn sie die Farbe Purpur sehen.

      Lass mich mal spasseshalber auf dein Geschreibe eingehen: Warum sollten Werke, die erfolgreich Genres denkonstruieren und somit zugleich neu definieren, was innerhalb dieser Genres möglich ist, eigentlich nicht zu Klassikern avancieren?


      Ich meine, The Nightingale steht auf der Ebene der erzählerischen Struktur durchaus in der Tradition von Rape and Revenge - Klassikern


      Also guuuut, spaßeshalber.


      Zunächst mal:
      Um überhaupt eine Tradition begründen und Klassiker hervorbringen zu können, muss eine Erscheinung aus meiner Sicht nicht lediglich eine Abfolge von Ereignissen sein sondern irgendeinen mehr oder weniger bedeutsamen kulturellen Mehrwert (nicht nur Einfluss sondern tatsächlich: Mehrwert) haben. Originär war Rape & Revenge entsprechend der "Tradition" des Toilettengangs nach einer Mahlzeit oder der "Tradition" des Kloschüsselschmusens nach zu viel Tequila gleichzusetzen. Ich erspare uns beiden an dieser Stelle die Analogie des zugehörigen "Klassikers".

      Um als Klassiker zu gelten, soll eine Erscheinung nach allgemeinen Maßstäben "mustergültig" und "wegweisend" sein. Sofern man den Filmen "wegweisend" zugestehen möchte, ist eine Dekonstruktion das Gegenteil von "mustergültig", weil sie schließlich gerade mit dem Muster bricht. Und nach ihrem Erscheinen folgten nicht genug Filme in der gleichen Tradition, als dass man ihnen diese Mustergültigkeit für die Zukunft zusprechen könnte.

      Dein verlinkter Text versucht doch nur Bedingungen herauszuarbeiten, unter denen es möglich ist, Rape and Revenge - Filmen einen feministischen Spin zu geben.


      Ich bezog mich hierbei eher auf die zitierten Interviews als die Bewertung des Artikels. Empathieerzeugend (wieder: unter der Prämisse, das man das dem Film zugesteht) ist aus meiner Sicht das denkbar entfernteste Gegenteil von exploitativ/voyeuristisch.

      Die Darstellung sexualisierter Gewalt fand ich nicht drastischer bwz. expliziter als das was z.B. in ASoIaF/GoT gezeigt wird.


      Game of Tittis ist aus meiner Sicht wirklich kein gutes Beispiel, die Serie hat doch gerade für Exploitation jahrelang Dreck gefressen. Ich musste schmunzeln, weil die Shame-Nonne offensichtlich nur deshalb nicht vom Berg vergewaltigt wurde, weil D&D schon für Sansa zu viel Duftregen gefangen hatten.

      ASoIaF/GoT


      Nein, neinnein tu das nicht. Bitte vergleich die Serie dabei nicht mit dem Buch. Nicht wo ich es sehen kann. This way madness lies.


      Bei Irreversible tue ich mich wirklich schwer, eine progressive Ausrichtung zu erkennen. Rein handwerklich ist er sehr gut gemacht. Ich halte es jedoch für keine besondere Leistung, ein durch und durch heteronormatives Genre wie den Rape and Revenge - Film, mit ausgelutschten homophoben Klischees anzureichern und dieses pseudotiefsinnige Schicksalsgeraune finde ich auch eher nervig.


