Bundestagswahl 2021 - ehemals 2017

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      ssnake wrote:

      Und die FDP wird das nur schwer wieder los werden.

      Ich habe bereits gestern mit zwei FDP Wählern gesprochen, und deren Aussage war jeweils "Dafür habe ich die nicht gewählt." Beide zweifelten daran, bei einer Neuwahl die FDP erneut zu wählen.
      Ist nicht repräsentativ, aber vielleicht ein Stimmungsbild.

      ssnake wrote:

      Und weil da kurzfristig der Gedanke an eine schwarz-gelbe Regierung mit AfD-Duldung aufgekommen ist
      Das halte ich für derartig weltfremd, dass man nicht ernsthaft darüber diskutieren muss.
      It`s not easy to be a birdplane.

      Ich muss meine Reaktionen haben dürfen!
      @Grunkins

      Politik und Demokratie sollen Konsens erzielen, sie müssen aber nicht kategorisch auf Kompromisse hinarbeiten. Woher nehmt ihr die Legitimation, von der FDP zu fordern, sich in ein Korsett zu zwängen, das nicht passt? Ich glaube, niemand war bei den Sondierungsgesprächen persönlich dabei, sodass ich mich hier bei einer zu normativen Bewertung noch zurückhalte. Und nochmal zum Kompromiss. Gut Ding will Weile haben. Besser ein aufgeschobener Kompromiss mit anderen Parteien als ein fauler Kompromiss.

      "denn ich bezweifle ganz stark, dass es wirklich unmöglich war, eine im Grundsatz vertretbare Politik in Jamaika zu verhandeln."

      Es wurde doch verhandelt, nur wurde eben keine Lösung gefunden. Diese Zweifel hatte die FDP wohl, die nicht nochmal den Einzug in den Bundestag in vier Jahren verpassen möchte.

      "Wenn jetzt jede um-die-zehn-Prozent Partei sagt: "Wir opfern unsere Grundsätze nicht!", können wir uns auf absehbare Zeit von Regierungen mit Mehrheiten verabschieden, denn von der Sorte haben wir schon 4 und die SPD nähert sich kontinuierlich diesem Niveau an."

      Daran sind aber CDU un SPD schuld, mitnichten die anderen Parteien.

      ""Grüne" Medienlandschaft Was sind das denn so für grüne Medien, die hier offenbar dominieren? Bild, Welt, FAZ, Cicero, Spiegel...?
      Die FDP ist de facto der Schuldige, da sie die Verhandlungen abgebrochen haben, obwohl sich offenbar sogar CSU und Grüne annähern konnten."

      Einfach mal schauen,wie viele Journalisten die Grünen wählen. Müssten so um die 30% sein. Schuld wird vor Gericht verhandelt, nicht in der Politik. Man hätte ja auch eine Regierung aus CDU/FDP/AfD bilden können. Wurde aber kategorisch von der CDU ausgeschlossen. Ich bin aber nicht so naiv und würde diese deshalb als schuldig bezeichnen. Nebenbei wiederholst du nur das Narrativ, dass jetzt die mit Schaum vorm Mund geprellten Medien und Jamaikafreunde erzählen. Und wie die FDP es auch gemacht hätte. Ein kategorisches Ausschließen von Sondierungen wäre schlimmer gewesen als es jetzt abzubrechen. Warum soll man Juniorpartner sein für ein Bündnis, das einem nur schadet? Weil du es dir wünscht? Seltsames Politikverständnis.

      "Das bezweifle ich. Ich schätze mindestens die Hälfte der grünen Wähler gehört eher in das öko-bürgerliche Lager, dass in Süddeutschland oder auch bei mir in Mnster dominiert. Für die wäre Jamaika ein Träumchen geworden. Und nachdem man den Grünen Jahrzehnte lang unrealistische Politik und Unwillen zu echtenVeränderungen vorgeworfen hat, jetzt das Gegenteil?"

      Die Grünen hätten zahlreiche ihrer Wahlversprechen über Bord geworfen, um mal wieder regieren zu dürfen. Ich kenne zahlreiche Grüne, denen die Konzessionen der Sondierer überhaupt nicht passten. Die haben Jamaika als Albtraum bezeichnet. Unabhängig von unseren persönlichen Eindrücken wird sich das bei einer etwaigen nächsten Wahl rächen.

