Der Depri-Thread

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      Unqualifizierte Zwischenfrage:
      Ist Vollzeit finanziell absolut unabdingbar?

      Mit 85% kann man schon in eine 4 Tagewoche. Das ist finanziell meist ganz gut tragbar, macht aber gefühlt einen Unterschied wie Tag und Nacht.
      I have been despised by better men than you.
      @Shajana
      Die Antwort hast Du dir doch eigentlich schon selbst gegeben. Wenn die Anstände zwischen dem Wegbrechen immer kürzer werden, ist das ein absolutes Alarmsignal. Ich habe wie Maegwin zunächst einmal an eine Stundenreduktion gedacht. Ich bin mal auf 75% ´runtergegangen. Das war finanziell noch zu verkraften, weil die Abgaben ja auch weniger werden, aber zeitlich eben doch ein erheblicher Gewinn.

      @HappyTime
      Das tut mir sehr leid. Die schwere Erkrankung eines Elternteils ist immer schlimm. Zum Glück lassen sich Depressionen gut behandeln. Nur wird das seine Zeit dauern, vielleicht sogar länger als vier bis sechs Wochen. Und die Zeit mit einem akut erkrankten Angehörigen ist fürchterlich, ich kenne das aus eigener Erfahrung und auch von meinem früheren Kollegen. Daher wünsche ich Dir viel, viel Kraft. Schön, dass wenigstens Deine Mutter Dich und Dein Töchterchen unterstützt.
      Erstmal Danke für eure Anteilnahme. Dieses WE war meine Freundin tagsüber daheim, und die Verbesserung war enorm. Ich weiß, dass da noch ein langer Weg vor uns liegt,
      aber das war schon sehr toll.

      Maegwin wrote:

      Ich glaube, wenn deine Freundin zurück ist, wäre es am sinnvollsten sich eine Zeit lang auf nichts anderes als euer Mini-Kernrudel zu konzentrieren und die Frage, ob ihr gegenüber ihren Eltern Konsequenzen daraus zieht auf die gaaaanz lange Entscheidungsbank zu verschieben. Bei einem depressiven Menschen wäre es leider sehr wahrscheinlich, dass sie das "Versagen" ihrer Eltern auch noch auf sich selbst bezieht.

      Zumindest versucht sie das Verhalten ihrer Eltern/Familie zu entschuldigen. Das ganze erinnert mich frappierend an das Klischee der Frau, die ihren prügelnden Ehemann verteidigt, sie hätte ihn provoziert.
      Was in dem Zusammenhang doppelt Bockmist wäre. Ich hatte nach einigen Zwischenfällen ihre Familie kritisiert, die daraufhin über sie hergefallen ist, und sehr bewusst einer bereits schwer depressiven Frau noch bewusst weh tun wollte.

      el_drogo wrote:

      Ansonsten kann ich leider keine hilfreichen Gedanken von mir geben, ausser dass ich selbst wohl versuchen würde mir erst mal nicht zu viel Gedanken (und Sorgen) über die Zukunft zu machen, sondern mich aufs Wesentliche im hier und jetzt zu konzentrieren. Ein Problem nach dem nächsten. Schritt für Schritt.