      Es ist zu lange her, als dass ich den Film seriöserweise derart konkret besprechen könnte.
      I have been despised by better men than you.
      Black Widow
      1. Kinobesuch seit einem Jahr oder so. Aus meiner Sicht ein gelungener Action-Film der stark an die M:I und Bourne - Filme erinnert. ScarJo und Florence Pugh funktionieren ganz wunderbar zusammen, obwohl ich da zunächst meine Zweifel hatte. Jedenfalls hat mich überrascht dass sich der Film wirklich genug Zeit nimmt um das ganze Schwester/Familien - Beziehungsgeflecht vernünftig zu etablieren. Es gibt sehr viele ruhige Momente die mal lustig, mal traurig und mal einfach ganz herzerwärmend unspektakulär und natürlich daherkommen, so wie sich Familie eben auch im RL manchmal über vollkommen belangloses Zeug unterhält. Dabei hat die meissten Lacher sicherlich David Harbour auf seiner Seite, der als Pendant zu Captain Amerika herrlich frisch und selbstironisch gezeichnet ist.
      Was ich noch toll fand ist dass man sich (bis auf den marveltypischen CGI-Overkill im Finale) auch die Mühe gemacht hat an vielen realen Orten zu drehen statt vor dem Green Screen und auch einiges an handgemachter Action aufgeboten wird. Die teils richtig coolen Kampfchoreogrpahien und Moves wurden jedoch aus meiner Sicht zu wackelig und unübersichtlich zusammengschnitten. Verstehe nicht ganz warum man hier das Ergebnis aus zweifellos wochenlang einstudierten Bewegungsabläufen so im Schnittgewitter untergehen lässt, aber dieses Phänomen trifft ja leider generell auf fast alle Marvel-Filme zu.
      Alles in Allem denke ich kriegt der Konsument das was er bestellt hat. Jedenfalls ein würdiger "Solo"-Auftritt für Black Widow, die wir ja leider in kommenden Filmen wohl nicht mehr sehen werden. Trotzdem wäre ich einigermassen erfreut, wenn Florence Pugh ihren Platz einnehmen dürfte. Für mich befindet sich der Film im vorderen Drittel der MCU-Reihe, müsste ich eine Wertung in Punkten abgeben, wären es wohl 7.5 oder so.
      ich bin der singende, tanzende Abschaum der welt.

      el_drogo wrote:

      Black Widow


      Den wollte ich aufgrund der guten Kritiken und der vielgelobten Familiendynamik auch sehen, bei mir in der Stadt sind aber nur die Ketten ansässig, die Black Widow boykottieren.

      Dafür habe ich paar Angehörige zusammengetrommelt und verkündet, dass wir Kinos mit Geld füttern müssen, solange es noch geht. Erst hat mein Vater uns auf Godzilla vs Kong eingeladen, dann habe ich mit meinem allerersten Gehalt Nobody ausgegeben.

      Godzilla vs Kong hat genau das geboten, was ich erwartet hatte. Ich hatte den Vorgänger, Godzilla II: King of the Monsters, nicht gesehen, konnte aber der simplen Handlung dennoch folgen. Die kann man in 2 Stränge unterteilen:
      1. Der langweilige Strang mit menschlichen Charakteren, die alle ebenso langweilig sind. Außer einem Trio, das so nervtötend ist, dass es mehr für Wut als für Langeweile sorgt.
      2. Der Strang mit den Monstern. Godzilla, King Kong und ein taubstummes Mädchen namens Jia sind die einzigen Charaktere im Film, die nicht dumm und nervig sind. Sie sind es auch, die eine emotionale Komponente einbringen, die auch funktioniert.
      Das ist natürlich auch der Teil der Handlung mit der Action. Und die funktioniert nicht nur, sie bietet die epischsten Kaiju Kämpfe, die ich je sehen durfte. Wuchtig, mit paar kreativen Einfällen, ohne Marthas. Jedes Aufeinandertreffen von Monstern macht die vorangegangene Plörre von Handlung und Charakteren wieder gut.
      Das war ein richtiges Kinoerlebnis.

      Nobody hat mich leicht enttäuscht. Der Film ist von den Machern von John Wick geschrieben und produziert, von dem Regisseur von Hardcore Henry inszeniert und der Filmposter zitiert einen Poster von John Wick 2, so dass ich mit der Erwartung rein gegangen bin, einen innovativen Actionfilm mit Verweisen auf die John Wick Filme zu sehen.
      Verweise ist untertrieben. Die ganze Handlung ist ein Zitat von dem ersten John Wick.
      Innovativ ist übertrieben. Es gibt kreative Einfälle, die aber nicht so viel Zeit zum Wirken bekommen wie bei Papa Wick. Die Action von Nobody ist nämlich etwas schneller, mit der Kamera näher an den Darstellern und mit höherer Schnittfrequenz. Statt durchchoreographierten Szenen gibt es oft Montagen mit fetziger Musik. Das macht Spaß, mit schnell meine ich auch kein unübersichtliches Schnittgewitter, aber das ist weder die Action von John Wick (Wie das Marketing vermuten lassen könnte), noch ist es was komplett Neues.
      Die Macher von John Wick setzen sich also hin, kopieren die Grundsteine der Handlung aus ihrem Hit, inszenieren etwas weniger aufwändige Kämpfe und locken dann mit Verweisen auf den Hit die Fans in die Kinos. Übermotiviert waren die wohl nicht.
      Das ändert aber nichts daran, dass Nobody ein unterhaltsamer Film ist.