      "Ich habe Merkel nicht als dominant in diesen Verhandlungen erlebt. Bei Neuwahlen wird sie mit Sicherheit wieder antreten, wer denn auch sonst? Ich bin mir auch nicht sicher, ob die AfD davon profitieren wird. Da kann man in meinen Augen noch keine realistischen Prognosen zu abgeben.
      Die ersten Umfragen sprechen übrigens eindeutig gegen FDP/Lindner. Ob sich das in den Wahlergebnissen niederschlagen würde, finde ich aber schwer zu bewerten, immerhin reicht es, wenn 10 - 12 % die Aktion richtig toll fanden, auch wenn die große Mehrheit sie doof fand."

      Ach ja, Umfragen. Ich habe bereits in den ersten Statistikkursen gelernt, dass die von den Medien veröffentlichten Ergebnisse sehr stark von den realen divergieren. Die AfD war kurz vor der Wahl bei diversen Instituten angeblich noch bei 6-7%. Deshalb ja die Beispiele Brexit, Trump und AfD. Merkel wird jetzt, sofern man nicht dem Lager der Realitätsverweigerung angehört, als massiv entmachtet angesehen. Klar kann sie nochmal antreten und die CDU in den Abgrund führen. Durchaus realistische Option. Mutti-Jünger wie Tauber, Kauder und Laschet würden wohl bereitwillig ihr eigenes Grab schaufeln. Ich hoffe aber immer noch auf einen Aufstand der Vernünftigen angeführt von Spahn, der diese ehemalige Volkspartei wieder nach oben tragen kann. Nicht, dass mir die CDU sympatisch ist. Aber sie war mir als konservative Partei lieber als die AfD.

      @HappyTime: Und ich kenne zahlreiche nicht FDP-Wähler, die jetzt gerne FDP wählen würden. Seltsam, aber kein Argument. So weltfremd wie ein amerikanischer Präsident, der Trump und nicht Clinton heißt?
      Inwieweit Merkel jetzt als extrem entmachtet anzusehen ist, dürfte eine ziemlich exklusive Meinung sein. Da sie in der CDU jegliche eventuelle Kronprinzen und- Prinzessinen bis jetzt nicht groß werden ließ, die CSU auch ganz eigene Probleme hat, gibt es im schwarzen Lager niemanden, der sie ersetzen könnte bzw. ist mit freiem Auge nicht sichtbar.

      Jetzt ein Aufstand gegen sie, und die CDU zieht als zerstrittener Haufen in die Neuwahl, was ja immer unheimlich stimmenmaximierend wirkt.

      Bis zu einem Neuwahltermin ist sie jedenfalls erstmal im Amt.
      Um Missverständnisse zu vermeiden: Ich würde sicherlich nie eine Unionspartei wählen.
      Sorry, no dragons in Winterfell!

      Hodor I. Targaryen wählte nach seiner Inthronisierung das neue Motto seines Hauses aus: "Hodor"!

      schnoeps wrote:


      Politik und Demokratie sollen Konsens erzielen, sie müssen aber nicht kategorisch auf Kompromisse hinarbeiten. Woher nehmt ihr die Legitimation, von der FDP zu fordern, sich in ein Korsett zu zwängen, das nicht passt? Ich glaube, niemand war bei den Sondierungsgesprächen persönlich dabei, sodass ich mich hier bei einer zu normativen Bewertung noch zurückhalte. Und nochmal zum Kompromiss. Gut Ding will Weile haben. Besser ein aufgeschobener Kompromiss mit anderen Parteien als ein fauler Kompromiss.

      Es wurde doch verhandelt, nur wurde eben keine Lösung gefunden. Diese Zweifel hatte die FDP wohl, die nicht nochmal den Einzug in den Bundestag in vier Jahren verpassen möchte.


      Du hast in deinem vorherigen Beitrag schon längst eine "normative Bewertung" vorgenommen. In den Schlüsselfragen und zentralen FDP-Themen - Energie, Migration und Finanzen - ist die CSU inhaltlich nahe bei der FDP, die CDU hat nur eine light Version der FDP-Programmatik und wenn sich CSU und Grüne annähern konnten (nach Aussagen Vertreter beider Parteien) und die FDP eigentlich in der besten Verhandlungsposition war, sehe ich es einfach als extrem unwahrscheinlich an, dass eine Lösung im Interesse der FDP nicht möglich war.