      Schritt für Schritt ist genau das, was ich ihr momentan sage. Stimmt für sie ja auch.
      Ich selbst muss mir aber auch Gedanken über die mittel- bis langfristige Zukunft machen.
      Bisher bin ich als Erwachsener ganz gut damit gefahren, für mich rote Linien zu definieren. Wenn jemand über diese Linie geht, hat das nicht wiedergutzumachenende Konsequenzen. Mag jetzt hart klingen, aber ich bin (glaube ich) einigermaßen geduldig und tolerant, immer hin kann ich die Menschen mit denen ich endgültig gebrochen habe an einer Hand abzählen.
      Hier wurde für mich eindeutig die Grenze des noch hinnehmbaren Verhaltens deutlich überschritten. Auf gut deutsch gesagt, wenn ich darüber nachdenke, werde ich stinkwütend. Auch mehr als zwei Wochen später. Aber die gesamte Familie meiner Freundin tut jetzt so, als wäre nichts passiert. Und das war tatsächlich das zweite enorm bekackte Familiendrama von denen, innerhalb der letzten 10 Monate.
      Darauf habe ich keinen Bock, und ich will nicht, dass meine Tochter und ich alle paar Monate so einen Scheiß miterleben müssen.
      Es sind ihre Eltern, und sie ist momentan ganz klar nicht bereit, mal die nötigen Grenzen zu ziehen. Nur kann ich ihr schlecht den Umgang verbieten.
      Ich werde versuchen, dass sie in der Klinik mal ihre Beziehung zu ihren Eltern mehr thematisiert, in der Hoffnung, dass die Therapeuten hellhörig werden.
      Die Psychiater wissen Bescheid, aber manchmal habe ich das Gefühl, dass die beiden Flügel da mehr nebenher als miteinander arbeiten.
      It`s not easy to be a birdplane.

      Ich muss meine Reaktionen haben dürfen!

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      @Maegwin Nein, finanziell ist das weniger ein Desaster und prinzipiell machbar. Das ändert aber die Situation vor Ort nicht. Zudem ist mein Mann, in gemeinsamer Absprache, gerade im Umbruch und kurz vor einem Jobwechsel, nach 20 jähriger Firmenzugehörigkeit. Ich würde da gerne die Sicherheit in der Hand halten.

      Ich glaube auch, dass es ein umfassendes Thema ist. Die Arbeit macht mir Spaß, füllt mich aber nicht aus. Ich bin jetzt lange genug drin, es kommt nichts neues und gefühlt entwickelt es sich zurück. Innovation ist nicht. Das blockt mich. Wenn ich viel Arbeit habe, dann eher weil es so umständlich in der Umsetzung ist. Generell mag ich es, wenn es auf der Arbeit scheppert. Dann bin ich gefordert. Finanziell würde ich gerne die sichere Bank bilden und gleichzeitig alles hinschmeißen wollen.

      Ja, eigentlich weiß ich, dass ich irgendwas machen muss. Und da liegt der nächste Kernpunkt. Benötige ich schon psychische Unterstützung? Ist das überhaupt ein Thema für sowas? Das wiederum sehe ich momentan eher als zusätzliche zeitliche Belastung, anstelle als Befreiung/Ausweg - what ever. Ich suche immer die Hand, die mich zieht, aber ich weiß eigentlich gar nicht, wohin sie mich ziehen soll. Ich habe keine Idee, wie ich das ändern könnte. Denn dann würde ich den Weg gehen, selbst, wenn er steinig wäre.

      Ich habe gestern, nachdem ich hier mal ein bisschen das Ventil lüften können, mit meinem Mann gesprochen. Mir bleibt eigentlich nur das ganze mal von außen zu betrachten. Ich könnte kündigen, um der Situation zu entfliehen. Kommt aber nicht in Frage. Ich könnte mir einen anderen Job suchen. Eine neue Herausforderung in ungewissen Gefilden, kann die Lösung sein, aber auch komplett nach hinten los gehen. Außerdem wäre eine Neueinstellung nebst Einarbeitung konträr zur Weiterbildung. Ich beiße die Zähne zusammen und ertrage die Situation oder ich beiße die Zähne zusammen und versuche eine andere Richtung einzuschlagen, in der Hoffnung, dass ich mit einer Perspektive die notwendige Motivation und das Durchhaltevermögen habe, um das ganze gut bewältigen zu können.

      Die momentan einfachste Möglichkeit für mich ist tatsächlich die innerbetriebliche Veränderung. Ich muss jetzt etwas machen, dass ich aus dieser Nummer raus komme und das aktiv.