      PS: In Nobody sprechen die bösen Russen richtiges Russisch! Das will ich noch unbedingt lobend erwähnen. Ich selber habe nur Grundkenntnisse in Russisch, in meinem Umfeld habe ich aber ständig fließendes Russisch mitbekommen, sodass ich mich in ernsten Momenten vor Lachen bepisse, wenn amerikanische Schauspieler "Russisch" sprechen. Diesmal konnten die allermeisten Darsteller von Russen die Sprache und sahen auch osteuropäisch aus. Der russische Regisseur hat wohl für Muttersprachler gesorgt.

      Post was edited 1 time, last by “Erbauer” ().

      The Green Knight (2021)

      Mein erster Kinobesuch in der Covid Ära. Insgesamt ein wirklich sehenswerter Film. Leider hatte er ein paar Längen. Ich habe wirklich nichts gegen eine langsame Erzählweise, aber hier wird doch sehr viel Geduld gefordert. Ich werde mir den Film bestimmt noch einmal auf DVD anschauen. Vermutlich ist er etwas packender, wenn mehr Hintergrundwissen vorhanden ist. The Lighthouse (2019) z.B. hat für mich in dieser Hinsicht besser funktioniert. Rein optisch ist der Film ein Meisterwerk. Sehr beeindruckend sind die Introsequenz und eine Vision zum Ende Films, aber auch die viele Details bei den Kostümen und Settings, die Kameraführung und die Farbgebung. Ich hoffe, dass zukünftige Filmproduktionen insbesondere im Fantasy Genre sich davon inspirieren lassen.

      eine unterhaltsame Besprechung des Films gibst es bei Double Toasted


      wer etwas mehr Hintergrund Kontext braucht, wird hier fündig
      “I: You’re a communist then. S: Let’s say I’m old enough not to be dazzled by Ayn Rand.”

      Kameron Hurley, The Light Brigade
      The Suicide Squad
      Er ist bunt, er ist laut, er ist heftig, aber allem voran ist der Film einfach absolut durchgeknallt. Dabei zeichnet er sich durch seine völlige Eigenständigkeit aus. Man muss nichts aus dem DC Universum kennen oder gesehen haben um The Suicide Squad zu geniesen (auch nicht den ersten Anlauf von 2016), auch wenn es sicherlich haufenweise Referenzen und Zitate für eingefleischte DC-Fans gibt.
      Wie gewohnt habe ich mich nicht durch Trailer oder von zu vielen Vorab-Infos beeinflussen lassen, ich wusste lediglich über das meisste vom Cast und Jimmy Gunn Bescheid. Die Handlung ist zwar so dünn, dass man sie in einem Satz wiedergeben kann, aber der Film ist bemerkenswerterweise trotzdem dazu in der Lage, immer wieder absolut unvorhersehbare Momente und Situationen zu kreieren. Das neuste Gunn-Werk strotzt nur so vor grotesken Einfällen und hält auch den ein oder anderen ausgestreckten Mittelfinger Richtung Disney/Marvel bereit. Ausserdem gefiel mir die Kamera extrem gut, speziell ein Shot blieb mir da in Erinnerung, wo eine Kampfszene komplett gespiegelt durch einen Helm eingefangen wird. Die Erzählweise ist generell abwechslungsreich und erinnert ein wenig an Tranatino und Zack Snyder. Die Tracklist ist absolut punktgenau.
      Das was alle anderen der neuen DC-Filme (abgesehen vom Phoenix- Joker) bisher lediglich versucht haben und dann im Ansatz gescheitert sind oder dabei zu kompletten Marvel-Plagiaten wurden, löst dieser Film nun endlich mit Bravour. Er ist frisch, er ist anders, er ist eigenständig und hat vielschichtige, ungewöhnliche Figuren. Es war mir ein Fest. Trash auf höchstem Niveau. Sehr schade, dass die Kreativität leider nicht an den Kinokassen belohnt zu werden scheint.
      ich bin der singende, tanzende Abschaum der welt.
      Bist du sicher, dass es an der Kreativität lag? Ich habe gerade deinen Post gelesen und verwirrt gedacht: Schon wieder? Immer noch?

