Kino

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      @Maegwin

      Danke für die ehrlichen Eindrücke.
      Ich würde die Umsetzung insgesamt etwas besser bewerten. Gerade die Dialoge und schauspielerischen Leistungen haben mir wirklich gut gefallen.
      Die Darstellung sexualisierter Gewalt fand ich nicht drastischer bwz. expliziter als das was z.B. in ASoIaF/GoT gezeigt wird. Ich meine, The Nightingale steht auf der Ebene der erzählerischen Struktur durchaus in der Tradition von Rape and Revenge - Klassikern wie I Spit on your Grave oder Irreversible. Der entscheidende Unterschied ist, dass Jennifer Kent bewußt auf eine erotisierende Darstellung des Körpers des Opfers verzichtet hat.
      Die Landschaftsaufnahmen haben mir natürlich auch sehr gut gefallen. Hier würde ich aber auch einen Kritikpunkt gelten lassen, der oft gegenüber Western, Gothic Fiction( insofern sie außereuropäische, kulturelle Kontexte berüht), aber auch vielen fiktiven Stoffen mit explizit anti- oder postkolonialer Ausrichtung geäußert wird: Indem der fremde, dämonische Charakter einer Landschaft verwendet wird, um das seelische Innenleben einer weißen Protagonistin zu illustrieren, wird eine koloniale Perspektive fortgeschrieben, die als ideologische Legitimationsgrundlage für Gewaltakte dient.

      Abschließend noch ein neuer Trailer:

      Die Perfect Blue/Black Swan - Vibes am Anfang gefallen mir sehr gut. Das Ende war leider etwas cheesy
      “I: You’re a communist then. S: Let’s say I’m old enough not to be dazzled by Ayn Rand.”

      Kameron Hurley, The Light Brigade
      ​Ich meine, The Nightingale steht auf der Ebene der erzählerischen Struktur durchaus in der Tradition von Rape and Revenge - Klassikern wie I Spit on your Grave oder Irreversible.


      Die gelten meiner Kenntnis nach beide eigentlich bereits als Dekonstruktionen des Genres (zumindest gemäß Selbsterklärung der Regis), nicht als deren Klassiker.
      Rape and Revenge - Zwischen Frauenverachtung & feministischer Stärke (moviepilot.de)

      Aber sei´s drum, du Armer möchtest hier ja nur deine Kino-Eindrücke teilen. Ich wollte dich wirklich nicht in irgendeine Art nicht ganz einfacher Meta-Diskussion hineinziehen.
      Dankeschön für die Erinnerung an den Green Knight jedenfalls, ich dachte schon ihn verpasst zu haben und war nun doch ein bisschen baff, dass es noch gar nicht so weit ist. Seufz.
      I have been despised by better men than you.

      Maegwin wrote:

      Ich wollte dich wirklich nicht in irgendeine Art nicht ganz einfacher Meta-Diskussion hineinziehen.


      Keine Sorge, diesen Eindruck hast du wirklich nicht erweckt. Lass mich mal spasseshalber auf dein Geschreibe eingehen: Warum sollten Werke, die erfolgreich Genres denkonstruieren und somit zugleich neu definieren, was innerhalb dieser Genres möglich ist, eigentlich nicht zu Klassikern avancieren? Dein verlinkter Text versucht doch nur Bedingungen herauszuarbeiten, unter denen es möglich ist, Rape and Revenge - Filmen einen feministischen Spin zu geben. I Spit on Your Grave wird im diesem Sinne vom Text nicht als totale Negation des Genres präsentiert, sondern als ein
      ebenso schwer erträglicher wie interessanter Höhepunkt des Subgenres
      [des Exploitationfilms]
      Der Befund,
      Dabei lassen sich die expliziten Grausamkeiten, die sie den Männern
      schließlich zufügt und die von minutenlanger Erdrosselung bis hin zur
      Kastration in der Badewanne reichen, wiederum nur auf fragwürdige Weise einer emanzipatorischen Ermächtigung zuordnen.
      Letztendlich ködert Jennifer, die sich während ihres Racheakts
      überwiegend verführerisch präsentiert, die Männer mit genau den Reizen,
      an denen sich die Vergewaltiger zuvor in abartigster Manier vergriffen
      haben.
      , ist gut in Einklang zu bringen, mit dem was geschrieben hatte:
      Der entscheidende Unterschied ist, dass Jennifer Kent bewußt auf eine erotisierende Darstellung des Körpers des Opfers verzichtet hat.

      Bei Irreversible tue ich mich wirklich schwer, eine progressive Ausrichtung zu erkennen. Rein handwerklich ist er sehr gut gemacht. Ich halte es jedoch für keine besondere Leistung, ein durch und durch heteronormatives Genre wie den Rape and Revenge - Film, mit ausgelutschten homophoben Klischees anzureichern und dieses pseudotiefsinnige Schicksalsgeraune finde ich auch eher nervig.
      “I: You’re a communist then. S: Let’s say I’m old enough not to be dazzled by Ayn Rand.”