      Daran sind aber CDU un SPD schuld, mitnichten die anderen Parteien.


      Ja danke Merkel! Im Ernst: Natürlich tragen CDU und SPD eine Mitverantwortung an ihrer eigenen Schwäche. Es ist jedoch irrelevant, wer Schuld hat, die Parteien haben sich auf eine Regierungsbildung zu einigen und nicht solange wählen zu lassen, wie möglich.

      Einfach mal schauen,wie viele Journalisten die Grünen wählen. Müssten so um die 30% sein. Schuld wird vor Gericht verhandelt, nicht in der Politik. Man hätte ja auch eine Regierung aus CDU/FDP/AfD bilden können. Wurde aber kategorisch von der CDU ausgeschlossen. Ich bin aber nicht so naiv und würde diese deshalb als schuldig bezeichnen. Nebenbei wiederholst du nur das Narrativ, dass jetzt die mit Schaum vorm Mund geprellten Medien und Jamaikafreunde erzählen. Und wie die FDP es auch gemacht hätte. Ein kategorisches Ausschließen von Sondierungen wäre schlimmer gewesen als es jetzt abzubrechen. Warum soll man Juniorpartner sein für ein Bündnis, das einem nur schadet? Weil du es dir wünscht? Seltsames Politikverständnis.


      Müssten oder sind? Ich habe lediglich eine Statistik gefunden, nach der 26,9% der "Politikjournalisten" sich den Grünen "nahe" fühlen. Zur konkreten Methodik hab ich nichts gefunden. Von der Aussagekraft solcher Statistiken habe ich aber ohnehin noch nie was gehalten, da sie keine Rückschlüsse auf den Einfluss zulassen (ein Bild-Chefredakteur wird genauso gewichtet, wie ein freier taz-Mitarbeiter..). Übrigens finde ich deinen Satz zur Schuld vor dem Hintergrund des letzten Abschnitts lustig.
      Du weißt ebenso gut wie ich, dass eine Koalition mit AfD-Beteiligung niemals zu machen gewesen wäre, genauso wenig wie Schwarz-Gelb-Dunkelrot.

      Die Grünen hätten zahlreiche ihrer Wahlversprechen über Bord geworfen, um mal wieder regieren zu dürfen. Ich kenne zahlreiche Grüne, denen die Konzessionen der Sondierer überhaupt nicht passten. Die haben Jamaika als Albtraum bezeichnet. Unabhängig von unseren persönlichen Eindrücken wird sich das bei einer etwaigen nächsten Wahl rächen.


      Ja, eine 9%-Partei, die sich zu jedem wichtigen polit. Thema positioniert wird zwangsläufig Wahlversprechen über Bord werfen zu müssen, um andere zu erfüllen.
      Interessant, dass du anscheinend schon objektive Informationen jenseits "unserer persönlichen Eindrücke" über die nächste Wahl hast.
      Auch hier zeigen die Umfragen seit der Bundestagswahl eigentlich das Gegenteil. Zu deren Aussagekraft unten noch mal.

      Ach ja, Umfragen. Ich habe bereits in den ersten Statistikkursen gelernt, dass die von den Medien veröffentlichten Ergebnisse sehr stark von den realen divergieren. Die AfD war kurz vor der Wahl bei diversen Instituten angeblich noch bei 6-7%. Deshalb ja die Beispiele Brexit, Trump und AfD.