      Es scheint recht viele Leute zu geben, denen es ähnlich geht. Weil es für einen Reboot doch arg früh ist. Oder ist es doch ein zweiter Teil? Aber mit Überschneidungen bei der Besetzung?

      Und da ich den "ersten" nicht so gut fand..

      Vielleicht hätte man sich mit einer größeren The Namensänderung einen Gefallen getan.
      I have been despised by better men than you.
      Ich kann schon gut nachvollziehen was du meinst. Ich fand den Titel und die Voraussetzungen auch ziemlich lanchhaft. Man kommt natürlich auch nicht drum herum ihn mit dem "Erstling" zu vergleichen.
      Nichtsdestotrotz- wenn man versucht sich das Ding einigermassen (ganz geht sicherlich nicht) unvoreingenommen anzuschauen merkt man schnell, dass der Film die Erstauflage weder verscheissert noch ignoriert, im Grunde könnte man den Film als Reboot oder Teil 2 bezeichnen und trotzdem wäre er vollkommen eigenständig.

      Aber es kann gut sein, dass er am zweifelhaften Ruf der 2016er Variante zehrt und deswegen an der Kino-Kasse eher bescheiden unterwegs ist, von daher gebe ich dir schon recht- beim Titel hätte man sich mit der Kreativität vermutlich noch etwas weiter aus dem Fenster lehnen können, da die "fade" Verpackung so den unzweifelhaft charmanten Inhalt verwässert.
      ich bin der singende, tanzende Abschaum der welt.

      el_drogo wrote:

      Trash auf höchstem Niveau.

      The Suicide Squad hat einen hohen Budget, fähige Schauspieler, unterhaltsame Dialoge, eine einigermaßen logische Handlung, gut gezeichnete Charaktere, nicht allzu tiefgründige, aber clever eingebaute satirische Momente und strotzt vor Kreativität, wie du schon sagtest.
      Inwiefern ist der Film Trash?

      el_drogo wrote:

      Aber es kann gut sein, dass er am zweifelhaften Ruf der 2016er Variante zehrt und deswegen an der Kino-Kasse eher bescheiden unterwegs ist, von daher gebe ich dir schon recht- beim Titel hätte man sich mit der Kreativität vermutlich noch etwas weiter aus dem Fenster lehnen können, da die "fade" Verpackung so den unzweifelhaft charmanten Inhalt verwässert.

      Ich hatte die News zur The Suicide Squad mitverfolgt und hatte eine gute Vorstellung davon, wie viel und was er mit dem 2016-er zu tun haben würde. Als ich aber einem Kumpel erzählt habe, wie sehr ich mich auf dem Film freue, sagte er nur: "Hä, der erste war doch scheiße". Völlig verständlich.
      Ob und wie das Marketing von The Suicide Squad versagt hat, ist mir aber auch egal. Warner Bros ist letztendlich ein Riesenkonzern und James Gunn ist mittlerweile ein Star des Superheldenfilms. Außerdem scheinen WB und DC sich von dem einheitlichen Filmuniversum zu verabschieden und mehr kreative Freiheiten zu gewähren. The Suicide Squad und erst recht Joker haben in ihrem Stil wenig mit dem restlichen DCEU zu tun. Außerdem hat DC keine bewährte Formel für ihre Filme, auf der sie pochen könnte, da kaum einer ihrer Filme gut ankam. Deswegen halte ich die Wahrscheinlichkeit dafür, dass wegen den bescheidenen Einnahmen von The Suicide Squad James Gunn seine weiteren Visionen nicht finanziert kriegt oder dass wieder zum Rückzug zum ursprünglichen Stil der DCEU geblasen wird, für gering.