      Kameron Hurley, The Light Brigade
      ​Keine Sorge, diesen Eindruck hast du wirklich nicht erweckt.


      Ich habe sehr große Sorge, weil ich auf dieser Seite des Computers ständig spaßige, selbstironische und leichte Diskussionen führe während meine "Gesprächspartner" auf der anderen Seite des Computers sich sichtlich von einem großen, beilbewaffneten Monster verfolgt werden, therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen müssen oder generell Schweißausbrüche erleiden, wenn sie die Farbe Purpur sehen.

      Lass mich mal spasseshalber auf dein Geschreibe eingehen: Warum sollten Werke, die erfolgreich Genres denkonstruieren und somit zugleich neu definieren, was innerhalb dieser Genres möglich ist, eigentlich nicht zu Klassikern avancieren?


      Ich meine, The Nightingale steht auf der Ebene der erzählerischen Struktur durchaus in der Tradition von Rape and Revenge - Klassikern


      Also guuuut, spaßeshalber.


      Zunächst mal:
      Um überhaupt eine Tradition begründen und Klassiker hervorbringen zu können, muss eine Erscheinung aus meiner Sicht nicht lediglich eine Abfolge von Ereignissen sein sondern irgendeinen mehr oder weniger bedeutsamen kulturellen Mehrwert (nicht nur Einfluss sondern tatsächlich: Mehrwert) haben. Originär war Rape & Revenge entsprechend der "Tradition" des Toilettengangs nach einer Mahlzeit oder der "Tradition" des Kloschüsselschmusens nach zu viel Tequila gleichzusetzen. Ich erspare uns beiden an dieser Stelle die Analogie des zugehörigen "Klassikers".

      Um als Klassiker zu gelten, soll eine Erscheinung nach allgemeinen Maßstäben "mustergültig" und "wegweisend" sein. Sofern man den Filmen "wegweisend" zugestehen möchte, ist eine Dekonstruktion das Gegenteil von "mustergültig", weil sie schließlich gerade mit dem Muster bricht. Und nach ihrem Erscheinen folgten nicht genug Filme in der gleichen Tradition, als dass man ihnen diese Mustergültigkeit für die Zukunft zusprechen könnte.

      Dein verlinkter Text versucht doch nur Bedingungen herauszuarbeiten, unter denen es möglich ist, Rape and Revenge - Filmen einen feministischen Spin zu geben.


      Ich bezog mich hierbei eher auf die zitierten Interviews als die Bewertung des Artikels. Empathieerzeugend (wieder: unter der Prämisse, das man das dem Film zugesteht) ist aus meiner Sicht das denkbar entfernteste Gegenteil von exploitativ/voyeuristisch.

      Die Darstellung sexualisierter Gewalt fand ich nicht drastischer bwz. expliziter als das was z.B. in ASoIaF/GoT gezeigt wird.


      Game of Tittis ist aus meiner Sicht wirklich kein gutes Beispiel, die Serie hat doch gerade für Exploitation jahrelang Dreck gefressen. Ich musste schmunzeln, weil die Shame-Nonne offensichtlich nur deshalb nicht vom Berg vergewaltigt wurde, weil D&D schon für Sansa zu viel Duftregen gefangen hatten.

      ASoIaF/GoT


      Nein, neinnein tu das nicht. Bitte vergleich die Serie dabei nicht mit dem Buch. Nicht wo ich es sehen kann. This way madness lies.


      Bei Irreversible tue ich mich wirklich schwer, eine progressive Ausrichtung zu erkennen. Rein handwerklich ist er sehr gut gemacht. Ich halte es jedoch für keine besondere Leistung, ein durch und durch heteronormatives Genre wie den Rape and Revenge - Film, mit ausgelutschten homophoben Klischees anzureichern und dieses pseudotiefsinnige Schicksalsgeraune finde ich auch eher nervig.