      Soso, inwiefern divergieren denn veröffentlichte von den tatsächlichen Ergebnissen solcher Studien?
      Und bei welchen Instituten lag die AfD bei 6-7%? Umfragen von Forsa, INSA oder YouGov sahen die AfD vor der Bundestagswahl ziemlich genau bei 12%. Beim Brexit und Trump waren die Abweichungen auch im Bereich der üblichen Fehlertoleranz. In den USA ist dieses verzerrte Bild eines eindeutigen Wahlsiegs nicht durch die Umfragen an sich, sondern aus dem Zahlen-HokusPokus um aus Querschnitten und Meta-Studien gezogene Wahrscheinlichkeiten entstanden. Beim Brexit war der Ausgang die ganze Zeit über knapp, ob das Ergebnis sich im Endeffekt dann um 3 oder 4% verschieben kann, ist ganz normal. Clinton hat mit 48% sogar 2 Prozentpunkte mehr als Trump geholt und das Brexit-Ergebnis lag bei 51,9 zu 48,1.
      Es mag schon richtig sein, dass die Demoskopie aufgrund der extremen Geschwindigkeit von politischen Trends und dem Einfluss neuer Ereignisse sowie dem immer vorhandenen Unterschied zwischen "Meinung" (die in Umfragen abgefragt wird) und "Handlung" (der Wahl) unzuverlässig geworden ist (weshalb in Soziologie und Politologie qualitative Methoden Konjunktur haben), nichts desto trotz halte ich solche Erhebungen für immer noch sinnvoller als ausschließlich den persönlichen Eindruck zu verwenden.

      Merkel wird jetzt, sofern man nicht dem Lager der Realitätsverweigerung angehört, als massiv entmachtet angesehen.


      Ach ja "Realitätsverweigerung", auch so ein Begriff, der inflationär gebraucht wird. Warten wir es mal ab. Ich hätte nix dagegen, wenn Merkel abdankt, aber ich sehe auch Niemanden der so ohne weiteres putschen kann. Am ehesten vielleicht noch vdL, die ich aber für zu vernünftig halte, um in so einer Situation einen Machtkampf auszutragen. Spahn war bisher Staatssekretär und wird nicht von heute auf morgen an die Spitze aufsteigen.

      @ssnake
      ​inwieweit Merkel jetzt als extrem entmachtet anzusehen ist, dürfte eine ziemlich exklusive Meinung sein. Da sie in der CDU jegliche eventuelle Kronprinzen und- Prinzessinen bis jetzt nicht groß werden ließ, die CSU auch ganz eigene Probleme hat, gibt es im schwarzen Lager niemanden, der sie ersetzen könnte bzw. ist mit freiem Auge nicht sichtbar.Jetzt ein Aufstand gegen sie, und die CDU zieht als zerstrittener Haufen in die Neuwahl, was ja immer unheimlich stimmenmaximierend wirkt.Bis zu einem Neuwahltermin ist sie jedenfalls erstmal im Amt.


      Das scheint mir auch eher die Meinung der fundamentalen Merkel-Ablehner (um schärfere Ausdrücke zu umschiffen) zu sein, die sich seit längerem in einer gefühlten Mehrheit währen. So wie sich die AfD ja auch für "das" Volk hält.

      Maegwin wrote:

      Derart partei- statt wählerzentriertes Verhalten würde ich ungern honorieren.


      Wenn die SPD davon ausgeht, eine weitere große Koalition würde der Partei derart schaden, dass sie in absehbarer Zukunft nicht mal mehr auf 20% kommt, man in der Partei aber weiterhin der Meinung ist dass sozialdemokratische Politik dem Land weiterhilft, ist das Verhalten eben nicht parteizentriert, sondern wählerzentriert. Oder präziser: parteizentriert aus der Notwendigkeit heraus die Partei am Leben zu halten, um später wählerzentriert handeln zu können.

      Was nutzen dem Wähler vier weitere recht unspektakuläre Jahre, wenn dann am Ende eine Situation heftiger als die jetzige kommt? Du sagst ja selbst, dass ein Kuraufhalt der SPD gut täte, weshalb ich nicht so wirklich deine Kritik daran verstehe.
      We all must choose. Man or woman, young or old, lord or peasant, our choices are the same. We choose light or we choose darkness.
      Wenn die SPD davon ausgeht, eine weitere große Koalition würde der Partei derart schaden, dass sie in absehbarer Zukunft nicht mal mehr auf 20% kommt, man in der Partei aber weiterhin der Meinung ist dass sozialdemokratische Politik dem Land weiterhilft, ist das Verhalten eben nicht parteizentriert, sondern wählerzentriert.


      So lässt sich jeder egozentrische Vorstoß von jedem bis hin zur Diktatur erklären. Alles zu meinen Gunsten, denn das beste für unser Land bin nun mal ich selbst.
      Was im Fall der SPD übrigens ohnehin nicht völlig falsch sein durfte, Schulz wird selbst parteiintern von Kritikern so gehandelt, dass er immer schrecklich gern Kanzler werden sollte, sein Konzept für das Land aber auch schon an dieser Stelle endet.