      Was ich viel trauriger finde, ist dass The Green Knight keine Beachtung bekommen hat. Hätte mich aber auch gewundert, wenn ein derart unkonventioneller Film erfolgreich geworden wäre.
      High Fantasy im Kino und dass im Jahre 2021! Ich habe mich wie ein Kind auf diesen Film gefreut. Ein Kind war ich auch, als ich eine stark vereinfachte Version von "Sir Gawain und der Grüne Ritter" gelesen und mich in Artussagen verliebt habe. Jemals eine neue, hochwertige Verfilmung aus diesem Sagenkreis zu sehen hatte ich nicht erwartet.
      The Green Knight ist dialogarm und erzählt die Geschichte von Sir Gawain und dem Grünen Ritter mit Symbolen und surrealistischen Bildern. Ob wirklich jedes bedeutungsschwangeres Bild super tiefgründig ist, dass muss man im eigenen Interpretationsprozess herausfinden. Manches wirkte auf mich schön, aber inhaltsleer. Insgesamt schafft der Film aber, eine interessante Geschichte zu erzählen, die die Themen der Vorlage behandelt, aber durch stark abgewandelte Handlungsverläufe zu anderen Aussagen kommt. Das ist eine Art, an Adaptionen heranzugehen, die mir sehr gefällt.

      a.rogue.prince wrote:

      Leider hatte er ein paar Längen. Ich habe wirklich nichts gegen eine langsame Erzählweise, aber hier wird doch sehr viel Geduld gefordert.

      Eine Erzählung, die langsam aber sicher voran geht, finde ich schön. Hier gab es aber paar Szenen, die weder in dem Moment, noch retrospektiv zur Handlung oder Charakterentwicklung etwas beizutragen schienen.

      a.rogue.prince wrote:

      Rein optisch ist der Film ein Meisterwerk. Sehr beeindruckend sind die Introsequenz und eine Vision zum Ende Films, aber auch die viele Details bei den Kostümen und Settings, die Kameraführung und die Farbgebung.

      Bei der Introsequenz und besonders bei der Vision stimme ich dir zu, aber die Kostüme haben mich nicht beeindruckt. Die Ritter der Tafelrunde im langweiligen Einheitslook zu sehen war ziemlich enttäuschend, die Wachen des Königs hatten ihre Ausrüstung aus einem Spielzeugladen geklaut und Gawains Kleidung sah zu oft nach neuester Mode aus. Nicht dass die Verfilmung einer zeitlosen Sage sich im Kostümdesign auf eine Zeitepoche beschränken muss, aber wenn sonst alles nach Irgendwas-mit-Mittelalter aussieht, bricht sowas die Immersion.
      Interessant fand ich die Kostüme von Artus und Guinevere, gerade die Kronen sahen cool aus.
      Die Settings waren auf jeden fall stimmig, während du wahrscheinlich den Detailreichtum in den Innenräumen meintest, waren meine Highlights die Berge und Wälder. Einen Film mit Aufnahmen von schönen Landschaften vollzuklatschen klingt so einfach, aber von der erforderlichen richtigen Inszenierung abgesehen hat diese Entscheidung The Green Knight besonders gut getan, da die Natur auch ein Motiv in der Erzählung ist und die Landschaften die Reise Gawains erst recht episch machen.
      Bei der Kameraführung und der Farbgebung muss ich dir ebenfalls zustimmen. Vor allem wenn die Farbgebung nicht nur schön war, sondern auch als Erzählelement diente (Stichwort Grün).

      a.rogue.prince wrote:

      Ich hoffe, dass zukünftige Filmproduktionen insbesondere im Fantasy Genre sich davon inspirieren lassen.

      ich hoffe, es gibt zukünftige Filmproduktionen im Fantasy Genre.

      Erbauer wrote:

      The Suicide Squad hat einen hohen Budget, fähige Schauspieler, unterhaltsame Dialoge, eine einigermaßen logische Handlung, gut gezeichnete Charaktere, nicht allzu tiefgründige, aber clever eingebaute satirische Momente und strotzt vor Kreativität, wie du schon sagtest.
      Inwiefern ist der Film Trash?