      Es ist zu lange her, als dass ich den Film seriöserweise derart konkret besprechen könnte.
      I have been despised by better men than you.
      Black Widow
      1. Kinobesuch seit einem Jahr oder so. Aus meiner Sicht ein gelungener Action-Film der stark an die M:I und Bourne - Filme erinnert. ScarJo und Florence Pugh funktionieren ganz wunderbar zusammen, obwohl ich da zunächst meine Zweifel hatte. Jedenfalls hat mich überrascht dass sich der Film wirklich genug Zeit nimmt um das ganze Schwester/Familien - Beziehungsgeflecht vernünftig zu etablieren. Es gibt sehr viele ruhige Momente die mal lustig, mal traurig und mal einfach ganz herzerwärmend unspektakulär und natürlich daherkommen, so wie sich Familie eben auch im RL manchmal über vollkommen belangloses Zeug unterhält. Dabei hat die meissten Lacher sicherlich David Harbour auf seiner Seite, der als Pendant zu Captain Amerika herrlich frisch und selbstironisch gezeichnet ist.
      Was ich noch toll fand ist dass man sich (bis auf den marveltypischen CGI-Overkill im Finale) auch die Mühe gemacht hat an vielen realen Orten zu drehen statt vor dem Green Screen und auch einiges an handgemachter Action aufgeboten wird. Die teils richtig coolen Kampfchoreogrpahien und Moves wurden jedoch aus meiner Sicht zu wackelig und unübersichtlich zusammengschnitten. Verstehe nicht ganz warum man hier das Ergebnis aus zweifellos wochenlang einstudierten Bewegungsabläufen so im Schnittgewitter untergehen lässt, aber dieses Phänomen trifft ja leider generell auf fast alle Marvel-Filme zu.
      Alles in Allem denke ich kriegt der Konsument das was er bestellt hat. Jedenfalls ein würdiger "Solo"-Auftritt für Black Widow, die wir ja leider in kommenden Filmen wohl nicht mehr sehen werden. Trotzdem wäre ich einigermassen erfreut, wenn Florence Pugh ihren Platz einnehmen dürfte. Für mich befindet sich der Film im vorderen Drittel der MCU-Reihe, müsste ich eine Wertung in Punkten abgeben, wären es wohl 7.5 oder so.
      ich bin der singende, tanzende Abschaum der welt.

      el_drogo wrote:

      Black Widow


      Den wollte ich aufgrund der guten Kritiken und der vielgelobten Familiendynamik auch sehen, bei mir in der Stadt sind aber nur die Ketten ansässig, die Black Widow boykottieren.

      Dafür habe ich paar Angehörige zusammengetrommelt und verkündet, dass wir Kinos mit Geld füttern müssen, solange es noch geht. Erst hat mein Vater uns auf Godzilla vs Kong eingeladen, dann habe ich mit meinem allerersten Gehalt Nobody ausgegeben.

      Godzilla vs Kong hat genau das geboten, was ich erwartet hatte. Ich hatte den Vorgänger, Godzilla II: King of the Monsters, nicht gesehen, konnte aber der simplen Handlung dennoch folgen. Die kann man in 2 Stränge unterteilen:
      1. Der langweilige Strang mit menschlichen Charakteren, die alle ebenso langweilig sind. Außer einem Trio, das so nervtötend ist, dass es mehr für Wut als für Langeweile sorgt.
      2. Der Strang mit den Monstern. Godzilla, King Kong und ein taubstummes Mädchen namens Jia sind die einzigen Charaktere im Film, die nicht dumm und nervig sind. Sie sind es auch, die eine emotionale Komponente einbringen, die auch funktioniert.
      Das ist natürlich auch der Teil der Handlung mit der Action. Und die funktioniert nicht nur, sie bietet die epischsten Kaiju Kämpfe, die ich je sehen durfte. Wuchtig, mit paar kreativen Einfällen, ohne Marthas. Jedes Aufeinandertreffen von Monstern macht die vorangegangene Plörre von Handlung und Charakteren wieder gut.
      Das war ein richtiges Kinoerlebnis.

      Nobody hat mich leicht enttäuscht. Der Film ist von den Machern von John Wick geschrieben und produziert, von dem Regisseur von Hardcore Henry inszeniert und der Filmposter zitiert einen Poster von John Wick 2, so dass ich mit der Erwartung rein gegangen bin, einen innovativen Actionfilm mit Verweisen auf die John Wick Filme zu sehen.
      Verweise ist untertrieben. Die ganze Handlung ist ein Zitat von dem ersten John Wick.
      Innovativ ist übertrieben. Es gibt kreative Einfälle, die aber nicht so viel Zeit zum Wirken bekommen wie bei Papa Wick. Die Action von Nobody ist nämlich etwas schneller, mit der Kamera näher an den Darstellern und mit höherer Schnittfrequenz. Statt durchchoreographierten Szenen gibt es oft Montagen mit fetziger Musik. Das macht Spaß, mit schnell meine ich auch kein unübersichtliches Schnittgewitter, aber das ist weder die Action von John Wick (Wie das Marketing vermuten lassen könnte), noch ist es was komplett Neues.
      Die Macher von John Wick setzen sich also hin, kopieren die Grundsteine der Handlung aus ihrem Hit, inszenieren etwas weniger aufwändige Kämpfe und locken dann mit Verweisen auf den Hit die Fans in die Kinos. Übermotiviert waren die wohl nicht.
      Das ändert aber nichts daran, dass Nobody ein unterhaltsamer Film ist.

      PS: In Nobody sprechen die bösen Russen richtiges Russisch! Das will ich noch unbedingt lobend erwähnen. Ich selber habe nur Grundkenntnisse in Russisch, in meinem Umfeld habe ich aber ständig fließendes Russisch mitbekommen, sodass ich mich in ernsten Momenten vor Lachen bepisse, wenn amerikanische Schauspieler "Russisch" sprechen. Diesmal konnten die allermeisten Darsteller von Russen die Sprache und sahen auch osteuropäisch aus. Der russische Regisseur hat wohl für Muttersprachler gesorgt.

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