      Du sagst ja selbst, dass ein Kuraufhalt der SPD gut täte, weshalb ich nicht so wirklich deine Kritik daran verstehe.


      Ein Kuraufenthalt um ein selbstständig tragfähiges politisches Gesamtkonzept für eine Partei zu entwickeln, falls diese jemals wieder als führende Regierungspartei ernstgenommen werden und den Kanzler stellen will. In der Zwischenzeit sehe ich die SPD in der Verpflichtung - wenn es ihr schon angetragen wurde - bestmöglich die Interessen ihrer Wählerschaft in ebendieser Regierung zu vertreten. "Spektakulär" erwarte ich im Zirkus, nicht im Bundestag.


      I have been despised by better men than you.

      Post was edited 2 times, last by “Maegwin” ().

      Das wird Fidel Castros Tante ähnlich sehen, ich kann daraus aber schlecht argumentative Kraft ableiten.

      Wenn die SPD bei der Mitregierung ordentliche Arbeit verrichtet und es schafft dies dem Wähler zu kommunizieren, wird es dieser auch entsprechend entlohnen. Wenn eines von beidem nicht zutrifft, hat sie als Regierungspartei ohnehin nichts verloren.
      I have been despised by better men than you.

      Maegwin wrote:

      Wenn die SPD bei der Mitregierung ordentliche Arbeit verrichtet und es schafft dies dem Wähler zu kommunizieren, wird es dieser auch entsprechend entlohnen. Wenn eines von beidem nicht zutrifft, hat sie als Regierungspartei ohnehin nichts verloren.


      Es gibt kaum was schwierigeres, als als Juniorpartner einer Koalition dabei beim Wähler gut auszusteigen. Die letzten, denen das gelungen ist, waren in Deutschland die Grünen unter Joschka Fischer. Seitdem hat sich die Parteienlandschaft stark zersplittert.

      Sozialdemokratische Anliegen waren schon in der letzten Regierung kaum erkennbar, jetzt, mit einer deutlichen Schwächung, soll das besser werden? Von einem entgültigen Zerbrechen der SPD hätte auch niemand was. Schlag nach bei den Franzosen, die stehen auch gerade vor einem Scherbenhaufen, dass der Staat davon leichter regierbar geworden ist, wage ich zu bezweifeln.

      Das Grundproblem der Sozialdemokratie hat einmal mir gegenüber ein bekannter Sozialdemokrat wie folgt umrissen:
      "Vom zweiten Weltkrieg weg zielte unsere Politik darauf ab, letztendlich aus Arbeitern Angestellte und Kleinbürger zu machen.
      Heutzutage sind wir gezwungen, Politik für Spießbürger zu machen."
      Sorry, no dragons in Winterfell!

      Hodor I. Targaryen wählte nach seiner Inthronisierung das neue Motto seines Hauses aus: "Hodor"!
      Ich bin Wähler, nicht der PR-Manager der SPD. Ob sie für etwaige Neuwähler dabei "gut rauskommt" nachdem ich sie mit dem Auftrag belastet habe Politik für mich zu machen und wie sie darauf aufmerksam macht interessiert mich schlicht und ergreifend nicht.
      Kund zu tun inwieweit ihr Einsatz auf die bisherige Politik hatte ist ihr ureigener Aufgabenbereich.
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      Maegwin wrote:


      PS:

      "Dabei sagte Schulz, die SPD werde sich die Pläne von Siemens nicht gefallen lassen."

      Fleißig, fleißig. Schulz übt schon mal destruktive, populistische Null-Konzept-Floskeln.


      ;( Diese pseudo-Bürgernähe von ganz links bis ganz rechts nervt mich auch. Ich glaube auch nicht, dass dieses Konzept (für das Schulz ja exemplarisch steht) aufgeht. Diejenigen, die Politiker ohnehin für abgehoben halten ,werden dies ohnehin nicht annehmen und Diejenigen, die sich ein Mindestmaß an Intellekt wünschen, verprellt man damit nur umso mehr.