      Ich bin allerdings völlig sprunghaft. Wie vorab beschrieben. Den einen Tag will ich nicht mehr, will nicht mal im Büro sein und am liebsten alles hinschmeißen und am nächsten Tag bin ich bei "jetzt erst recht mit Vollgas nach vorne". Heute bin ich schon wieder eher auf dem Trichter, dass ich das schaffe. Bin voller Pläne und Tatendrang. Aber das kann Morgen, nächste Woche, spätestens bei der nächsten persönlichen Nummer schon wieder ganz anders aussehen. So war es ja eben immer. Wäre ich gestern so drauf gewesen wie heute, hätte ich niemals diesen Beitrag verfasst. Ich hätte nicht einmal darüber nachgedacht überhaupt irgendetwas zu schreiben und schon gar nicht öffentlich zu stellen.

      Das macht es auch so schwierig für mich mit meinen engsten darüber zu sprechen. Ich heule denen heute die Tasche voll und Morgen winke ich ab, dass alles halb so wild ist. Ich hatte das vor kurzem noch. Ich habe mich Gewichtstechnisch halbiert. Alle finden das toll (ich auch, so ist es nicht). Aber es ging verdammt schnell und ich habe das eigentlich im Kopf nie klar bekommen. Sicher nimmt man das wahr. Aber ich führe jetzt ein komplett anderes Leben. Die Wahrnehmung anderer ist alleine schon eine andere Welt und damit hat sich auch für mich vieles verändert. Dann habe ich die tollen Tage, wo ich die Welt umarmen könnte, dass es ist, wie es ist. Dann habe ich Tage, an denen habe ich Versagensängste, dass alles wieder drauf kommt. Dann gibt es Tage, da glaub ich gar nicht, dass ich das im Spiegel bin. Ich fühle mich dann nicht, wie ich selbst. Und das wechselt rasant. Das ist für mein Umfeld total schwer. Aber für mich eben auch. Ich steuere das ja nicht bewusst. Ich mache es aber immer weniger zum Thema. Zum einen bin ich nicht nur die "Abnahme". Es hat sich jetzt nachdem die großen Lockdowns vorbei waren und der AHA-Effekt bei anderen aufkam nur noch um meine Abnahme gedreht. Ich habe da vollstes Verständnis für, aber irgendwie bleibe ich als Person völlig auf der Strecke. Zum anderen sehen alle nur die tolle Veränderung (ist es zweifelsohne), aber dass ich deswegen trotzdem Zweifel und Ängste habe, mich mal nicht gut fühle, da schwindet mit jedem Tag und jedem weiteren Gramm das Verständnis. Und ich hinterfrage mich selbst schon, ob ich einfach nur dämlich wäre. Wahrscheinlich kommt das alles zusammen. Ich hab keine Ahnung...

      Shajana wrote:

      Benötige ich schon psychische Unterstützung? Ist das überhaupt ein Thema für sowas?

      Ich würde es mal so sagen: Du bräuchtest eine neutrale Unterstützung von außen, mit der Du erarbeiten und Dir in Ruhe angucken kannst, was jetzt wichtig für Dich ist. Diese emotionale Achterbahn ist ja auch total anstrengend und erschöpfend. Wenn Du beim Psychotherapeuten falsch bist, wird der Dir das schon sagen. Ich glaube das aber nach den Informationen, die Du hier gegeben hast, nicht. Das Problem wird leider eher sein, jemanden zeitnah zu finden. Und es braucht natürlich Zeit, aber die scheint mir in dem ganzen ineffektiven Durcheinander gut investiert.
      @HappyTime: Einfach nur alles Gute. Und alle Kraft, die du aufbringen kannst.

      Ich kenne deine Lage (ein wenig) aus eigener Beziehung und das kann dir echt den Boden unter den Füßen wegziehen.

      Halt durch und vergiss nie, wer der Mensch ist, in den du dich verliebt hast - sie kommt irgendwann wieder zum Vorschein.

      Ich quetsche alle Daumen.
      Sorry, no dragons in Winterfell!