      Das Attribut ist schon bewusst so gwählt (mit dem nicht unwichtigen Zusatz, "auf höchstem Niveau").
      Der Film beinhaltet zahllose trashige Elemente, angefangen beim vollkommen absurden Szenario, dass ein überdimensionaler einäugiger Seestern aus dem Weltraum kleine Seesterne versprüht, die Menschen "face-huggen" und dadurch zu willenlosen Zombies machen, ebenso wie die explizite und extrem überzeichnete Gewalt. Die Handlung ist weder besonders logisch noch sonst irgendwie ausgeklügelter als die eines X-beliebigen Sharknado-Films und entgegen deiner Einschätzung fand ich die Dialoge grösstenteils eher flach und die meissten Gags nicht wirklich lustig (was ich zunächst der Deutschen Synchro zuschrieb, aber ein Kumpel hat mir bestätigt, dass es im O-Ton nicht wirklich besser wird). Trotzdem erachte ich das alles als bewusst gewählte (bzw. in Kauf genommene) Stilmittel, da der Film sich offenkundig in anderen Bereichen zu glänzen vorgenommen hat (was ihm zum Glück ja dann auch gelingt).
      Wenn du mich fragst ob ich den Film Genre-mässig als Trash einstufen würde, würde ich das freilich verneinen. Auch Tarantino-Filme kann man natürlich nicht per se als Trash bezeichnen, trotzdem beinhalten all seine Werke (trotz des hohen Budgets und hochkarätiger Besetzung) trashige Elemente.
      ich bin der singende, tanzende Abschaum der welt.

      Maegwin wrote:

      Es scheint recht viele Leute zu geben, denen es ähnlich geht. Weil es für einen Reboot doch arg früh ist. Oder ist es doch ein zweiter Teil? Aber mit Überschneidungen bei der Besetzung?
      Die Antwort auf diese Frage ist ein Megaspoiler, und der Grund, wieso der Film mich überhaupt abgeholt hat - denn ich hatte die DC-Filme schon längst aufgegeben, nichtmal den ersten Teil durchgehalten.
      Dieser Film ist vielleicht nicht der beste, aber ganz bestimmt der unterhaltsamste DC-Film, ich kann ihn nur wärmstens empfehlen. Er ist sehr komisch, Peter Jackson-maßig splatterig (falls jemand dessen frühe Filme kennt) und macht auch noch Sinn.
      Ich habs wirklich genossen.
      9 von 10 Golfschlägern.
      HODOR !
      @Erbauer

      Danke für das Feedback. Freut mich, dass wir in vielen Punkten einer Meinung sind. Dass die Ritter der Tafelrunde in ihren Gambesons am Tisch sitzen, hat mich weniger gestört. Mit Settings waren definitiv auch die Landschaftsaufnahmen gemeint. Die waren wirklich sehr atmosphärisch, einfach perfekt diese Geschichte und Fantasyfilme im Allgemeinen.

      Erbauer wrote:

      ich hoffe, es gibt zukünftige Filmproduktionen im Fantasy Genre.


      Hm, zumindest im Serienbereich erscheint dieses Jahr noch die zweite Staffel von The Witcher und es gibt inzwischen auch einen Teaser zur WoT-Adaption von Rafe Judkins/Amazon Studios. Der hatte ein paar interessante Bilder, war mir ingesamt aber zu konventionell gemacht. Das ist Schade, denn solche Serienproduktion würden von einer experiementelleren, innovativeren Herangehensweise sehr profitieren.
      Robert Eggers, der Macher von The VVitch, dreht gerade in Island The Northman, ein Rachefilm, der in der Zeit der Wikinger spielt. Das ist natürlich kein Fantasy im engeren Sinne, könnte aber trotzdem sehr interessant werden.
      Ansonsten kann ich wirklich Dune empfehlen. Ich war gestern in der Vorpremiere. Dieser Film ist tatsächlich so brilliant geworden, dass mir seine zweieinhalbstündige Laufzeit noch zur kurz erschien. Ein fünfstündiger Directors Cut wäre ein Traum. Wie Villenueve diese fremdartige, faszinierende und düstere Welt von Dune auf die Leinwand bringt, ist einfach fantastisch. Es wäre ein echter Verlust wenn wir wegen mangelnder Resonanz keinen zweiten Teil erhalten oder Villenueve sich nach Dune dazu entscheiden würde, keine Filme im SFF Genre mehr zu drehen.
      “I: You’re a communist then. S: Let’s say I’m old enough not to be dazzled by Ayn Rand.”

      Kameron Hurley, The Light Brigade

      a.rogue.prince wrote:


      Robert Eggers, der Macher von The VVitch, dreht gerade in Island The Northman, ein Rachefilm, der in der Zeit der Wikinger spielt. Das ist natürlich kein Fantasy im engeren Sinne, könnte aber trotzdem sehr interessant werden.