      ​Was im Fall der SPD übrigens ohnehin nicht völlig falsch sein durfte, Schulz wird selbst parteiintern von Kritikern so gehandelt, dass er immer schrecklich gern Kanzler werden sollte, sein Konzept für das Land aber auch schon an dieser Stelle endet.


      Das habe ich von zweien seiner wirtschaftspolitischen Berater auch so gehört. Kein inhaltliches Konzept und viel schlimmer - kein Interesse an einem Konzept.
      Ich glaube auch nicht, dass dieses Konzept (für das Schulz ja exemplarisch steht) aufgeht. Diejenigen, die Politiker ohnehin für abgehoben halten ,werden dies ohnehin nicht annehmen und Diejenigen, die sich ein Mindestmaß an Intellekt wünschen, verprellt man damit nur umso mehr.


      Exakt.
      Ich gehe auch fest davon aus, dass Schulz die Entscheidung in die Opposition zu gehen in erster Linie nicht zu Gunsten des Wählers, ja nicht mal zu Gunsten der SPD sondern zu Gunsten von Schulz getroffen hat, weil der Oppositionspolitiker besser zu seinem persönlichen rumpeligen aber linienfreien Profil passt. Die SPD hatte ja Anfang des Jahres gar keine schlechten Umfragewerte. Die Zusammenfall von Schulz Beliebtheit kann man aus meiner Sicht historisch betrachtet relativ exakt auf den Zeitpunkt zurückrechnen, an dem Schulz den Mund aufgemacht hat - er wurde ja nicht umsonst selbst parteiintern von Maas und Gabriel in der Beliebtheit überholt. Sich sozialere Politik zu wünschen bedeutet ja nicht zwangsweise, dass man als Wähler auf eine stabile Regierung verzichten möchte.

      Aus meiner persönlichen Perspektive wäre übrigens Scholz in praktisch jeder Hinsicht die bessere Wahl gewesen.
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      Du scheinst außer Scholz Onkel niemanden gefragt zu haben. Scholz lag als Kanzlerkandidat bei Umfragen deutschlandweit 1% hinter Schulz (26% :25%) und SPD-intern 5% (40% : 35%, zum Vergleich: Steinmeier 69%, Nahles 21%).
      ​Darüberhinaus würden zu seinen Gunsten deutlich bessere Argumente sprechen, als euer SPD-Kreisschluss. Es ist korrekt, dass er gemessen an seiner erfolgreichen Arbeit und Hamburger Beliebtheit in der SPD-Basis nie adäquaten Rückhalt hatte. Aber wenn die aus meiner Sicht irgendwelche klugen oder sinnvollen Entscheidungen treffen würde, würden wir uns jetzt nicht unterhalten.
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      Mir ist schon klar warum du Olaf Scholz magst. Ideologisch passt er ja eh viel besser zur CDU oder FDP. Aber wenn man in der SPD als Genosse der Bosse und Neoliberaler Kanzler werden will, sollte man wenigstens das Charisma eines Schröder haben. Auch seine "erfolgreiche" Arbeit in Hamburg rund um Olympia, G20 ("Es gab keine Polizeigewalt") und Verkehrspolitik (Stadtbahn) ist aus meiner Sicht für nichts ein Argument, außer einem Parteiausschluss...

      Alles in allem ist doch völlig klar, dass Scholz als Kanzlerkandidat noch den größeren Bauchplatscher hingelegt hätte als Schulz. OS verkörpert präzise das, was die Leute von der SPD fernhält, nämlich Profillosigkeit und keine Vision. Bei Schulz hatten die Leute wenigstens für ein paar Wochen die Illusion, er wäre anders.

      Zur vorherigen Diskussion: Zu denken, der Wähler würde gute Politik in jedem Fall honorieren wenn man ihm das nur kommunizieren kann, halte ich für weltfremd. Der Wähler hat die GroKo ganz klar abgewählt, da gibt es nix zu deuteln.
      We all must choose. Man or woman, young or old, lord or peasant, our choices are the same. We choose light or we choose darkness.
      Mir ist schon klar warum du Olaf Scholz magst. Ideologisch passt er ja eh viel besser zur CDU oder FDP.