      Hodor I. Targaryen wählte nach seiner Inthronisierung das neue Motto seines Hauses aus: "Hodor"!
      Ach @HappyTime, ich schicke dir bzw.. euch ganz viel Kraft! Ich habe mit meiner besten Freundin diese Zeit erlebt, und weiß noch wie schlimm das für mich war sie so zu sehen. Ich will mir gar nicht vorstellen wie es dir geht.
      Ich kann dir aber nur das gleiche wie die Ärzte sagen, postpartale Depressionen haben eine super hohe Genesungsrate, auch wenn das in der Akutsituation nicht hilft.
      Hast du denn jemanden mit dem du reden kannst?
      "Let me tell you something about wolves, child. When the snows fall and the white winds blow, the lone wolf dies, but the pack survives." -Eddard Stark
      Euch dreien auch ein Dankeschön für eure Anteilnahme.
      Als Update, es geht weiter bergauf. Die "Ausknocker" werden ausgeschlichen, sind teilweise bereits in der minimalen Dosierung. Das Antidepressivum wird erhöht, und zeigt bereits Wirkung. Tatsächlich ist sie seit einigen Tagen beinahe wieder ihr altes Ich.
      Man muss jetzt auf Nebenwirkungen der verschiedenen Medikamente achten, und auch Rückschläge sind leider möglich. Ihre Ärztin hat ihr heute aber immerhin in Aussicht gestellt, in 14 Tagen entlassen zu werden. Wenn alles gut läuft.

      WinterIsComing wrote:

      Hast du denn jemanden mit dem du reden kannst?

      Ich habe meine Familie :).
      Da merkt man mal wieder, wie wichtig eine funktionierende Kernfamilie ist. Wir haben/hatten auch unsere Dramen, aber ich weiß, immer wenn ich Hilfe brauche, sind diese Menschen für mich da.
      Ich hoffe nur, dass ich meiner Tochter in Zukunft eine ähnlich gute Stütze im Leben sein werde, wie meine Eltern es für mich waren und sind.
      It`s not easy to be a birdplane.

      Ich muss meine Reaktionen haben dürfen!
      @HappyTime: Das freut mich aufrichtig für euch.

      Gogogo, Jungpapi!

      Und hoffentlich hast du dann irgendwann mal auch Zeit für dich selbst, dein Stress muss irre gewesen sein.

      Zum Thema Kernfamilie: Meine Schwester war so sozial und hat neulich alle Geschwister, Cousins und Cousinen mit ihren relevanten Familien (wie z.B. meiner, die Kinder sind ja nicht von mir gezeugt) zum 15. Geburtstag ihrer Tochter eingeladen in ihr kleines Haus.

      Kamen nicht alle, 23 waren wir aber trotzdem, den einen Säugling nicht mitgezählt. Gut, dass wir grillen konnten, das Wetter, wie es jetzt ist, hätte es undenkbar gemacht.

      Familie ist wichtig, da kann man sagen, was man will.
      Sorry, no dragons in Winterfell!

      Hodor I. Targaryen wählte nach seiner Inthronisierung das neue Motto seines Hauses aus: "Hodor"!

      Post was edited 1 time, last by “ssnake” ().

      Das sehe ich auch so. Auch wenn mich meine Eltern und meine Schwester manchmal unheimlich nerven (wir sind einfach alle sehr verschieden), versuche ich stets ein möglichst gutes Verhältnis zu ihnen zu wahren und umgekehrt. Wenn dich jeder auf der Welt im Stich gelassen hat, wird deine Kernfamilie trotzdem noch zu dir halten, deine Sorgen und Ängste teilen und alles geben um dir aus deiner ungünstigen Situation heraus zu helfen.

      @HappyTime
      Ich drücke die Daumen, dass es in dem gleichen Tempo weiter bergauf geht und ihr von "Rückfällen" Verschont bleibt.
      ich bin der singende, tanzende Abschaum der welt.
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