      Bitte sag mir, dass du das geschrieben hast ohne den Trailer zu gucken.. :|

      Edit:

      Ah! Mein Fehler. Der Trailer war auf Youtube falsch ausgewiesen und ich bin bei Northmen gelandet. Ich gehe mir mal kurz die Augen mit Seife auswaschen.
      I have been despised by better men than you.

      Post was edited 1 time, last by “Maegwin” ().

      Habs erfreulicherweise am Samstag mit einem Kumpel rein geschafft.
      Ich bin etwas hin und her gerissen. Es ist nicht so, dass ich Dune nicht für einen fantastischen Film halte, denn das ist er wirklich. Er hat (fast) all meine Erwartungen erfüllt. Ich denke es ist nicht übertrieben zu sagen, dass jeder einzelne Frame für sich ein Kunstwerk sein könnte. Hans Zimmers Score hat regelmässig dafür gesorgt, dass die Kinositze erbebten und ich hatte mehrfach Gänsehaut. Der Sound fühlte sich wie eine Mischung aus Tenet und Gladiator an. Fast jede einzelne Szene ist so tiefgründig und bedeutungsschwer, dass sich das Ganze manchmal fast wie eine Aneindanderreihung von Kurzfilmen anfühlt. Das Set-Design und die ganze Aufmachung ist schlicht atemberaubend. Die Kameraführung, die Farbfilter, die Musik, die Effekte ergeben für mich ein selten so dagewesen homogenes Ganzes. Der Stoff wurde definitiv mit der notwendigen Oppulenz und Monumentalität inszeniert.
      Und das ist wenn man es so will auch gleichzeitig das einzige Manko, das ich auszusetzen hätte. Die Bilder sind so faszinierend, dass die meissten Figuren dadurch etwas in den Hintergrund rücken. Viele Charaktere haben generell wenig bis kaum Screentime und wirken dadurch eher wie Schatten und Andeutungen dessen, was die Geschichte noch erwarten lässt und darin liegt die Krux. Der Film erzählt keine Geschichte, sondern nur den Anfang einer Geschichte.
      Mir war zwar im Vorfeld bewusst, dass der Film nur etwa die Hälfte der Handlung des Romans behandelt, aber ich hatte trotzdem auf einen etwas "runderen" Abschluss (ähnlich den Herr der Ringe - Filmen) für sich gehofft, der sich nicht so sehr nach Cliffhanger für die nächste Staffel anfühlt. Villneuve nennt seinen Film ganz bewusst Part One und schraubt die Erwartungen am Ende aus meiner Sicht noch höher, was nicht heissen soll, dass ich ihm eine adäquate Fortsetzung nicht zutraue. Trotzdem hat sich in mir am Ende eine leise Enttäuschung ausgebreitet, weil man freilich das Gefühl bekommt etwas Unfertiges, Unvollständiges gesehen zu haben und man weiss ja noch nicht mit Sicherheit, ob und wann die Reise fortgesetzt wird. Aber das mag natürlich jeder anders sehen und hängt allein von der Erwartungshaltung ab. Insgesamt würde ich schon sagen, dass dieser Film ganz ganz grosse Filmkunst nahe an der Perfektion ist und die Messlatte für das Genre höher schraubt. Schaut ihn euch an und erzählt euren Freunden dass sie in sich auch anschauen sollen, er DARF einfach nicht floppen.
      ich bin der singende, tanzende Abschaum der welt.
      Ich war am Wochenende auch in Dune und ich kannte vorher nur das Computerspiel Dune 2.
      Daher wusste ich aber nur so grob, dass die Harkonnen die Bösen sind, Spice wertvoll ist und es Sandwürmer und Ornithopter gibt - mehr gibt das Spiel nicht her.

      Stimme El_Drogo absolut zu, das fasst es sehr gut zusammen. Ich muss aber nochmal die Schauspieler erwähnen, der ganze Cast ist einfach fantastisch. Jeder spielt seine Rolle absolut glaubwürdig, es gibt nicht einen erzwungenen komischen Moment oder so, ich war die ganze Zeit einfach voll drin. Ich finde nicht, dass die Figuren in den Hintergrund rücken.

      Ich will mehr von dieser Welt sehen, deshalb bitte Leute geht ins Kino ;)
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