      Umgekehrt wird ein Schuh draus.
      Ich mag Olaf Scholz, weil er ein sachlicher, zurückhaltender Analytiker ist. Die Merkel ohne Titten in sozialdemokratisch. Dabei hat er aus meiner Sicht eine deutlich klarere Vision davon was die SPD ist und die SPD sein sollte als ein Schulz oder ein Gabriel die für sie nur vorgesehen haben auf Teufel komm raus nicht die CDU zu sein. Dabei ist er aber zeitgleich Realpolitiker genug um auch etwas von seiner Vision durchzusetzen.

      Zu glauben, es sei der richtige Weg auf Grund des Linksrucks der CDU die SPD weiter Richtung Linke zu verschieben bedeutet die immense Fehlleistung zu glauben, die Existenz der SPD (wie auch jeder anderen Partei) hätte irgendeinen Selbstzweck den man bewahren müsste, selbst wenn die entsprechende Politik bereits durch jemand anderen verwirklicht wird. Ein erfolgreicher Politiker (egal ob von der SPD oder CDU) wird im Sinne des Durchschnittsbürgers Entscheidungen treffen mit denen beide Seiten zumindest leben können und das ist angesichts seiner repräsentativen Funktion für beide auch völlig korrekt.

      Der Wähler hat die GroKo ganz klar abgewählt, da gibt es nix zu deuteln.


      Das halte ich für Unsinn. Die CDU und SPD sind zusammen auf 52% gekommen und das gibt klar wieder, wen die Mehrheit der Bevölkerung in der Regierung sehen will.
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      Nun ja, Scholz wäre nach Steinmeier und Steinbrück der dritte Agenda-SPD Kandidat hintereinander gewesen, wenn auch zugegebenermaßen mit deutlich mehr Regierungserfahrung und ohne das Gehabe von Steinbrück. Bei einem Kandidaten Scholz sähe ich tatsächlich überhaupt keinen rationalen Grund mehr, SPD anstatt Mutti zu wählen.

      Bezüglich des Links-Rechts-Schemas muss man denke ich zwischen Wirtschafts- und Sozialpolitik sowie Innen- und Außenpolitik unterscheiden. Bei Letzteren krankt die SPD meiner Meinung nach daran, dass der Kosmopolitismus und der Liberalismus der Parteispitze das Wählerpotential nicht repräsentiert und schon von FDP, Grünen und Linken bedient wird. Auf diesem Gebiet kann die SPD nix gewinnen und sollte sich mehr an anderen sozialdemokratischen Bewegungen orientieren, die eher kommunitaristisch orientiert sind. Wirtschafts- und Sozialpolitisch sehe ich weder Grund, der CDU einen Linksruck zu bescheinigen noch für die SPD von einem solchen abzusehen. Nur sollte ein entsprechendes Programm nicht aus "Wir führen eine Vermögensteuer ein und erhöhen HartzIV!!" bestehen.
      Nun ja, Scholz wäre nach Steinmeier und Steinbrück der dritte Agenda-SPD Kandidat hintereinander gewesen, wenn auch zugegebenermaßen mit deutlich mehr Regierungserfahrung und ohne das Gehabe von Steinbrück. Bei einem Kandidaten Scholz sähe ich tatsächlich überhaupt keinen rationalen Grund mehr, SPD anstatt Mutti zu wählen.


      Ich schon, weil ich die perfekte Mitte möchte. Die letzten Jahre, insbesondere in der Griechenlandkrise aber auch innenpolitisch, waren mir eben doch den störenden Tick zu konservativ und als kleiner Koalitionspartner reißt die SPD offensichtlich nix.
      Wenn Merkel und Scholz zusammen am Ruder wären, wäre mir aber tatsächlich gleich wer nebenbei das Steuer halten darf. Die würden Deutschland ruhig, langweilig und sachverständig in den Sonnenuntergang der perfekten Stabilität politbotten.

      Auf diesem Gebiet kann die SPD nix gewinnen und sollte sich mehr an anderen sozialdemokratischen Bewegungen orientieren, die eher kommunitaristisch orientiert sind.


      Genau das habe ich mit "Partei zum Selbstzweck" kritisiert.

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      Genau das habe ich mit "Partei zum Selbstzweck" kritisiert.


      Ich sehe es nicht als Selbstzweck, wenn man ein mutmaßlich nicht geringes Wählerpotential aufgreift und ihm eine Stimme verleiht, insbesondere, wenn die eigene Parteibasis auch in diese Richtung tendiert.